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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 9. Februar 2010
In der heutigen Zeit ist es so, daß es Ausbildung und Beruf mit sich bringen, seine Heimat verlassen und sich weit weg von den gewohnten Maultaschen und Dambedeis niederlassen zu müssen. Berlin, Köln, München – in vielen Städten leben heute viele Badener. Nur nicht in Hamburg. So scheint es zumindest, wenn ich an das vergangene Wochenende an der Elbe zurückdenke. Im gesamten Stadtgebiet waren die Bürgersteige von einer zentimeterdicken Eisschicht gepanzert, die zudem spiegelglatt war. Mag es einen am Oberrhein zwar oft zur Weißglut treiben, wenn der pflichtbewußte Nachbar am Sonntagmorgen schon um 6 Uhr die Gehwege mit mehr Lärm als Talent von Schnee und Eis zu befreien beginnt, so lernt man solchen Eifer nach nur 3 Tagen in der Fremde wert zu schätzen. Es ist nur zu hoffen, daß sich das Verletzungspech der KSC-Profis nun nicht auch noch auf die rund 1.700 mitgereisten Fans übertragen hat und alle heil nach Hause gekommen sind.
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Es war am 1. März des vergangenen Jahres: Spätestens als auf dem Adenauerring in Höhe der Gegengeraden neben Feuerwerkskörpern auch noch ortsfremde Objekte wie ein Barhocker durch die Luft flogen, wurde deutlich, daß etwas gänzlich schief gegangen war. Wenige Minuten zuvor war das Bundesligaspiel des Karlsruher SC gegen den VfB Stuttgart, das die Badener mit 0:2 verloren hatten, abgepfiffen worden und gingen Teile der jeweiligen Anhängerschaft nun in eine lebhafte Verlängerung. Die Sicherheitskräfte hatten hierbei erhebliche Mühe, die rücksichtslos geführten Ausschreitungen zu beenden und gerieten in der Hitze des Gefechts sogar handgreiflich mit unbeteiligten Zuschauern aneinander, die ob der chaotischen Situation weder nach vorne oder hinten ausweichen konnten.
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Am 5. Februar tritt der KSC zum Wettbewerbsspiel der 2. Bundesliga beim F.C. St. Pauli an. Wir fahren mit an Elbe und Alster und bieten all denjenigen, die sich dort gleich ein ganzes Wochenende gönnen, noch eine blau-weiße Verlängerung an: Den 2. HELDEN!abend.
Zu diesem Anlaß lesen wir nicht nur zum Teil unveröffentlichte Texte aus den HELDEN! und unserem Bildband im Wildpark, sondern bitten auch noch zu einer hochinteressanten Gesprächsrunde mit den ehemaligen KSC-Spielern Carsten Rothenbach und Klaus Zaczyk.
Den heutigen Verteidiger vom Millerntor kennt man hierzulande noch sehr gut, klar. Aber wer ist Klaus Zaczyk? Der Nordhesse wechselte 1963 vom VfL Marburg in den Wildpark und war in der Premierensaison 1963/64 der jüngste Bundesligaprofi. Bis zum Bundesligaabstieg 1968 blieb er dem KSC treu und wurde somit zum Zeitzeugen der ersten Bundesligaära unseres Klubs. Über den 1. FC Nürnberg wechselte er 1969 zum HSV, mit dem er 1976 den DFB-Pokal holte und 1977 Europapokalsieger der Pokalsieger wurde. Zaczyk bestritt insgesamt 400 Bundesligaspiele und erzielte 61 Tore.
Wir gehen also davon aus, daß es ein interessanter Abend wird.
Datum und Uhrzeit: Samstag, 6. Februar 2010, 20.30 Uhr
Ort: „Urknall“, Sartoriusstr. 14 in Hamburg-Eimsbüttel
Info: www.urknall-hh.de
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Am Dienstagabend vergangener Woche war das Clubhaus des KSC dicht gefüllt. Hinten drängten sich sogar die Menschen um die verbliebenen Stehplätze. Der Grund für diesen Massenauflauf war ungewöhnlich: Das Präsidium um Präsident Paul Metzger hatte die Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um sie über den derzeitigen Stand der Dinge zu unterrichten und mit Gerüchten und Unterstellungen aufzuräumen, die es von Beginn an so treu begleiten und charakteristisch geworden sind wie bei Donald Duck das Unglück. Eine zweifellos ungewöhnliche Herangehensweise, keine Frage. Aber da man sich am Adenauerring von einer Presse umzingelt fühlt, die sich aus Sicht der Offiziellen ebenso hartnäckig wie vornehmlich auf jede Ungeschicklichkeit konzentriert und hierbei die positiven Arbeitsnachweise des Trios vernachlässigt, erschien dieser direkte Weg der Kontaktaufnahme zur Basis wahrscheinlich als die einzig noch verbliebene Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Es war ein wichtiger Abend für das Präsidium. Und er verlief gut. So gut, daß die überwältigende Mehrheit der Anwesenden mit dem Gefühl nach Hause gehen durfte, daß sich doch mehr auf einem guten Weg befindet, als man hatte befürchten müssen.
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Der vergangene Freitag hielt für den KSC und seine Freunde allerlei Erkenntnisgewinn bereit. Einerseits sportlich, wobei die Mannschaft in Aachen die in sie gesetzten Vertrauens- und Zuversichtsvorschüsse zum wiederholten Male nicht einlösen konnte. Hinten, vorne und in der Mitte hat man kaum Leistungsfähiges gesehen, das die Mannschaft in den kommenden Monaten noch nach vorne spülen könnte. Daß die wechselnden Verantwortlichen der vergangenen Jahre der Truppe immer wieder die spieltechnischen Voraussetzungen für die jeweilige Spielklasse attestierten, mag zwar nicht unbedingt falsch gewesen sein. Doch ein Fußballverein hat nicht den ewigen Kredit eines Langzeitstudenten, der sich irgendwann einmal auf seinen Hosenboden setzen und Versäumtes kraft seiner unbedingt vorhandenen Intelligenz wird nachholen können. Im Gegenteil, für einen Klub gibt es einen solchen Punkt Null nicht. Alles fließt, und hält er nicht zeitnah dagegen, so wird er weggespült. Der KSC hatte in seiner Geschichte schon schlechtere, aber erfolgreichere Mannschaften. Wäre dies nicht so gewesen, dann gäbe es ihn nicht mehr.
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KSC-Präsident Metzger kündigt die ersten Arbeitsnachweise an
Eisige Ruhe liegt über dem Wildpark. Nur auf Platz 3 tollt der in der Vorrunde der A-Junioren-Bundesliga so erfolgreiche KSC-Nachwuchs unter Aufsicht seines sichtlich aufgeräumten Trainers Rüdiger Böhm durch das verschneite Geläuf. Die Jungs haben Spaß und demonstrieren ungeniert ihre pure Lust auf Fußball. Auf eben jene Freude mußten hingegen Präsident Paul Metzger und seine Vize Rolf Hauer und Arno Glesius in den vergangenen Monaten spürbar verzichten. Denn seit seinem Amtsantritt nutzten die Medien jeden Quadratzentimeter der reichlich von Metzger angebotenen Angriffsfläche, um ihn zu attackieren. „Es wurde aber eben nicht nur kritisch, sondern bewußt falsch berichtet“, sagt Metzger und beklagt, daß „der normale Mensch letztlich alles glaubt, wenn er es zwei-, dreimal schwarz auf weiß gelesen hat“. Künftig, so kündigt er an, werde er es nicht mehr zulassen, daß ihm etwas, „das ich mit beiden Füßen auf dem Boden stehend gesagt habe“, von der Presse auf den Kopf gestellt werde.
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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 30. November 2009
Immerhin der neunjährige Frederik hatte am vergangenen Freitag seinen Spaß und wird er das ansonsten trübe Aufeinandertreffen des KSC mit der TuS Koblenz als einen Höhepunkt seines Lebens im Langzeitgedächtnis verankern können. Denn der Junge mit den langen blonden Haaren durfte an der Pranke des KSC-Maskottchens Willi Wildpark – dem Gewinnspielglück der Oma sei Dank – in das Stadion einlaufen. Daß der Knabe eines Tages den Talentschuppen des Traditionsvereins bereichern wird, erscheint allerdings trotz des Spaßes an Heimsieg und Spiel seines Lieblings Aleksandar Iashvili eher zweifelhaft, da seine verheißungsvoll begonnene Karriere im Dreß des VSV Büchig inzwischen ruht. Handball, Tennis und Klavierspielen bereiteten ihm offenbar weitaus mehr Freude, wie sein Vater fatalistisch gesteht.
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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 28. Dezember 2009
Der von mir sehr geschätzte Kolumnist Harald Martenstein formulierte jüngst in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ folgende provokante These: „Die meisten Meinungen werden vertreten, weil es eh alle sagen, weil man sich davon einen Vorteil verspricht, weil man nicht unangenehm auffallen oder weil man einfach nur gemocht werden will, ein Grund so fragwürdig wie der andere.“ Hierfür Schwung geholt hatte er sich zuvor mit der Aufforderung, daß man sich eine „gut abgehangene Allerweltsthese, eine Meinung, der alle, die Sie kennen, beipflichten“ suchen und nun „mit großem Nachdruck das genaue Gegenteil davon“ vertreten solle. Martensteins anschließender Mutmacher – „haben Sie keine Angst davor, dass deswegen ein Krieg ausbricht, dies wird nicht passieren. Stellen Sie sich nicht die Frage, ob Sie das, was Sie vertreten, tatsächlich meinen. Das ist egal. Sie aber bringen die anderen wirklich zum Nachdenken. Sie bereichern die geistige Landschaft“ – ist schließlich ebenso tröstlich wie notwendig.
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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 21. Dezember 2009
Mit der am Samstag bekannt gewordenen, sofortigen Trennung von Manager Rolf Dohmen wurde eine wichtige Ära in der KSC-Geschichte endgültig beendet. Mit viel Geschick war es seit 2002 der Mannschaft um das Präsidium von Hubert H. Raase gelungen, den Verein aus der größten Krise herauszuführen und ihm nicht nur seine Würde, sondern auch sportlichen Erfolg zurückzugeben. Hierbei waren die Mittel, die den Verantwortlichen zur Verfügung standen, nur sehr bescheiden gewesen. Um so bemerkenswerter war letztlich der Erfolg, dem Klub und seinen leidgeprüften Freunden sogar zwei Spielzeiten in der 1. Bundesliga ermöglichen zu können. Im Verbund mit Cheftrainer Edmund Becker entwickelte Dohmen mit viel Augenmaß und Verstand eine Mannschaft, die in Auftreten und Spiel zu den sympathischsten gehörte, die je diesen Verein repräsentierten. Unvergeßlich die gelungenen Abstiegskämpfe, die wundervolle Aufstiegssaison 2006/07, welche mit unwahrscheinlicher Wucht die schiere Lust am Fußball repräsentierte. Als Zugabe gelang zwar zudem eine bisweilen begeisternde Bundesliga-Premierensaison, doch lag hierin bereits die Wurzel des späteren Scheiterns. Mit dem unwiderstehlichen Erfolg ging ein zunehmender Unwillen daher, vergangene und bestehende Erfolgsmechanismen kritisch auf ihre künftige Funktionalität zu hinterfragen. Denn die Leistungsqualität des gesamten Vereins war in vielen Bereichen zwangsläufig noch auf zu dünnem Fundament gebaut, um Rückschläge und Irrtümer abfedern zu können.
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Die Rheinpfalz-Kolumne vom 14. Dezember 2009
Am späten Freitagnachmittag wühlten die Freunde des Karlsruher Fußballs in ihrem Kleiderschrank, um erstmals in diesem Jahr das widerspruchslos unpopulärste Bekleidungsstück hervorzukramen, das die Menschheit zu bieten hat – die lange Unterhose. War diese Verzweiflungstat angesichts der naßkalten Witterung erwartbar, so überraschend kam dann ein für viele enttäuschender Spielverlauf, der dem KSC eine Niederlage bescheren sollte. Denn vor dem Spiel hörte man nur allzu oft an allen Ecken und Enden des Stadions ein euphorisches „wenn se heut g’winne, sind se widder dran!“, das klingender Ausdruck der Hoffnung auf eine sportliche Rettung dieser bislang so spröde verlaufenen Saison war. Daß es damit nichts wurde, ließ so manchen trotz der massiven textilen Aufrüstung bestimmt noch um einiges mehr frösteln. Auch den Damen auf der Geschäftsstelle wird in der Vorweihnachtszeit nicht mehr so richtig warm werden – heute startet der KSC den Verkauf seiner Rückrundendauerkarten und mit einem Massenansturm ist wahrlich nicht zu rechnen. Wundern würde es hierbei allerdings nicht, wenn die Mehrzahl der tatsächlich verkauften Billets über den Rhein wandern würde. Und zwar an FCK-Fans, die sich für den Rückrundenbesuch des souveränen Spitzenreiters im kleinen Wildpark auf jeden Fall einen Platz auf der Tribüne sichern möchten.
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