Der Liverpool-Junge \ Bradley Carnell

Interview mit Bradley Carnell

\ Nach einer schweren Knieverletzung und dem Wechsel zu einem Abstiegskandidaten der 2. Bundesliga, der Fußball-Deutschland gerade mit einer peinlichen Trainerposse über die Winterpause gerettet und erheitert hatte, blieb Bradley Carnell nur ein sehr nüchterner Blick in den Herbst seiner Karriere. Was konnte jetzt noch kommen?

Mit der zunehmenden körperlichen Stabilisierung kehrten Spaß und Ehrgeiz am Fußball allerdings rasch zurück. Wie für Maik Franz oder Massimilian Porcello wurde der vermeintliche Karriererückschritt zu seinem persönlichen Glücksfall. Carnell kehrt gestärkt und mit dem notwendigen Realismus in die 1. Bundesliga zurück, seine Identifikation mit Verein und Mitspielern ist immens.

Bevor im August ein weiteres Kapitel der Laufbahn von Bradley Carnell beginnt, blicken wir gemeinsam mit ihm noch einmal auf seine Anfänge in Deutschland und – in Südafrika.

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Wie kam eigentlich der Transfer-Kontakt von Südafrika nach Deutschland zustande?
Bradley Carnell : Ein deutscher Jurist studierte in Kapstadt und war im Laufe seines Aufenthaltes derart auf mich aufmerksam geworden, daß er mich im Auge behielt. Kurz bevor er dann zurück nach Deutschland ging, kündigte er an, daß er sich nach erfolgreicher Stellensuche um ein Probetraining für mich bemühen würde. Er bekam dann auch tatsächlich eine Stelle als Assistent von VfB-Geschäftsführer Ulrich Schäfer und ich die Einladung zu einem zweiwöchigen Probetraining. Der Name dieses Juristen ist Dirk Duffner, der ehemalige Sportdirektor von 1860 München. Noch heute ein guter Freund von mir, dem ich viel zu verdanken habe. Auch muß ich Winfried Schäfer danken, der sich als damaliger Trainer in Stuttgart für meine Verpflichtung entschieden hat.

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Du bist in Johannesburg noch zu Zeiten der Apartheid großgeworden. Wie erinnerst Du Dich an diese Jahre?
Bradley Carnell : Ich kann mich an die Rassentrennung noch erinnern. Allerdings war ich bis zu deren Aufhebung und der Wahl Nelson Mandelas noch in einem Alter, in dem das Leben an sich interessant und spannend genug war. Ich hatte die Apartheid als solche nicht direkt wahrgenommen. Es kam auch nicht zu einem plötzlichen, gravierenden Übergang, an dem ich bestimmte Erinnerungen festmachen könnte, da sich die Veränderungen in den Jahren zuvor bereits angedeutet hatten. Zum Beispiel hatte ich bereits schwarze Klassenkameraden. Für mich und meine Lebensansichten spielte die Apartheid überhaupt keine Rolle mehr, da ich in die neue Zeit hineinwachsen durfte. Diese Fragen beträfen eher die Generation meiner Eltern, die in den sechziger und siebziger Jahren ja direkte Zeitzeugen waren und diese Zeit natürlich bewußt erlebten. Ich habe mir in den Jahren danach einiges Wissen darüber angelesen. Die Zeiten waren schlimm, nicht nachvollziehbar.

Es ist recht ungewöhnlich, daß Du in Südafrika als europäisch-stämmiger eine Fußballerkarriere eingeschlagen hast. Was hat Dich angetrieben?
Bradley Carnell : Es stimmt, der Fußball in Südafrika ist „schwarz“. Die „weiße“ Bevölkerung identifiziert sich traditionell mehr über Kricket und Rugby, sodaß es in diesem Sinne nicht normal war, daß ich diesen Weg eingeschlagen habe. Interessanterweise hat sich dieser Trend seit dem Ende der Apartheid verstärkt und spielen heute weniger Weiße in den Fußballmannschaften als früher. Aber ich hatte einen Traum, den ich mir unbedingt erfüllen wollte.

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\ Das ausführliche Interview mit dem südafrikanischen Nationalspieler Bradley Carnell finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°8

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