Behalte Dein Spiel! \ Michael Sternkopf im Gespräch

(…)

Was hatte sich für Dich mit Deinem plötzlichen Erfolg geändert?
Michael Sternkopf: Tja, was hat sich für mich verändert? Hatte sich überhaupt etwas verändert? Ich behaupte einfach mal, dass ich persönlich mich nicht veränderte, aber die Menschen um mich herum. Man wird plötzlich in einem ganz anderen Licht gesehen. Das ging so weit, dass ehemalige Mitspieler aus dem Verein bei uns am Haus vorbeifuhren, aus dem fahrenden Auto heraus mir  zwar kurz zuwinkten, aber sich nicht trauten, auszusteigen.
Auch der Neid wuchs ins Unwahrscheinliche. Das war schlimm… und ist ehrlicherweise ein Grund, weshalb ich froh darüber bin, nicht mehr zu spielen. Weil ich spüre, dass die Leute jetzt nicht mehr so neidisch auf einen sind.

Haben Jugendfreundschaften überdauert?
Michael Sternkopf: Es hat sich eine Karlsruher Schulfreundschaft aus der Rennbuckel-Schule in der Nordweststadt gehalten.

Und Mädchen? Inwiefern wurde man durch seine Popularität „attraktiver“?
Michael Sternkopf: Es mag sein, dass es so etwas gab, aber entweder habe oder wollte ich es nicht merken. Die typischen Groupies habe ich nicht wahrgenommen. Bei Bayern war es, vor 15 Jahren, in den Ferienzeiten so, dass uns täglich bis zu 3.000 Leute beim Training zuschauten. Das ist alles soviel, dass man es irgendwann gar nicht mehr als etwas besonderes registriert. Wenn ich in Karlsruhe oder München auf der Straße angesprochen wurde, habe ich zum Beispiel zwar  immer gerne Autogramme oder Auskünfte zum Fußball gegeben – aber es blieb mir stets unangenehm und ich dachte: „Was wollen die alle von mir, ich will doch nur fußballspielen…“

Sie kamen in einer Zeit zum FC Bayern, als sich Berichterstattung und Wahrnehmung des Fußballs in der Öffentlichkeit zu wandeln begannen – RTL löste mit „Anpfiff“ die alte Sportschau ab – auch durch die geänderte Präsentation im Privatfernsehen. Sie waren einer der ersten Fußball-Pop-Stars des neuen Medienzeitalters…
Michael Sternkopf: …das glauben Sie, ich nicht.

… zumal Uli Hoeneß ja genau einen solchen Typen wie Sie wollte.
Michael Sternkopf: Das stimmt, er sagte sogar einmal, ich sei der Agassi der Bundesliga. Aber, ich habe mich nie so gefühlt… Uli Hoeneß spricht einen solchen Satz aus, der dann durch die gesamte Presse wandert, aber ich habe mich mit dem Bild des Pop-Stars oder Teenieschwarms nie identifiziert.

Aber die Medien stiegen darauf ein.
Michael Sternkopf: Als ich nach München kam, drehte Sat1 ein Portrait von mir. Das war die schlimmste Erfahrung, die ich je gemacht habe. Es begann mit Bildern im Englischen Garten, wie ich Entern füttere. Das ging ja noch, aber danach fuhren wir in die Stadt, zu WOM, und da stand ich dann: Vor Kameras, grellen Scheinwerfern und hunderten von Leuten um mich herum, die mich anschauten. Ich fühlte mich total schlecht, das war sowas von unangenehm für mich. Ich war nie jemand, der dieses Image, diese Öffentlichkeit wollte.
Aber…, man fühlt sich verpflichtet. Wenn der Sender beim Verein eine Anfrage macht und der dann sagt, man müsse ein gewisses Interesse der Öffentlichkeit bedienen, dann macht man es halt. Es musste sein, und mit zwanzig traut man sich nicht, einem  Kamerateam von Sat1 zu widersprechen.
Man muß sich abschotten und darf nicht alles zulassen. Aber das konnte ich nicht. Ich war immer für alle da, um letztlich in 99 von hundert Fällen enttäuscht zu werden. Es kam nie der Michael Sternkopf rüber, für den ich mich halte. Das war und ist enttäuschend.
Ich sehe z.B. den heutigen Medienumgang von Mehmet als richtig an. Der gibt nicht dann ein Interview, wenn er gefragt wird – sondern wenn er will. Das hat nichts mit Arroganz zu tun.

(…)

\ Das ausführliche Gespräch mit Michael Sternkopf finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°6

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