Die Torhüter des KSC seit 1963 \ Teil 1: Rudi Wimmer, Siegfried Kessler und Jürgen Rynio

\ Es war die Zeit, in der es passieren konnte, daß ein Karlsruher, der noch vor seinem ersten Schultag ein KSC-Spiel gesehen hatte, 14 Jahre später, nach der Heimkehr von seiner Hochzeitsreise, noch immer den selben Mann wie als Bub im KSC-Kasten stehen hätte sehen können: Rudi Wimmer. Tausende KSCler sind mit diesem vorbildlichen Sportsmann älter geworden. Sie sahen in all den Jahren viele Spieler und Trainer kommen und gehen – vor allem bei den Gehenden so manchen mit lachendem Auge und großer Erleichterung – doch der unspektakulär und stoisch wirkende Hesse blieb.

Zu den wenigen, die sich hinsichtlich Loyalität, Zuverlässigkeit und Vereinstreue mit ihm messen konnten und können, zählt sein langjähriger Torwartkollege Siegfried „Sigi“ Kessler. Dieser stand Wimmer als langjährige Nummer zwei in dessen sportlichem Vermögen keinesfalls nach. Oft mußte Kessler in einer Zeit, als die Möglichkeit des Erwerb von Spielpraxis in der zweiten Mannschaft noch gänzlich unbekannt war, aus dem Stand für diesen einspringen und erledigte diese Aufgaben im Stil eines Klassekeepers. Kesslers Karriere mag hierbei zwar ein tragischer Moment anhaften, aber dennoch findet er in der Erinnerung der KSC-Fans seinen festen Platz.

Obgleich Jürgen Rynio nur eine Saison das Jersey des KSC trug, paßt er doch ausgezeichnet in das Profil des Vereins seit Gründung der Bundesliga. Denn Rynio stieg im Verlauf seiner Karriere mit vier Bundesligisten viermal ab: 1968 mit dem KSC, 1973 mit Borussia Dortmund, 1978 mit dem FC St. Pauli sowie 1986 mit Hannover 96. Und hätte er RW Essen glücklicherweise nicht bereits 1976 verlassen, wäre mit deren Abstieg 1977 noch ein weiterer hinzugekommen. Es war ausgerechnet der ehemalige KSCler Andreas Keim, der Jürgen Rynio 1992 einzuholen vermochte: Mit den Stuttgarter Kickers (2x) erlebte er nach dem KSC, Fortuna Düsseldorf und, dem FC Homburg insgesamt fünf Bundesliga-Abstiege. Das ist Rekord! Rynio selbst hatte am ersten Abstieg des KSC aus der Bundesliga noch den geringsten Anteil. Der talentierte Gelsenkirchener hatte während der Saison 1967/68 Siggi Kessler abgelöst, konnte aber trotz starker Leistungen seiner längst nicht mehr wettbewerbsfähigen Mannschaft nicht mehr helfen.

Den Reigen der Karlsruher Bundesliga-Torhüter hatten Wolfgang Paul und Erich Wolf eröffnet. Männer wie Paul, Kessler oder Wimmer ließen keinen Zweifel aufkommen, dass der KSC im Tor bis in die 80er Jahre hinein noch die wenigsten Sorgen haben mußte. Dies änderte sich mit dem Abschied Rudi Wimmers. Bernd Fuhr besaß nicht die Konstanz und Rudi Kargus, gekommen in der Abstiegssaison 1984/85, nicht mehr seine alte Klasse aus Hamburger Meister- und Europapokalzeiten, um der KSC-defensive die notwendige Stabilität zu verleihen…

Mit Winfried Schäfer kam dann 1986 auch ein neuer Torwart zum KSC. Alexander „Oleg“ Famulla. An guten Tagen ein Meister seines Fachs, an schlechten jedoch geradezu zu Dilettantismus neigend. Nach haarsträubenden Patzern im Heimspiel gegen den VfL Bochum wurde Famulla 1991 von zornesbebenden Zuschauern schließlich aus dem Tor gebrüllt. Es übernahm Oliver Kahn, der mit seinen hervorragenden Leistungen endlich an die große Karlsruher Torwart-Tradition eines Rudi Fischer, Rudi Wimmer oder Siggi Kessler anknüpfen und diese sogar noch steigern konnte.

An diesem Maß seine Nachfolger Claus Reitmaier, Holger Gehrke, Simon Jentzsch, Thomas Walter oder Martin Fischer zu messen, wäre per se nicht fair. Allerdings fiele manches Urteil gewiß etwas freundlicher aus, wenn Anspruch und Wirklichkeit bisweilen nicht derart weit auseinander gelegen hätten…

Der aktuelle Keeper Markus Miller war bei Rudi Wimmers letztem Bundesligaspiel, am 4. Juni 1984, gerade zwei Jahre und zwei Monate alt… So lange und gefühlt doch erst so kurz ist es her, daß beim KSC eine Ära zu Ende ging.

(…)

\ Die Titelgeschichte über die Torhüter des KSC seit 1963 finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°3

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