Die packen wir! \ Charly Berger

\ Mit Karl „Charly“ Berger verbinden die KSC-Fans unterschiedliche Erinnerungen, die nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind. Liebten die einen sein leidenschaftliche und  technisch beschlagenes Offensivspiel, so glaubten die anderen, mit mangelnden Abschlußqualitäten und Konstanz in seinem Spiel aufwarten zu müssen. Freilich, gleichgültig ließ der lebhafte Schwabe niemanden zurück. Letztlich war er – trotz seiner Herkunft und seines bisweilen extrovertierten Auftretens – ein populärer, absoluter Sympathieträger und Charakter des damaligen KSC.

Leuchtende Augen bekommen noch heute alle Augenzeugen des Spiels seines Lebens.  Am 4. Dezember 1976 wurde der amtierende deutsche Meister Borussia Mönchengladbach mit 4:0 auseinandergenommen – und der an diesem Nachmittag völlig enthemmt drauflosspielende  Berger hatte zu dieser Sensation alleine drei Tore beigesteuert. Ein begeisternder Tag in der KSC-Geschichte und in der Erinnerungskultur mehr als nur eine leise Vorahnung auf die Euphorie eines noch fernen Spieles gegen den FC Valencia.

Berger selbst ist heute zufrieden mit sich und dem Erreichten. Doch  bei allem Stolz auf seine sportliche Vergangenheit – und den damit verbunden Erinnerungen an zahlreiche Höhepunkte – meint  der Betrachter schließen zu können, daß die Zufriedenheit auf sein Leben  nach dem Fußball weitaus bestimmender ist. Denn im Gegensatz zu seinen Erfolgen im Stadion, die durch Talent und spielerisch beiläufiges Erlernen begünstigt wurden, mußte Karl Berger sich sein zweites Leben hart erarbeiten. Um so mehr ist der erfolgreiche Account-Manager einer renommierten Schweizer IT-Firma  mit sich im Reinen und stellt sich vom beschaulichen Überlingen aus – ein  Stadtteil Singens am Bodensee -  weiterhin erfolgreich den Herausforderungen des Leben.

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Herr Berger, der KSC steht vor der Rückkehr in die Bundesliga und zieht die Region wieder in seinen Bann. Wie war es 1975?
In Karlsruhe herrschte damals eine riesige Euphorie und alle waren hungrig auf den Erfolg, da man sieben Jahre auf die Rückkehr hatte warten müssen. Wissen Sie, wenn man – wie ein VfL Bochum – alle zwei Jahre auf- und wieder absteigt, dann bleiben große Stimmungsschwankungen einfach aus. Aber wenn man wie der KSC fast zehn Jahre weg vom Fenster war, dann ist das Verlangen nach der Bundesliga natürlich groß. Es gab nur ein Ziel – und das war der Aufstieg!
Ich muß zugeben, daß ich von dieser stetig ansteigenden Euphorie und Begeisterung unheimlich fasziniert war. Eine Gefühlswoge, von der ich nicht loskam und mit der ich mich völlig identifizierte. So etwas wie damals habe ich nie wieder erlebt.

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Zu Beginn der Bundesligasaison 1975/76 schienen hinsichtlich des Enthusiasmus dann ja alle Dämme zu brechen …
Ach Gott, wenn ich da an unser Abschlußtraining vor dem ersten Heimspiel gegen Bayern München denke … Es war unfaßbar. Im Vorverkauf wurden die Kassenhäuschen buchstäblich gestürmt und kämpften die Leute körperlich um die Karten! Man kann reden, was man will – aber das waren in der damaligen Zeit schon Mega-Ereignisse.
Um so größer war die Enttäuschung nach dem Abstieg nur zwei Jahre später. Es ist für mich bis heute unbegreiflich.

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Wie würden Sie sich selbst als Spielertypen charakterisieren?
Charly Berger: Ich war ein Stimmungsspieler. Die Atmosphäre drum herum hat mich immer wahnsinnig stimuliert – gerade der Hexenkessel in Karlsruhe. Das pushte mich im positiven, aber auch im negativen Sinne. Es gab entweder ein oben oder unten. Zum totalen Durchbruch fehlte mir also die Konstanz.

Mein Großvater meinte in seiner tendenziell unnachgiebigen Art stets, daß ihn Ihr Laufstil an den eines Ackergauls denken läßt  …
Charly Berger: Also, ich weiß nicht (wirkt unzufrieden) …, das ist dann sicherlich eine sehr subjektive Beurteilung. So etwas war mir bis jetzt weder aufgefallen, noch wurde ich damit konfrontiert. Also, mein Laufstil war vielleicht nicht ganz so ästhetisch – aber, letztlich geht es doch darum, ob man es bringt oder nicht.
Ich wirkte hinsichtlich der Statur sicherlich wie ein dynamischer Stürmer, allerdings ohne die Wucht eines typischen Torjägers wie Horst Hrubesch oder Bernd Hoffmann zu haben. Ich kam mehr von der spielerischen Seite, war technisch versiert und somit gut im Kombinationsspiel eines Systems mit drei Spitzen. Zudem war ich beidfüßig, mit links sogar noch einen Tick stärker als mit rechts. Nach einer Verletzung mußte ich mich bezüglich Körperhaltung und Gewichtsverlagerung aber nach rechts orientieren. Verkehrt war es nicht, da mir diese Fähigkeit aus so mancher Spielsituation herauszukommen half.

Ein Beispiel: Ich war zusammen mit Buffy Ettmayer und HSV-Trainer Kuno Klötzer zum Termin in Hamburg, da der HSV sich an mir interessiert zeigte. Es hieß, ich würde die kommenden vier Wochen beobachtet. Und in dieser Phase war ich dann völlig blockiert. Am besten wäre es gewesen, ich hätte gar nichts davon gewußt. Ich wollte es wohl zu gut machen, was mich wiederum meiner wahren Leistungsstärke beraubte.
Das Interesse hat sich dann natürlich reduziert.

Nach dem KSC ging es zu Fortuna Köln. Weshalb blieben Sie dort nur so kurz?
Charly Berger: Es war ein Fehler. Fortuna hatte damals sieben Stürmer im Kader: Karl-Heinz Mödrath, Volker Graul, Roland Stegmayer …
Meinen Abgang habe ich dann etwas versiebt, weil ich mich in einem Telefongespräch etwas zu leichtfertig geäußert hatte. Wobei mich der Journalist – von der BNN – allerdings auch reingelegt hat. Es war ein lockeres Gespräch, in dem ich über meine Unzufriedenheit mit der Situation, u.a. das Training unter Rudi Faßnacht, geplaudert hatte. Faßnacht saß übrigens in der Concorde, die vor einigen Jahren kurz nach dem Start in Paris explodiert ist. Er wollte gerade eine Weltreise antreten.
Nun ja, ich flachste eben über Medizinbälle und den Versuch, mich wie Manfred Ritschel zu einem offensiven Verteidiger umschulen zu lassen. Und aus einem normalen Gespräch wurde ein riesiger Beitrag in der Zeitung, in dem meine Worte sogar noch zu einer enormen Tirade gegen Faßnacht aufgebauscht worden waren … Rudi Faßnacht hatte eben den Schwerpunkt auf dem Ausdauerbereich, aber manche seiner Vorstellungen kamen mir auch entgegen. Und das hatte ich dem Journalisten – ich komme leider nicht auf seinen Namen – auch so gesagt. In Köln gab es dann natürlich Zoff und ich mußte zu Löring zum Rapport.

Immerhin konnten Sie einmal mit dem Unikum Jean Löring zusammenarbeiten …
Charly Berger: Ein super Mensch, zu dem ich sehr gerne Kontakt hatte. Zugleich war er ein Mensch, der knallhart nach dem Leistungsprinzip gedacht und gehandelt hat – das war seine Vision. Wenn die Leistung stimmte, war seine Fortuna ein Königreich für den Spieler. Und wenn nicht, dann hatte man ein Problem.

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\ Das ausführliche Interview mit Karl „Charly“ Berger finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°7

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