Mit meinen zarten Händen … \ Karl-Heinz „Carlo” Japcke

\ Über zwei Jahrzehnte hinweg war Karl-Heinz „Carlo“ Japcke als Masseur für die KSC-Kicker verantwortlich. Wir trafen ihn zu zwei Terminen, zwischen denen ihn am Dreikönigstag 2007 der Schlag des Todes seiner geliebten Frau ereilte. Wir sind ihm sehr dankbar, daß er uns in seiner Trauer dennoch den zweiten Besuch ermöglichte.

Sein Heim steht in Rastatt, in der Stadionstraße. Hier hat Japcke, der gebürtige Brandenburger (*18.12.1924 in Perleberg) seine zweite Heimat gefunden. Seine alte bleibt jedoch unvergessen: Über der Garage prangt der Rote Adler, der stolze Wappenvogel Brandenburgs.  Und das im Herzen der badischen Revolution. Sein Sohn arbeitet und lebt im sächsischen Bautzen als Architekt, sodaß Familie Japcke der Prignitz geographisch wieder etwas näher gerückt ist. Aber immerhin: eine badische Kachel ziert die Wand neben der Wohnungstür. Ein Geschenk des langjährigen Weggefährten und KSC-Zeugwartes Seppl Klimesch.

Japcke praktiziert zwar seit Mitte der achtziger Jahre nicht mehr, doch hat er in seinem Keller nach wie vor eine kleine Praxis eingerichtet, die bis vor kurzem noch für treue Patienten genutzt wurde. Doch mittlerweile „ist Schluß, ich habe keine Lust mehr“, gesteht der 82jährige. „Ich erinnere mich noch, wie sich damals Adolf Katzenmeier über Erich Deuser erregen konnte, weil der einfach nicht aufhören wollte und wir nicht zum Zug kamen. Und heute denkt er ebenfalls nicht ans Abtreten! Ich werde ihm demnächst mal einen lieben Brief schreiben …“

Neben seiner Berufung als Masseur gehörte seine Leidenschaft stets Preußen und dem Militär. Wenngleich es wenig populär ist, scheut er sich nicht, sich zu dieser Passion zu bekennen. Am 2. Weltkrieg nahm er als U-Bootfunker teil und seine Wände schmücken diverse Memorabilia. Bei aller Bewunderung militärischer Tugenden hat der sehr freundliche und geistig rege Rentner jedoch bis heute nicht seinen Frieden mit einem Grundkonflikt machen können, der ihn auf Distanz zur Kirche  hielt: „Auf beiden Seiten standen Pastoren, die das Töten des Feindes als gottgefällig rechtfertigten. Dieses Paradoxon hat mir noch kein Pfarrer auflösen können und mir bei deren Konfirmationsbesuchen erhebliches Nachfragen hinsichtlich meiner Stellung zur Kirche eingebracht. Wobei sie dann nach ihren Erklärungsnöten rasch kapitulierten.“

(…)

Herr Japcke, wann und wie kamen Sie nach Baden?
Karl-Heinz Japcke: Ich hatte nach meinem Staatsexamen eine Praxis in Wittenberge und betreute währenddessen die Boxstaffel in Perleberg. Meine Praxis mußte ich dann allerdings schließen, da alle Patienten in die Poliklinik geschickt wurden. Weil ich mich weigerte, dort als Masseur anzufangen, sollte ich fertiggemacht werden. Duch Glückund Bekanntheit bekam ich dann eine Stelle als halber Buchhalter bei der Volkssolidarität, in deren Rahmen ich bei  Dresden einen Buchhalterlehrgang absolvierte. Eines Tages fuhr auf der Straße ein Wagen vorbei. Jemand stieg aus, verwickelte mich in ein Gespräch – und schon hatte ich einen Sack über dem Kopf. Ich wurde nach Schwerin verbracht und in eine Zelle gesteckt. Offiziell in Schutzhaft.

Verhört wurde ich dort dann von einem Russen, der mich nach meiner Rolle als „imperialistischer Spion“ befragte. Ich war natürlich fassungslos, da ich glaubte, mir nichts habe zu Schulden kommen lassen. Angeblich hätte ich sowjetische Autonummern gesammelt. Das hätte seinen Sinn gemacht, um Truppenbewegungen der Sowjets in der DDR nachzuvollziehen. Mit den Worten, daß ich nun zu deutschen Vernehmern geschickt würde, die mit mir „eine andere Sprache“ sprechen würden wurde ich ehemaligen Gestapo-Mitarbeitern zugeführt. Und er hatte Recht, die sprachen eine andere Sprache: Gleich zu Beginn wurden mir die Zähne ausgeschlagen.

(…)

\ Das gesamte Gespräch mit karl-Heinz Carlo Japcke finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°6

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