Mein Verein \ Walter Baureis

\ Wildparkstadion, beim Rundbau. Es ist noch eine halbe Stunde bis Spielbeginn und die Menschenmassen ziehen mit festem Ziel an einem vorbei. Ein älterer Herr verlangsamt seinen Schritt, verweilt für einen Moment mit freundlichem Wort sowie nicht minder freundlichem Gruß und taucht alsbald wieder in der Menge unter. Das Ehrenmitglied Walter Baureis (*22.04.1930), einst kompromißloser Verteidiger und Kapitän der erfolgreichsten Mannschaft der KSC-Geschichte, strebt seinem Platz auf der Haupttribüne zu. Sein letztes Spiel im Wildparkstadion bestritt Walter Baureis am 3.Mai 1959, und nach einem fröhlichen Scheibenschießen trennten sich der KSC und der VfR Mannheim mit 5:5. Das ist lange her.

Nun besuchen wir ihn in seinem Reihenhäuschen in Blankenloch. Und sind überrascht. Borden die Heime mancher an Lebensjahren gesegneten Leute für gewöhnlich vor Erinnerungsstücken (Mobiliar! Gemälde! Vasen!) über, so hat es sich das Ehepaar Baureis in moderner Schlichtheit gemütlich gemacht. Man ertappt sich bei dem Gedanken, daß der Hausherr wohl mit der ihm eigenen, auf dem Sportplatz oft genug  bewiesenen Kompromißlosigkeit auf jegliche Schnörkel verzichtet hat.

Dieser im Zweikampf harte, aber faire Verteidiger hatte einst eine sehr gute Spielauffassung und verfügte über ein ausgezeichnetes Kopfballspiel. Zudem zeichnete er sich durch eine bemerkenswerte Grundschnelligkeit aus, die ihm eine Nahkampftechnik auf höchstem Niveau ermöglichte. Das Sportmagazin titelte in den 50er Jahren sogar, daß Baureis englischer als die Engländer spiele. Mit diesen Eigenschaften war Baureis mehr als ein eifriger Diener seiner Mannschaft. Man sagt, daß der KSC jener Jahre für seine subtilen Techniker allenfalls Schönheitspreise gewonnen hätte, wäre das Kollektiv durch Trainer Adolf Patek nicht in die Waage gebracht worden, hätte er Kampfkraft und Technik nicht zu versöhnen gewußt. Der alte Kapitän wiegelt beschwichtigend ab: „Aber viel wichtiger war, daß ich wußte, was ich nicht konnte!“

Da sich das Wildparkstadion zum Zeitpunkt seines Wechsels von Amicitia Viernheim erst im Bau befand, lernte er noch den Platz an der Honsellstraße kennen. „Das war ja eine unwahrscheinliche Nahkampfdiele…“ Bedingt durch die starke Beanspruchung des Rasens waren die Spielbedingungen mit Fug und Recht nur als äußerst widrig zu bezeichnen gewesen. Entsprechend der Kommentar von Walter Baureis zu den Klagen der heutigen Generation über die Platzverhältnisse im Wildpark: „Ja lieber Gott – mit diesem Maßstab hätten wir auf dem Mühlburger Platz überhaupt nicht spielen dürfen!“

Eine Sensation für Karlsruhe war die Installation der Flutlichtanlage im Mühlburger Stadion. Waren die Gastgeber furchtbar stolz auf die neue Anlage, so schimpften die Gäste von Sparta Prag wie die Rohrspatzen. Zurecht, wie Baureis heute feststellt. „Hätte man drum herum Taschenlampen montiert, wäre es heller gewesen“, schmunzelt er. Und dann siegte der KSC auch noch mit 6:2 …

Mit Pflichtbewußtsein  sprang er häufig als Notnagel ein, wenn der Verein jemanden wie ihn benötigte. Nach seiner Karriere machte er den Trainerschein und trainierte beim KSC in den folgenden Jahren die Amateure, die Fohlenelf und wurde im Frühjahr 1978 sogar Interimstrainer, als Rolf Schafstall den Verein verlassen hatte und Nachfolger Manfred Krafft noch an den 1.FC Saarbrücken gebunden war. „Wenn der Verein gerufen hat, war ich da.“ Übrigens hatte er auch der Amicitia, von der 1953 nach Karlsruhe gewechselt war, in schlechten Zeiten Hilfe versprochen. Also half Walter Baureis dort einmal ab November 1963 in der 2.Liga für fünf Monate als Trainer aus.

Rudi Wimmer erinnert sich übrigens mit einem Lächeln an jene letzten Saisonspiele des KSC im Frühjahr 1978, als die Mannschaft eine enttäuschende Saison gemächlich auslaufen ließ und aus den letzten sechs Spielen nur noch sechs Punkte holte: „Walter Baureis war sehr milde mit uns. Wir konnten spielen, wie wir wollten – aber nach dem Spiel meinte er immer zu uns, ‚Männer, ich kann Euch keinen Vorwurf machen. Ihr habt alles gegeben und einfach nur Pech gehabt!’“ Sicherlich gelang u.a. ein 2:0-Heimsieg gegen den späteren Bundesligaaufsteiger Darmstadt 98, doch nach dem letzten Heimspiel der Runde gegen Wormatia Worms, das vor 1.500 Zuschauern teilnahmslos mit 0:1 verloren worden war, schien selbst bei Walter Baureis die Geduld am Ende gewesen zu sein: „Das war eine Frechheit, höchste Zeit, daß diese Saison zu Ende geht.“

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\ Den kompletten Artikel über und das Gespräch mit Walter Baureis finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°8

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