Was haben wir gelacht! \ Roland Schmider

\ Roland Schmider, von 1972 bis 2000 Präsident des Karlsruher SC, begann seine lange Amtszeit mit einem Paukenschlag: 1975 stieg er mit dem Club, den er in einem desolatem Zustand vorgefunden hatte, in die Bundesliga auf. Doch neben Siegen mußte Schmider auch Niederlagen einstecken. Ein Gespräch über Freunde, Gegner und eine Ära.

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Weshalb und wie wurden Sie 1972 eigentlich Präsident des Karlsruher SC?
Roland Schmider: Das war ganz einfach. Ich bin seit dem 21. Februar 1951 Mitglied des KSC. Mein Vater meldete mich an. Und als ich zu Coca-Cola kam, begleitete ich meinen Chef zu einem sehr interessanten Stammtisch, an dem u.a. Günther Klotz, der Oberbürgermeister, und Erich Fehlberg, der KSC-Geschäftsführer teilnahmen. Und irgendwann kamen Sie darauf zu sprechen, daß der Verein frisches Blut bräuchte und – da Coca-Cola und Sport zusammengehörten – ich beim KSC ein Amt übernehmen solle. Also wurde ich 1972 Vizepräsident unter Gerd Hesse. Dieser war Diplom-Mathematiker und in seiner Art etwas konservativ und … nun, ja. Kurz, es ging nicht lange gut und man kam auf mich zu. Wobei man beim KSC sicherlich auch meine berufliche Tätigkeit und die hieraus folgenden Verknüpfungen zum Sponsoring im Hinterkopf hatte.

Aha!
Roland Schmider: Und es war dann auch tatsächlich hilfreich, daß die Firma auf dem kurzen Dienstweg bspw. Werbegelder vorab überweisen konnte. Oder daß der KSC-Mannschaftsbus auch mal bei der firmeneigenen Tankstelle vorbeifahren konnte. Kleinigkeiten, die sich aber summierten und dem Verein sehr halfen. Abgesehen hiervon eine kleine Geschichte. Wenn die Jungs gut gespielt haben, dann durften sie einmal im Jahr zu uns kommen und so viele Getränke mitnehmen, wie sie auf einmal zu ihrem Auto tragen konnten. Hierbei ließ ich die teuersten Getränke natürlich ganz hinten in der Halle abstellen – und ihre PKW mindestens zwanzig Meter vom Gebäude entfernt. Hans Haunstein hatte einmal mindestens sechs Kisten zu seinem Wagen gewuchtet. Und der Rolf Dohmen war später auch ganz gut dabei. Was haben wir gelacht!

Haben Sie übrigens noch ein kleines Beispiel für Herrn Hesses „Art“?
Roland Schmider: Die Verpflichtung von Calli Rühl. Er war bereits im Gespräch, als Hesse noch als Präsident amtierte. Als Rühl nun zu einem Vorstellungsgespräch nach Karlsruhe kommen sollte, rief er Hesse an, wie er denn zum Stadion gelangen würde. Und Hesse meinte tatsächlich, daß er am Wildparkstadion laufen solle. Rühl, obwohl völlig irritiert, kam dennoch und wir beide waren uns zum Glück sofort sympathisch. Als Calli erfuhr, daß ich der designierte Hesse-Nachfolger sei,  sagte er dann auch zu.

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Die 75er Mannschaft war offenbar klug zusammengestellt worden, der KSC  hatte damals tolle Charaktere in der Mannschaft. Kürzlich trafen wir uns mit Charly Berger und …
Roland Schmider: Der Charly! Nach einem 4:0 gegen Gladbach – mit drei Toren von ihm – war er völlig euphorisch und rief: „Selbst die Rollstuhlfahrer sind aufgestanden und haben mir zugejubelt!!!“ Das war der Bergers-Karle. Sein Kumpel Gerd Komorowski ist jetzt Trainer bei Fortuna Kirchfeld, auch Raimund Krauth ist dabei. Die Jungs helfen sich gegenseitig und das ist auch gut so.
Die Mannschaft damals, obwohl sicher alles Schlitzohren – Batze Kübler, Hans Haunstein, Roland Vogel –, hielt toll zusammen. Vor der Saison lud ich die Truppe immer ein. Entweder zu mir  nach Hause oder extern. Das war noch etwas besonderes, worüber sich alle freuten. Es gab Weihnachtsfeiern, zu denen ich den Nikolaus spielte und auch die Frauen wurden einbezogen. Eine wirklich schöne Zeit, die heute aber nicht mehr vermittelbar wäre. Wenn der Raase heute den Nikolaus spielte … Und zu UEFA-Cup-Zeiten war das Geld, das die Spieler auf der Hand hatten, schon wichtiger als alles andere. Nachvollziehbar, aber früher war es schöner.

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\ Das ausführliche Gespräch mit dem langjährigen KSC-Präsidenten Roland Schmider finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°7

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