Der VfB Mühlburg und das Stadion an der Honsellstraße

\ Erinnerungen des heute in Ettlingen lebenden Zeitzeugen Dr. Fred Knobloch an den VfB Mühlburg sowie dessen legendären Platz an der Honsellstraße. Der in der Weststadt (Kriegsstraße gegenüber der „Roten Taube“) aufgewachsene Autor (Jahrgang 1938) erlebte in seinen Kinderjahren das letzte Hurra des Karlsruher Fußballwestens.

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Von den Spielen der ersten Oberligasaison auf dem idyllischen Platz an der Honsellstraße sind mir noch der grandiose 3:1 Sieg gegen den damals überirdischen 1.FC Nürnberg (mit dem „eisernen“ Georg Kennemann), der vielumjubelte 2:1 Sieg gegen den starken FSV Frankfurt (mit Nationaltorwart Willibald Kreß) und der hart erkämpfte 1:0 Sieg gegen den VfB Stuttgart (mit „Gummi“-Schmid) in bester Erinnerung.

Von der damaligen Berichterstattung in den wenigen Zeitungen waren wir zehnjährige Schüler so beeindruckt, daß wir tatsächlich glaubten, Kennemann und Schmid hätten Eisen bzw. Gummi in den Knochen gehabt. Die Spiele des VfB Mühlburg übten eine ganz große Faszination auf uns aus, was ein Verdienst der Trainer Friedel Moser und Boba Kraft war, die eine tolle Truppe aus einheimischen und leidenschaftlich kämpfenden Spielern geformt hatten.

Wir sahen Max und Eugen Fischer, Ossi Traub und Georg Seeburger, Ernst Kunkel, Hugo Rastetter und Hans Scheib mit dem Fahrrad zum Training fahren und schauten interessiert zu, wenn einige Spieler im weichen Sand des nahen Rheinhafenbades kickten und tricksten.

Rund um das VfB Mühlburg-Stadion an der Honsellstraße gab es nur sehr wenige PKW-Parkplätze. Die Motorisierung war noch spärlich und die Autos parkten an den Straßenrändern der umliegenden Straßen zwischen Mühlburger Bahnhof und Entenfang. Geschäftstüchtige Hausbesitzer vermieteten für ein paar Groschen ihre Hinterhöfe in der Lameystraße oder Hardtstraße an Autofahrer. In diesen Straßen standen bis Anfang der 60er Jahre die ältesten Häuser Mühlburgs: niedrige Bauten mit gediegenen Giebeldächern.

Die meisten Zuschauer kamen zu Fuß, per Fahrrad oder mit übervollen Straßenbahnen der Linie 1, die damals durch die westliche Mühlburger Rheinstraße über den Lameyplatz an der Honsellstraße bis nach Knielingen fuhr. Vor und nach Heimspielen des VfB Mühlburg hingen dichte Menschentrauben auf den Trittbrettern der Linie 1. Wer es nicht gesehen hat, wird es nicht glauben.

Siege wurden gefeiert und Niederlagen betrauert in den familiären Gaststätten in Alt-Mühlburg, so zum Beispiel im „Goldenen Anker“, im „Ritter“ oder im „Adler“. Hier waren hin und wieder auch Spieler bei der Mahlzeit anzutreffen.

Der enge Platz an der Honsellstraße hatte eine ureigene Atmosphäre, die man schätzen mußte. Es war ein reiner Fußballplatz ohne Aschenbahn. An den Seitenlinien des Spielfeldes standen einige Holzbänke für Sitzplatzzahler. Diese Plätze wurden gerne von den im Alltag und im Straßenbild häufig anzutreffenden Kriegsversehrten genutzt. Im Spieljahr 1947/48 gab es noch eine kleine, nicht überdachte Sitztribüne, alles andere waren Stehplätze, auf denen oft eine drangvolle Enge herrschte. Jeweils 25.000 Zuschauer gegen den SV Waldhof Mannheim und Bayern München waren 47/48 Saisonrekord, 22.000 waren es gegen den 1.FC Nürnberg im Stadion an der Honsellstraße.

Hinter der sehr kleinen Sitztribüne befand sich in einem barackenartigen Gebäude die Geschäftsstelle des VfB Mühlburg. Dort setzten sich der hochangesehene 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Felix Rittberger und der tüchtige Spielausschuß-Vorsitzende, Herr Helmuth Hodel, für den mühlburger VfB ein.

Einige Getränkestände rundeten das Bild ab. Heiße Cervelats aus dem Wurstkessel mit Senf und Brot wurden nach der Währungsreform für 50 Dpf. bei jedem Heimspiel verkauft.

Auf der Fläche hinter der kleinen Tribüne, wo sich außer der Geschäftsstelle auch die Umkleideräume der Spieler befanden, parkten hin und wieder die Omnibusse der Gästeteams. Etwa 30 bis 60 Minuten nach Spielende konnten wir Schüler dann Autogramme der Spieler erhaschen. Gerne erinnere ich mich auch an den bisweilen regen Austausch mit ihnen. Nicht selten kam es vor, daß sich die Spieler ob ihrer Popularität geehrt fühlten.

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\ Den kompletten Beitrag über den VfB Mühlburg und das Stadion an der Honsellstraße sowie spektakuläre fotografische Zeitdokumente finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°4

Eine Antwort zu “Der VfB Mühlburg und das Stadion an der Honsellstraße”
  1. Sig Binder sagt:

    Hat jemand bilder von Oswald Traub oder Ernst Kunkel, bitte. Lassen sie mich wissen

  2.  
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