Archiv für die Kategorie: “Kolumnen”

Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik ‘An der Seitenlinie’, veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.

Die Rheinpfalz-Kolumne vom 12. Mai 2010

Wenn man zuletzt ins Wildparkstadion ging oder sich näher mit dem Verein beschäftigte, dann gab es nur sehr wenig, das zur Heiterkeit beitrug. So auch am vergangenen Sonntag, als der KSC endlich das letzte Spiel einer Saison austrug, die man weder in guter noch in schlechter, sondern bestebfalls in überhaupt keiner Erinnerung bewahren möchte und sollte. Doch immerhin eine Sache gab es, die den Menschen reihum im Stadion ein Lächeln ins Gesicht zauberte – die Durchsage der Zuschauerzahl. Diese lag stets in einer Höhe, die dem Blick ins weite Rund auch nicht mit dem größten Wohlwollen standhalten konnte. Rechnerisch mochte und mag es zwar stimmen, daß man die vor der Saison verkauften Dauerkarten als Basis nimmt und die Tageskarten einfach hinzuaddiert. Doch die Realität war stets trüber. In der nun beendeten Rückrunde waren viele Dauerkartenbesitzer schlicht zuhause geblieben, sodaß die Zahl der tatsächlich anwesenden Zuschauer für den geübten Betrachter in der Regel stets deutlich unter der genannten lag. So auch am Sonntag gegen Fürth, als die bemerkenswerte Zahl von 18.261 durchgesagt wurde. Früher, als der Kartenverkauf noch nicht derart technisiert war, war es gerade umgekehrt. Gewiß waren auch die damals genannten Besucherzahlen ein steter Quell der Heiterkeit. Aber nur, weil sie stets deutlich zu niedrig ausfielen und man sich im Geiste prächtig vorstellen konnte, wie auf der Geschäftsstelle so manche Geldbündel als eiserne Ration für diffizile Vertragsverhandlungen in einem Schuhkarton verschwanden. Abseits dieser vergangenen und aktuellen Kuriositäten wird man sich in der kommenden Saison auf mehr freie Plätze einrichten müssen, als einem lieb sein kann. Denn viele Karteninhaber, die nach dem Abstieg ihr Abonnement noch gehalten hatten, werden es in diesem Sommer nicht mehr erneuern – um somit nicht nur deshalb ins Stadion kommen zu müssen, weil sie schon Monate zuvor bezahlt haben, sondern nur dann, wenn die Mannschaft ihnen dafür gute Gründe liefert.

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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 4. Mai 2010

Wie hier vor einiger Zeit hier bereits berichtet, geht es dem ehemaligen KSC-Spieler Raimund Krauth nicht gut. Nach einem schweren Vorfall während eines operativen Routineeingriffs im Frühjahr vergangenen Jahres liegt er weiterhin im Wachkoma und werden er und seine Familie für nicht absehbare Zeit auf Hilfe angewiesen sein. Und diese Hilfe kommt nun so langsam in ein Rollen, wie es noch vor einigen Monaten nicht erwartbar war. Denn die bisher einsamen Streiter um Michael Künast und das Ehepaar Ute und Wolfgang Beer haben in Rolf Dohmen und dessen Gattin Bettina Zorn wichtige Unterstützer erhalten. Dohmen, der mit Krauth zwischen 1977 bis 1982 fast 5 Jahre in einer Mannschaft stand, engagiert sich inzwischen mit all seinen Möglichkeiten für die gute Sache, die am 30. Juli in einem Benefiz-Spiel auf der Anlage des SVK Beiertheim ihren vorläufigen Höhepunkt finden wird. Eigentlich näher gelegen hätte es, wenn das Spiel bei Fortuna Kirchfeld, wo Krauth zuletzt noch als Trainer der 2. Mannschaft aktiv war, stattgefunden hätte. Doch ist das neue Stadion bei der Europahalle für eine solche Großveranstaltung einfach geeigneter.

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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 26. April 2010

Wer am Freitagabend ins Wildparkstadion gekommen war, um sich nicht wie der Fan-Block selbst und die Fan-Freundschaft zu Pisa zu feiern, sondern um ein einigermaßen vernünftiges und unterhaltsames Fußballspiel zu sehen, rang nach Spielende kaum versteckt mit der Fassung. Angekündigt worden war das Treffen mit dem abgeschlagenen Tabellenletzten aus Ahlen von Trainer Markus Schupp damit, daß man den „Fans etwas zurückgeben“ und „ein höheres Tempo“ gehen wolle als im vorangegangenen Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock. Ziel sei es schließlich, die Zuschauer mit drei abschließenden Siegen „ein wenig“ zu versöhnen. Das jenen dann tatsächlich Vorgesetzte sprach diesem Vorhaben allerdings blanken Hohn. Gewiß, man hatte gewonnen. Doch die Art und Weise, wie dieser Erfolg zustande gekommen war, ernüchterte allenthalben oder erregte blanken Zorn.

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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 6. April 2010

Nein – weder war ich in Berlin, noch habe ich mir das KSC-Spiel bei Union live im Fernsehen angeschaut. Statt dessen ging ich ins Ruder-Training. Der körperliche Verfall schreitet unaufhaltsam voran, wobei ich ihm nicht wehrlos gegenüber stehen möchte. Also ließ sich mein temporärer Leidenschaftsentzug für den KSC prächtig mit dem nützlich-angenehmen verbinden. Nach der mehrstündigen Pein zog ich mit dem Fahrrad von dannen und sah am Straßenrand ein Auto stehen, dessen Fahrer sich konzentriert der Schlußkonferenz im Radio widmete. Schalke gegen Bayern, ein wichtiges Spiel für Fußball-Deutschland. Dennoch erlaubte ich mir die höfliche Nachfrage, wie denn der KSC gespielt habe. Die Reaktion war ernüchternd. Kurz auflachend antwortete er, das wisse er nicht, und das Ergebnis würde in der Sendung auch bestimmt nicht durchgesagt werden. Und daß es ihn generell überhaupt nicht interessiere, mag er nur deshalb nicht nachgeschoben haben, weil er sich so schnell als möglich wieder dem Treiben in Gelsenkirchen hingeben wollte. „Na warte“, dachte ich beim Weggehen, „Dich sehe ich jetzt schon vor mir, wie Du nach dem nächsten Bundesligaaufstieg des KSC in einer 600-Meter-Schlange vor der Geschäftsstelle um eine Karte für Spiel gegen Bayern anstehen wirst.“ Und natürlich malte ich mir im Geiste aus, der KSC-Kartenschalter-Meisterin Uschi Ötzel in jenem Moment einen Knuff in die Seite zu geben, wenn nach 6 Stunden im strömenden Regen dessen Gesicht vor ihrer Glasscheibe auftauchen und sie wie von mir zuvor instruiert die Worte sagen würde: „Ätsche-bätsch, ausverkauft!“

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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 29. März 2010

Am vergangenen Donnerstag ist der ehemalige KSC-Präsident Roland Schmider 70 Jahre alt geworden. Von 1973 bis 2000 war er dem Verein als Präsident vorgestanden und hatte diesen in all den Jahren geprägt und repräsentiert wie kein anderer vor und nach ihm. Es waren Zeiten, in denen der Bundesligafußball noch nicht derart durchorganisiert war wie heute und man seinem bisweilen in Nöte geratenen Club noch auf recht unorthodoxe Weise helfen konnte. Schmider und der KSC hatten hierzu nicht selten das Bedürfnis und die Gelegenheit, da in seine Amtszeit immerhin vier Bundesligaauf- und abstiege standen. Hierbei inbegriffen waren natürlich zahlreiche Turbulenzen personeller und im besonderen wirtschaftlicher Art. Der umgängliche und leutselige Wahl-Neureuter konnte gut mit Menschen und Institutionen umgehen und wußte dieses Talent für seinen Verein auch einzusetzen. Wie oft mag man beim DFB in der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise der siebziger und achtziger Jahre ob der dort von den Karlsruhern eingereichten Lizenzierungsunterlagen mit dem Kopf geschüttelt haben, da diese offenkundig doch eher Grimms Märchen als betriebswirtschaftlichen Lehrbüchern entnommen zu sein schienen. Mußten seinerzeit Vereine wie der F.C. St. Pauli, Kickers Offenbach oder Rot-Weiß Oberhausen über die Klinge springen, brachte Schmider seinen Klub allerdings stets irgendwie durch. Ebenso kann man davon ausgehen, daß er mit seinem Talent z. B. die Gunst der vergangenen Jahre, als der KSC so dicht wie noch nie vor der Lösung der leidigen Stadionfrage gestanden hatte, weitaus besser genutzt hätte als sein späterer Nachfolger Hubert H. Raase.

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Die Rheinpfalzkolumne vom 23. März 2010

Eine runde Woche ist nun vergangen, seit das Präsidium des KSC nun schon zum wiederholten Male in dieser Saison von kräftigen Turbulenzen durchgeschüttelt wurde. Dies ist heutzutage eine lange Zeit, da nichts so alt sein kann wie die Nachricht von gestern. Und, zugegeben, man ist ob der schon nahezu konstant unappetitlichen Nachrichtenlage aus dem Wildpark arg ermüdet. Erst recht, wenn man erst seit wenigen Stunden von einer überflüssigen Reise nach Oberhausen zurückgekehrt ist. Man muß lange zurückdenken, daß einem der Spaß am Karlsruher Fußball derart verleidet worden ist. Ein am Sonntag ebenfalls im Stadion weilender Freund flüchtete bereits 10 Minuten vor Spielende mit zornesrotem Kopf von dannen, weil er die „charakterlich schlimmste“ Mannschaft seit dem Zweitligaabstieg 1999/2000 nicht mehr ertragen konnte. Er – in Oberhausen wohnend – sieht seinen Verein nicht oft spielen, und wenn doch, dann schlägt das Schicksal in der Regel erbarmungslos zu. Es gab für ihn einmal eine Phase von etwa 12 KSC-Spielen im Westen, während der er sich gerade einmal über 1 Tor freuen durfte. Geschweige denn, daß der KSC in dieser unglaublichen Serie auch nur eine Partie gewonnen hätte. Das Leben ist mitunter hart – andere Männer haben zu Hause eine böse Frau oder ein Furunkel am Hintern sitzen. Und mein Freund eben den Karlsruher SC. Das ist weiß Gott nicht schön.

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Die Rheinpfalzkolumne vom 16. März 2010

Der KSC und sein junger Verteidiger Michael Blum ringen gerade um eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit. Es wogt hin und her, mal verkündet eine Seite das Aus der Verhandlungen, oder die andere eine nur kurz bevorstehende Einigung. Unter der Hand munkelt man, daß sich das Angebot des Vereins auf monatlich 8.000 Euro belaufe, während sich der Spieler und sein Berater gerne das doppelte dieser Summe erhoffen. Die Arbeitsnachweise des talentierten Rheinländers sind bislang ordentlich, auch darf er sich aufgrund seiner stets vorhandenen Einsatzfreude über die breite Sympathie des Publikums freuen. Ob er allerdings grundsätzlich die im Raume stehenden Beträge wert ist, entzieht sich der Kenntnis des Betrachters, da diesem die Vergleichwerte zu anderen Spielern seiner Kategorie fehlen. Daher kann man auch nicht verbindlich urteilen, ob der KSC gerade versucht, einen jungen Mann vertragspolitisch über den Tisch zu ziehen oder jener bereits angefangen hat, in luftigsten Höhen traumzuwandeln. Unangenehm sind solch öffentlich ausgetragenen Dispute allerdings für beide Seiten. So steht der KSC in einem heftigen Konkurrenzkampf um junge Nachwuchsspieler, auf die er aus Image- und besonders Kostengründen so sehr angewiesen ist. Da ist es nicht gut, sollte sich herumsprechen, daß man junge Spieler finanziell auszunutzen versucht. Und Blum selbst könnte schnell das Schildchen „Raffzahn“ umgehängt bekommen. Besser wäre also tatsächlich, daß Verhandlungsinhalte von beiden Seiten intern behandelt werden sollten.

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Die Rheinpfalzkolumne vom 9. März 2010

Diese Kolumne entstand nur wenige Stunden vor dem Spiel des KSC bei Arminia Bielefeld. Und da eine ordentliche Zeitung nun einmal nicht die grenzenlose Zeitfreiheit des Internets besitzt, kann es passieren, daß Sie hier etwas über den KSC lesen, das zum Zeitpunkt Ihrer Lektüre schon wieder barer Unsinn sein könnte. Andererseits gibt es aber auch Dinge, an derer Betrachtensweise auch die 90 Minuten in Ostwestfalen nichts werden ändern können. Und hierzu gehören unter anderem Gedanken über den richtigen Gebrauch von Macht und Einfluß. Journalisten und Inhaber wichtiger öffentlicher Ämter und Positionen verfügen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, über eine solche „Macht“. Äußerst irritierend ist es daher stets, wenn man festzustellen meint, wie unbedacht, rücksichtslos oder deren Inhaber überfordernd diese eingesetzt werden kann. Nehmen wir doch einmal den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Dr. Theo Zwanziger, sowie seinen einstmaligen Schiedsrichteraufseher Manfred Amerell. Unbesehen dessen, was – und ob überhaupt – der ehemalige Geschäftsführer des KSC denn nun tatsächlich mit seiner Entscheidungsgewalt über junge Schiedsrichter angestellt hat, ist es verstörend, wie Amerell auf den Verlust von Einfluß und öffentlicher Reputation reagiert. Jeder, dessen der Oberschwabe habhaft werden kann und wird, darf sich darauf einstellen, daß sein Leben künftig ein anderes sein wird. Geradezu alttestamentarisch wirken sein verletzter Stolz und Zorn – und desavouiert ihn daher fast schon mehr, als jedwede sich herausstellende Unregelmäßigkeit in seinem Amt es hätte tun können. Als ähnlich ungenügend offenbarten sich in den vergangenen Wochen die Fähigkeiten Dr. Zwanzigers, menschenkundlich und intellektuell seinem wichtigen Amt gerecht zu werden. Ohne auch nur näher mit der Materie befaßt zu sein ist es ersichtlich, daß es dem DFB-Präsidenten in nur wenigen Tagen gelungen ist, mehrere Existenzen zu ruinieren. Und spätestens jetzt ist es ein Rätsel, wie jemand wie er zu seinem wichtigen Amt kam.

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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 2. März 2010

Soviel vorweg: Der FCK hat am Sonntag in Karlsruhe verdient gewonnen. Daher hielt und hält sich der badische Gram gegenüber den Pfälzer Gästen doch in Grenzen. Manch einer wird über den bevorstehenden Bundesliga-Aufstieg des alten Rivalen sogar noch nicht einmal böse sein, da man in diesem Falle die rotgewandete Flut den Wildpark so bald nicht wieder überschwemmen sehen müßte. Viel mehr getroffen sein wird man hingegen von der erneut sehr schwachen Leistung des KSC. Und der Zorn mag sich hernach sogar noch gesteigert haben, als sich die sportliche Leitung nicht zu schade dafür war, die eher zufällige Pausenführung noch als Beleg dafür herzunehmen, daß man doch eigentlich lange Zeit recht passabel gespielt und mitgehalten habe. Unsinn! Der FCK hatte die ersten 45 Minuten schlicht verschlafen und mehr die Wetterkapriolen genossen, als sich mit dem Spiel zu beschäftigen. Sobald er nach der Halbzeit ein wenig anzuziehen begann, war es um das Karlsruher Kartenhäuschen geschehen gewesen.

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Rheinpfalz-Kolumne vom 23. Februar 2010

Gerd Kleppinger strahlte nach dem Spiel wie das legendäre Honigkuchenpferd. Der ehemalige KSC-Verteidiger (1982-84) ist heute unter dem einstmals ebenfalls das KSC-Trikot tragenden Hans-Jürgen Boysen (1980-85) Co-Trainer des FSV Frankfurt und war nach dem Abpfiff des sonntäglichen Spiels einfach nur erleichtert. „Wir brauchen die Punkte nötiger als ihr“, sagte er mir fest auf die Schulter klopfend und sogleich hinterherschiebend, daß der ganze Spieltag für seine Mannschaft gelaufen sei. Meine mitten in seine Euphorie hinein gehauchte Frage nach der Befindlichkeit des KSC nahm er soweit nicht ernst und versicherte er, daß dieser ganz bestimmt nicht in den Abstiegskampf hineinrutschen werde. Na, wenn er sich da mal nicht täuscht. Oder man unterstellt ihm eine erstaunliche Kenntnis der deutschen Semantik und deutet seine Antwort so, daß der KSC mit Existenzängsten nur deshalb nichts zu tun haben werde, weil er nämlich schon mittendrin steckt.

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