Archiv für die Kategorie: “Kolumnen”
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik ‘An der Seitenlinie’, veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.
Vor 14 Tagen hatte einer meiner besten Freunde einen großen Abend. In Zürich stellte er im Rahmen einer Vernissage sein Buch über den Hardturm, das alte und inzwischen abgerissene Stadion des Schweizer Rekordmeisters Grasshopper-Club Zürich vor. Es ist hierbei natürlich erstaunlich, daß ausgerechnet ein Deutscher kommen mußte, um dieser legendären Wettkampfstätte mit einem Bildband ein literarisches Denkmal zu setzen. “Dennoch” ist es sehr gelungen und seinem Thema ein würdiges Zeitdokument. Daß für den Tag darauf zufällig ein Heimspiel der Hoppers gegen den AC Bellinzona auf dem Programm stand, rundete den Ausflug in die Schweiz natürlich wunderbar ab. Denn auf der Trainerbank von GC sitzt seit Saisonbeginn der ehemalige Lauterer Spieler Ciriaco Sforza, dessen man sich in der Pfalz noch heute nicht unbefangen erinnert. Einerseits feierte er 1998 mit dem damaligen Aufsteiger FCK die wohl sensationellste Meisterschaft der Bundesligageschichte, andererseits geriet er im Folgenden des öfteren mit seinen dortigen Trainern wie Otto Rehhagel oder Joachim Michael Henke derart aneinander, daß er schließlich als „Spaltpilz“ oder „Stinkstiefel” denunziert wurde. Sforza hat hierzu eine gesunde Distanz entwickelt und ist mit sich im Reinen – „Ich hatte als Spieler eine verantwortungsvolle Position, sodaß es sowohl mein Recht, als auch meine Pflicht war, wichtige Dinge anzusprechen. Ich habe nur das getan, was ich meinem Gefühl nach machen mußte.“
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Paul Metzger, der neue Präsident des KSC, hat gleich zu Beginn seiner noch jungen Amtszeit eine beträchtliche Energie gezeigt, die nicht nur die Angestellten des Vereins, sondern auch Außenstehende mehr als verblüfft hat. Wohin auch immer er in den vergangenen Tagen sein Aktionsfeld richtete, entfaltete er dort umgehend die Wirkung eines Fuchses im Hühnerstall – es flogen die Federn und herrschte gewaltige Aufregung. Daß er auf der freitäglichen Mitgliederversammlung eingestand, sich in seiner neuen Rolle als Präsident erst noch finden zu müssen, ehrt ihn daher außerordentlich. Ein Fußballverein ist ein fragiles Gebilde, das auf allen Ebenen sehr fein austariert sein muß, um nicht instabil zu werden. Daher ist ihm und dem Verein zu wünschen, daß die notwendigen Umbrüche in Ausführung und Wirkung künftig etwas sanfter verlaufen. Denn es ist klar, daß beim KSC vieles auf den Prüfstand kommen muß. Und um so akzeptierter wird dieses sein, wenn es besser kommuniziert und sensibler angegangen wird. Denn es steht viel auf dem Spiel.
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Da die Auswärtsfahrten mit dem KSC zur Zeit recht freudlos werden können, ist man natürlich darum bemüht, diese Reisen noch mit anderen Terminen zu verknüpfen. Denn auf diese Weise ist die Chance größer, nach der Heimkehr auf gewinnbringende Erlebnisse zurückblicken zu können. Also kombinierten wir das Spiel in Düsseldorf mit Besuchen bei zwei ehemaligen Spielern des KSC. Wir begannen in Köln-Neubrück bei Reinhold Wischnowsky, der zwischen 1958 und 1966 rund 150 Wettbewerbsspiele für den KSC bestritten und hierbei 34 Tore erzielt hatte. Der gelernte Bergmann erinnerte sich sichtlich gerührt an seine Karlsruher Zeit. Beim Rückblick auf seinen nicht ganz freiwilligen Abschied von den Blau-Weißen wurde es gar so emotional, daß wir kurz unterbrechen mußten. Daß sich heutige Aktive von ihren Gefühlen ebenso mitreißen lassen, darf bezweifelt werden.
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Nur wenige Minuten, ehe das Niveau der Mitgliederversammlung des KSC am vergangenen Mittwoch mit den Tumulten um die Wortmeldung Oliver Kahns ihren unrühmlichen Tiefpunkt erreichte, traten Walter Baureis und Rudi Fischer gemeinsam den Heimweg an. Langsam und mit sichtlich bestürzten Mienen, der eine den anderen am Arm führend, trotteten die beiden Protagonisten der besten KSC-Generation aller Zeiten – der Pokalsieger- und Vizemeistermannschaft der 50er Jahre – gen Ausgang der Europahalle. Fischer bruddelte im Vorübergehen noch ein deutliches “Kaschperletheater” in die Runde. Und es war ebenso peinlich wie bestürzend, sich eingestehen zu müssen, daß der alte Torwart Recht hatte. Später war man dann froh, daß die beiden betagten Herren gerade noch rechtzeitig die Flucht ergriffen hatten und ihnen die endgültige Desavouierung des guten Namens “KSC” somit erspart geblieben war.
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Auch nach dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund, das der KSC – zugegeben unerwartet – deutlich verlor, bleibt es für die KSC-Fans spannend und folgen binnen weniger Tage weitere Höhepunkte: das Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern, sowie am 30. September die Mitgliederversammlung in der Europahalle, auf der das neue Präsidium gewählt werden wird. Am vergangenen Freitag gab es für an Ämtern Interessierte nun die letzte Gelegenheit, ihre Bewerbung einzureichen. Der Letzte, der diese nutzte, war Ex-Stürmer Arno Glesius, der sich um einen der beiden Vize-Präsidenten-Plätze bemühen wird. In Anbetracht der anderen Bewerber um einen dieser zwei Posten ist er der einzige, der über sportliche Erfahrung verfügt. Wie der ausscheidende Rainer Schütterle galt der Spieler Glesius als populärer Sympathieträger, dessen größte Tat gewiß das Ausgleichstor gegen Eintracht Frankfurt in der letzten Minute der Saison 1987/88 war. Dadurch blieben den Mannen um Trainer Winfried Schäfer die nervenzehrenden Relegationsspiele gegen Darmstadt 98 erspart, denen sich hierfür der SV Waldhof stellen mußte. Wer weiß, ob die junge Schäfer-Truppe dieser Belastung standgehalten hätte. Ob Glesius diesen Sympathiebonus wird nutzen können, weiß man natürlich noch nicht. Denn vergangene sportliche Großtaten werden den kritischen Mitgliedern nicht mehr genügen, um ihm das Vertrauen zu schenken. Zu sehr dürften sie an Schütterle denken, der sich in seiner letzten Amtszeit aus unterschiedlichen Gründen doch arg zurückgenommen hatte und keine Impulse mehr setzen konnte. Somit wird Glesius, wie alle anderen Anwärter, fachlich ebenso glänzen müssen wie einstmals auf dem Platz. Zuzutrauen ist es ihm jedenfalls allemal.
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Markus Schupp hat mich nicht verstanden. Nun, so etwas passiert mir öfters und ist so weit nicht sehr verwunderlich. Denn ich gebe zu, daß meine Gedankengänge nicht selten ins Bizarre neigen und sich dem Außenstehenden, wenn überhaupt, erst mit Verspätung erschließen. Und, zugegeben, es ist für einen neuen Trainer auch ungewöhnlich, von einem Journalisten eben nicht nach seinen ersten Eindrücken gefragt zu werden, sondern nach Geschichten von „anno dunnemals“. Nach dem Samstagstraining wollte ich also den neuen Trainer des KSC auf seine FCK-Vergangenheit und folgend auf Besonderheiten früherer Aufeinandertreffen mit dem badischen Lokalrivalen ansprechen. Denn in Kaiserslautern machte der Idar-Obersteiner seine ersten Schritte als Fußballprofi und spielte von 1984 bis 1991 immerhin satte sieben Jahre im roten Trikot. Schon als jugendlicher Fußballfan schaute Schupp, schon aufgrund der räumlichen Nähe, mit Sympathie in Richtung Betzenberg und erlebte dort als Mittelfeldspieler später bemerkenswerte Erfolge – DFB-Pokalsieg 1990 und Deutscher Meister 1991. Und natürlich hat er dorthin noch zahlreiche Kontakte, im besonderen zu seinem ehemaligen Jugendtrainer, der FCK-Ikone Ernst Diehl.
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Als Fotograf an der Seitenlinie hatte man während der zweiten Halbzeit des KSC-Spiels am Freitag in Paderborn reichlich Zeit, sich abseits des Rasens umzuschauen und auf die Zuschauer zu achten – denn auf dem Spielfeld tat sich herzlich wenig, das des Dokumentierens wert gewesen wäre. Hierbei waren die sich im Stehplatzblock befindlichen KSC-Fans lautstark böse, während sich diejenigen im Sitzplatzbereich schlicht nur der Lethargie und Fassungslosigkeit hingaben. Es war die Demonstration dessen, wie die deutsche Sprache um den Begriff „ein langes Gesicht machen“ bereichert werden konnte. Nach dem Abpfiff schließlich beschimpften die Fans ihre Spieler hemmungslos, was sich einer von ihnen nicht bieten lassen wollte: Der Kroate Dino Drpic pöbelte in seiner Muttersprache fleißig zurück. Allerdings nicht ahnend, daß sich gleich in der ersten Reihe ein Fan befand, der des Kroatischen ebenfalls mächtig war. Die kolportierten Worte Drpic’ dürften locker ausreichen, um heute in gewissen Milieus deutscher Großstädte erbitterte Blutfehden auszulösen.
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Liebe Leser,
leider ist es in der letzten Woche untergegangen, die Kolumne zum Aachen-Spiel online zu stellen. Hier ist sie nun. Und angesichts des Spiels in Paderborn vom vergangenen durchaus noch nicht einmal veraltet.
Die Paderborn-Kolumne wird dann im Laufe des heutigen Tages eingestellt.
Die Redaktion
Meine Cousine Angelika, die seit vielen Jahren in Manitoba, Kanada, lebt, ist zur Zeit auf Heimatbesuch in Karlsruhe. Mitgebracht hat sie ihre Tochter Petra sowie deren Freundin Theresa. Und nachdem die lustige Schar in der vergangenen Woche bei einer wohltätigen Losaktion für Kinder in Not auf dem Marktplatz diverse KSC-Utensilien gewonnen hatte, nahm man dies nun zum Anlaß, das Besuchsprogramm um ein KSC-Heimspiel zu erweitern. Nach den bisher besuchten Klassikern wie Schloß Favorite in Kuppenheim oder dem guten alten Heidelberg, wollte man nun etwas Lebhafteres erleben. Angelika selbst war zuvor in ihrem Leben erst einmal beim Fußball gewesen. Im Wildparkstadion, Gegner war Bayern München. „Ob der KSC auch mitgespielt hat, weiß ich aber nicht“, gibt die gebürtige Karlsruherin über ihr bescheidenes Fußballwissen als Rüstzeug für das anstehende Spiel gegen Alemannia Aachen ehrlich zu. Dennoch hat sie hinterher das für das Spiel des KSC an diesem Abend Wesentliche erkannt – „die Zuspiele haben nicht geklappt, da hat der KSC schlechter ausgesehen als Aachen. Auch war er sehr vorsichtig und wenig draufgängerisch“.
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Die Sommerpause ist vorbei und in der Rheinpfalz erscheint montags wieder die Kolumne “An der Seitenlinie” von Matthias Dreisigacker. Und diese können Sie tags darauf, wie gewohnt, in einer leicht erweiterten Fassung hier nachlesen.
Der KSC erspart seinen Fans allzu viele Veränderungen
Mit dem Sieg bei Tennis Borussia Berlin hat der KSC am Samstag seine ersten Ziele erreicht. Einerseits ist er sportlich eine Runde weitergekommen, und andererseits hat er sich damit wirtschaftlich das Bonbon weiterer TV-Einnahmen gesichert. Es ist inzwischen zwar üblich, aus solchen Pokalbegegnungen mit unterklassigen Gegnern weitergehende Rückschlüsse auf die sportliche Leistungsfähigkeit beiseite zu schieben. Hauptsache durch, lautet dann unisono das Fazit der Verantwortlichen und Spieler. Wohltuend waren aber die ersten Stellungnahmen des Trainers Edmund Becker, der seiner Mannschaft die Kritik nicht ersparte, sich zu viele Konzentrationsmängel und Fehler im Zusammenspiel, besonders in der Offensive, geleistet zu haben, und bis zum Spiel gegen Alemannia Aachen am kommenden Freitag eine Steigerung als notwendig anmahnte.
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Liebe Leser,
die wöchentliche Kolumne “An der Seitenlinie”, die seit zwei Jahren immer montags in der Rheinpfalz erscheint und hier – zeitversetzt und in einer erweiterten Fassung – veröffentlicht wird, geht in die Sommerpause und wird gegen Saisonbeginn 2009/10 wieder aufgenommen werden.
Also bitte nicht wundern, wenn hier die Beiträge in den nächsten Wochen also fehlen werden. Da sich der Fußball und der KSC im besonderen jedoch nicht an das wohlverdiente Päuschen anderer halten werden, wird wohl dennoch das eine oder andere Thema hier aufgegriffen werden. Nur eben noch etwas seltener.
Allen, denen dies zu wenig sein wird, sei grundsätzlich das ausgezeichnete Blog C3 empfohlen. Dort lohnt es sich auch, in älteren Beiträgen zu stöbern und somit das Sommerloch gewinnbringend zu überbrücken.
In diesem Sinne,
die Redaktion
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