Auf, Ihr Helden! N°5

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ksc karlsruher sc batze kübler roland vogel

\ Die Saison 1974/75 ist für den Herausgeber etwas ganz besonderes – wurde er doch in jeder Spielzeit erstmals von Vater und Großvater zum KSC mitgenommen. Und, wie es sich für einen Erfolgsfan gehört, 1975 auch gleich als Mitglied angemeldet. Für ein Sechsjährigen war es aber auch wirklich großes Kino! Die erste Auswärtsfahrt zum 4:1-Triumph beim VfR Mannheim – mit dem obligatorischen frühen Aufbruch des Opas weit vor Spielende, sodaß das vierte Tor unterwegs in einer Kneipe erfragt werden mußte – war natürlich ein immenses Abenteuer. Der VfR-Platz hatte für mich Dimensionen wie heute ein 50.000-Mann-Stadion. Damals waren die Fahnen größer, die Schals länger und die KSC-Fans sammelten sich im Wildpark noch in der Kurve, dem heutigen Block A4. Beim Rundbau stand ein kleiner, dicker Mann in weißem Kittel, der mit Bauchladen und aus dem Kofferraum eines (mintgrünen?) Autos heraus allerlei Rauchwerk verkaufte. Hierbei brüllte er unüberhörbar „Zigaaaaaaaaarn, Zigareddn!“ Die Stehtraversen waren noch mit Sand aufgefüllt und man konnte mit leeren Fanta-Dosen (Sie haben richtig gelesen, Herr Behnle!) noch hervorragend naschhafte Bienen fangen. Ansonsten hat sich aber nicht soviel geändert. Doch: Die Toiletten sind seither zweimal gestrichen worden und Metzger Schmidt verkauft nicht mehr. Damals waren die Würste jedenfalls noch heiß und durchgebraten.
Großvater und Vater kannten auch bemerkenswerte Leute. Einen unheimlichen Kriegsversehrten mit nur einem Bein, einen mit langem Ledermantel gekleideten älteren Herrn, der ein Motorrad mit Seitenwagen fuhr oder auch einen Dachdecker, der in der Saison darauf beim Auswärtsspiel in Uerdingen sagenhafte zwölf Bratwürste vertilgen sollte. Hierfür gibt es Zeugen! Die damalige Bauweise muß außerordentlich gewesen sein, denn er übte seinen Beruf sehr erfolgreich aus.

Natürlich wirkte der Enthusiasmus der Erwachsenen bisweilen etwas verstörend. Beim 6:0-Kantersieg über den FC Schweinfurth entriß mir ein Freund meines Vaters – der Karlsruher SC hatte mal wieder getroffen – meine schöne Fahne und verwandelte das Heiligtum in seiner Begeisterung mit zwei, drei wilden Schwenkern in einen erbärmlichen Stoffknäuel am Stiel. Ansonsten war er allerdings sehr seriös.

Viel Vergnügen,
Die Redaktion

Aus dem Inhalt:

Heft N°5 erschien im Dezember 2006

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