Die Vorrunde der KSC-Aufstiegssaison 1974/75

FC Homburg 2–3 Karlsruher SC
Waldstadion, 6.000 Zuschauer.
1:0 (32.) Ludwig, 1:1 (46.) Schäffner, 1:2 (62.) Fuchs, 2:2 (65.) Ludwig, 2:3 (88.) Trenkel

Zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte mußte der KSC zu einem Punktspiel bei einem saarländischen Verein bestehen. Für diese Premiere hatte Trainer Rühl mit Martin Kübler, Bernd Hoffmann und Peter Gutzeit drei Neuzugänge aufgeboten. Hoffmanns Einsatz war zuvor fraglich gewesen, da er sich in der Vorbereitung leicht verletzt hatte.

Und dieses Spiel sollte an den KSC nicht nur sportlich höchste Ansprüche stellen. Da die Homburger ihre Gegner mit bisweilen brutalen Mitteln zu bekämpfen suchten (Bild-Zeitung: KSC siegt 3:2 – die richtige Quittung für Homburgs Knochenhärte!), galt es, Disziplin zu wahren und sich nicht zu Revanchefouls hinreißen zu lassen.

Der Spielverlauf entwickelte sich in der ersten Halbzeit recht klassisch. Ein aggressiver Gastgeber übernahm das Kommando und zwang die respektvollen Gäste in die Defensive. Um die starken Mittelfeldspieler Günter Kirsch, Manfred Lenz und Gerhard Pankotsch bauten die Grün-Weißen ihr überlegenes Spiel auf und zwangen die Gäste in die Defensive. Behielten Rudi Wimmer, Gerd Komorowski und Ewald Schäffner stets Ruhe und Übersicht, so hatten Jürgen Radau – gegen den zweifachen Torschützen Otmar Ludwig – und Rainer Ulrich – gegen den quirligen Harald Diener – doch große Probleme. Ergebnis dieser Feldüberlegenheit war das 1:0 durch einen 22-Meter-Schuß von Ludwig. Der KSC konnte sich von diesem Rückstand  bis zur Halbzeit nicht erholen.

Direkt nach Wiederbeginn dann die entscheidende Wende. Der Homburger Verteidiger Peter Buchberger foulte Karl Berger und Ewald Schäffner verwandelte den berechtigten Elfmeter zum 1:1-Ausgleich. Von nun an spielte der KSC entschlossen nach vorne und konnte  nach einer Berger-Flanke durch einen Kopfball des starken Günther Fuchs sogar in Führung gehen. Nur drei Minuten später nutzte Ludwig jedoch ein Mißverständnis zwischen Wimmer und Radau und schoß zum Ausgleich ein. Zwar entwickelten die Hausherren in den folgenden Minuten einigen Druck auf die Karlsruher Hälfte, doch hielten die Gäste so gekonnt dagegen, daß eine erneute Spielwendung nicht mehr zu befürchten war.

Für den KSC blieb das Fazit, das Abenteuer der neuen Liga mit einer absolut konkurrenzfähigen Mannschaft angehen zu können. Mit einer disziplinierten, geschlossenen Mannschaftsleistung war ein mitunter zwar unsportlich, spielerisch jedoch zugleich anspruchsvoller Gegner auf dessen eigenem Platz bezwungen worden. Bester Karlsruher war der sich in erstaunlicher Frühform zeigende Wilfried Trenkel.

Im Gegenteil: Wilfried Trenkel krönte seine beeindruckende Leistung mit einem Prachtschuß aus 25 Metern, der dem Homburger SchlußmannDetlev Behrends kurz vor Spielende keine Abwehrchance ließ. Nach einer sehr ansprechenden Gesamtleistung verließ der KSC als verdienter Sieger den Platz. Diese hektische und sehr emotional geführte Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Clubs fand im weiteren Verlauf der 70er Jahre  noch so manche Wiederholung im eigentlich idyllisch gelegenen Waldstadion, wo die Karlsruher stets größte Schwierigkeiten haben sollten. Ein Klassiker des südwestdeutschen Fußballs jener Jahre! Nur hieß der Homburger Trainer dann nicht mehr Herbert Binkert, sondern Uwe Klimaschewski.

Die überharte Gangart der Homburger wurde von Schiedsrichter Dittmer aus Mutterstadt übrigens erst in der Schlußminute mit einem längst fälligen Platzverweis geahndet. Ob der drohenden Niederlage hatte der über die gesamte Spielzeit hart einsteigende Günter Reinders, ehemals FCK,  gegen den Karlsruher Günther Fuchs frustriert die Sense herausgeholt. Calli Rühl empfand nach dem Spiel für alle kommenden Homburger Gegner Erleichterung, „daß dieser Mann in den nächsten Wochen fehlt“.  Auch die BNN konstatierten von Seiten der Gastgeber „eine Serie häßlicher Fouls, die für mindestens fünf Partien ausgereicht hätten“.  Und Rudi Wimmer stellte hernach trocken fest, daß der FCH zum Rückspiel im Wildpark bestimmt nur mit A-Jugendlichen antreten werde, da alle Lizenzspieler bestimmt gesperrt sein würden…

Als erster Tabellenführer der 2. Liga Süd durfte sich der ehemalige Verein von Bernd Hoffmann und Martin Kübler, der VfR Heilbronn, in die Geschichtsbücher eintragen. Mit 5:1 wurde Schweinfurth 05 bezwungen. Verkehrte Welt: Nach dem 38. Spieltag stiegen die Heilbronner ab und die Schweinfurther, um ihren Star Lothar Emmerich, waren fast bis zum Schluß im Kampf um einen Aufstiegsplatz dabei.

(…)

\ Die kompletten Vorrunde 1974/75 der KSC-Aufstiegssaison mit allen Spielen finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°5

2 Antworten zu “Die Vorrunde der KSC-Aufstiegssaison 1974/75”
  1. Willi Jacob sagt:

    Daß es sich für den KSC um das erste Punktspiel bei einem saarländischen Verein gehandelt hat, wie in Absatz 1 geschrieben, dürfte nicht ganz zutreffen, schließlich waren der KSC und der 1. FC Saarbrücken 1963 gemeinsam Gründungsmitglieder der Bundesliga.

  2. Karlheinz Gimbel sagt:

    Daß es sich für den KSC um das erste Punktspiel bei einem saarländischen Verein gehandelt hat, wie in Absatz 1 geschrieben, dürfte nicht ganz zutreffen.

    Ebenso hat der KSC in den Spielzeiten 1964/65, 1965/66 und im Abstiegsjahr 1968 gegen
    Borussia Neunkirchen aus dem Saarland gespielt.

  3.  
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