Ein Paukenschlag

Die Sensation am 9. August 1975:

Eintracht Frankfurt 0–2 Karlsruher SC

Endlich, nach sieben quälend langen Jahren in der Zweitklassigkeit, war der KSC im Sommer 1975 wieder dort angelangt, wo er nach Ansicht seiner Fans auch hingehörte – in der Bundesliga. Auch die lokale Wirtschaft freute sich, denn sie rechnete mit deutlichen Kollateralprofiten aus dem sportlichen Erfolg. Dr. Würtz vom Mittelbadischen Brauereiverband frohlockte: „Mit dem KSC-Aufstieg wird auch der Bierkonsum steigen!“ Selbst der Stadtgarten zeigte sich erwartungsfroh – denn man hatte dort bislang die Erfahrung gemacht, daß die Besucherzahlen an Tagen attraktiver Heimspiele signifikant nach oben geklettert waren. In Kenntnis damaliger Familienverhältnisse liegt die Vermutung nahe, daß der Familienvorstand die lästige Bagage kurzerhand im Zoo parkte, um ungestört auf den KSC gehen zu können. Als weiteres Indiz für die emotionale Kaltblütigkeit des gemeinen Fußballfans diente ebenso ein Beispiel aus dem ersten Bundesligajahr 1963. Als das Heimspiel gegen Schalke 04 an einem verkaufsoffenen Samstag stattfand, wurde nahezu flächendeckend „eine erhebliche Umsatzsteigerung“ festgestellt. Was für Zeiten …

Allerdings dachte man bei den BNN natürlich auch an die Kehrseite der sportlichen Erfolge und wurde auf gut karlsruherisch geunkt: „Gegenbeispiel ist die Polizei: Hier wird es automatisch häufiger vom Steuerzahler finanzierte Großeinsätze geben.“ Polizei-Hauptkommissar Gustav Rieger ergänzte sinnig mit seiner Sorge, daß er es vermehrt mit militanten Fans, solchen Rowdies, „die es damals, als der KSC schon einmal ganz oben mitkickte, noch nicht gab“, zu tun haben würde.

Abgesehen hiervon herrschte jedoch große Begeisterung. Und ähnlich wie noch vor wenigen Wochen wollten viele dabei sein, wenn der KSC wieder auf die Großen des deutschen Fußballs treffen sollte. Der Spielplan bescherte denn auch gleich zum ersten Heimspiel am 2. Spieltag einen echten Schlager – den FC Bayern München mit den Weltmeistern Sepp Maier, Georg Schwarzenbeck, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß und natürlich Gerd Müller. Direkt nach Bekanntwerden dieses Gegners ergoß sich eine Flut von Kartenbestellungen über der Geschäftsstelle, in deren Folge der Verein ernsthaft prüfte, das Fassungsvermögen des Wildparkstadions mittels Stahlrohrtribünen von 46.000 auf 60.000 Zuschauer zu erhöhen. Zum Verdruß vieler Fans konnten sich die Entscheidungsträger jedoch nicht zu dieser spektakulären Maßnahme durchringen.

(…)
Alle Auftaktspiele des KSC in die 1. Bundesliga und ausführliche Interview mit beteiligten Akteuren finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°9

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