Kein Schnäppchen für den KSC \ Kurt Niedermayer

\ Kurt Niedermayer war das erste KSC-Talent, das es vom Wildpark aus zum FC Bayern München zog. Im Gegensatz zu Spielern wie Michael Sternkopf, Oliver Kreuzer, Mehmet Scholl oder Oliver Kahn war Niedermayer zum Zeitpunkt seines Wechsels im Jahre 1977 von der fußballinteressierten Öffentlichkeit nur wenig wahrgenommen worden. Der Grund: KSC-Trainer Rühl hatte im Abstiegskampf auf erfahrene Spieler gesetzt. Für den KSC (noch) nicht gut genug, gelang ihm danach mit viel Fleiß und Disziplin eine bemerkenswerte Karriere. Er wurde deutscher Meiser und Nationalspieler. Wir trafen den sympathischen Badener, dem das Gespräch über seine Anfänge beim KSC und seine weitere Karriere großen Spaß machte, auf dem Trainingsgelände der Bayern an der Säbener Straße. Und dies, obwohl er an diesem Tag Geburtstag hatte und ihm das Einfallen der Gäste im Nacken saß. Das war groß und wir danken nochmals herzlich!

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Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Spiel in der Profimannschaft?
Kurt Niedermayer: Bleibend! Wir verloren mit 5:0 bei Röchling Völklingen … Die Presse ging mit mir als Youngster noch schonend um und konzentrierte sich eher auf die erfahrenen Spieler, die an diesem Tag nicht so gut draufgewesen waren. Wobei, ich habe wohl auch so ein ganz ordentliches Spiel abgeliefert. Ich war ja auch kein Amateur, sondern spielte noch in der A-Jugend. Meine ersten Schritte im Profifußball machte ich also noch als Jugendspieler!

Und wie kamen Sie mit den gestandenen Mannschaftskollegen zurecht?
Kurt Niedermayer: Eigentlich ganz gut. Man mußte sich natürlich durchsetzen, da die damaligen Hierarchien einer Mannschaft noch andere waren als die heutigen. Man wurde nicht mit offenen Armen empfangen und es wurde einem nichts geschenkt. Die älteren Spieler versuchten, die Jungen zu reizen – z.B. mit Beinschüssen im Training. Aber nach fünf, sechs Einheiten wußte man dann so langsam, wie alles läuft. Man mußte sich halt freikämpfen …

Sie kamen auf nur wenige Spiele beim KSC …
Kurt Niedermayer: Ich mußte viel Geduld aufbringen. In meiner dritten und letzten Saison kam ich auf gerade einmal elf Einsätze. Karl-Heinz Rühl hatte Hemmungen, im Abstiegskampf auf junge Spieler zu setzen.

Und dennoch waren Sie nach dem Abstieg 1977 für die Bayern so interessant, daß sie den KSC verließen.
Kurt Niedermayer: Dettmar Cramer rief mich an und dann ging alles recht schnell. Ein Traum, da ich wußte, daß er gerne mit jungen Spielern arbeitete. Ich hatte zwar noch ein Gespräch mit Roland Schmider, aber der KSC war letztlich zu spät gekommen und hatte mir ein Angebot unterbreitet, das nicht darauf schließen ließ, mich unbedingt halten zu wollen. Schmider war etwas sauer und nicht erfreut, daß und wie ich den Verein verlassen wollte.

In Karlsruhe wurde von den Medien – nun ja, den BNN – gegen  die abtrünnigen Spieler losgeledert, da diese doch bitteschön den Schlamassel, den sie dem Verein eingebrockt hatten, wieder bereinigen sollten …
Kurt Niedermayer: Jetzt wo Sie es sagen, kann ich mich wieder erinnern (lacht). Wobei, so jung wie ich damals war, konnte ich eigentlich gar keinen Schlamassel einbrocken! Aber es wurden schon schwere Kaliber aufgefahren, das stimmt. Man kann nicht ausschließen, daß sich der Verein über die Zeitung etwas besser darstellen wollte.

Hatten Sie Hilfe in den Vertragsverhandlungen mit den Bayern?
Kurt Niedermayer: Von Kalli Struth. Er sagte mir auch, was ich finanziell ungefähr erwarten durfte. Da merkte ich natürlich schnell, daß der KSC versucht hatte, mit mir ein Schnäppchen machen zu wollen. Mit Roland Vogel, Wilfried Trenkel  und Martin Kübler konnte ich mich allerdings auch gut austauschen. Mit dem Batze habe ich noch heute Kontakt, ebenso zu Rainer Ulrich. Der war damals allerdings ein eher ruhiger Vertreter, der sich nicht so sehr um die jungen Spieler gekümmert hat.

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\ Das ausführliche Gespräch mit FC Bayern-Jugendtrainer Kurt Niedermayer finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°7

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