Auf, Ihr Helden! N°15

Wolfgang Schüler, Gerhard Kleppinger, Ronny Zeller, Georg Reiser

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\ Am Ende der Spielzeit 1983/84 muß auf der Geschäftsstelle ein Durchatmen in Orkanstärke stattgefunden haben. Denn niemals zuvor war die Existenz des gesamten Vereins derart vom sportlichen Erfolg abhängig gewesen, wie in jener Zeit. In der Rückschau befindet der damalige Leiter der Lizenzspielerabteilung, Ronny Zeller, ohne Umschweife: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß 1983/84 die schlimmste Zeit war, die der KSC in dieser Hinsicht jemals durchmachen mußte. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen, wie schlecht es ihm damals ging. Roland Schmider, der Verwaltungsratsvorsitzende Hans Schmitz, Fritz Fetzner, ich – wir haben teilweise die Lunchpakete für die Busfahrt aus eigener Tasche bezahlt! Und zeitweise wurde uns – einem Zweitligisten! – von der Stadt sogar der Strom abgestellt. Wir mußten innerhalb weniger Monate auch dreimal in Berlin spielen. Einmal bei Hertha BSC und zweimal beim SC Charlottenburg, und sind jeweils mit dem Bus die Transitstrecke gefahren, weil wir nicht das Geld für den Flug hatten. Unvorstellbar.

Als Glücksfall hatten sich die Personalentscheidungen nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1983 erwiesen. Mit Werner Olk kam ein erfahrener Trainer, der idealtypisch zur Mannschaft paßte. Einer Mannschaft zudem, die entschlossen und der wirtschaftlichen Not gehorchend von Altlasten sowie unwilligen und überbezahlten Störfaktoren befreit worden war. Der vorhandene Rest an gestandenen Spielern wurde klug ergänzt und somit eine Truppe geschaffen, die sinnbildlich durch Dick und Dünn zu gehen bereit war. So hangelte man sich auch erfolgreich durch das einzige Tief der Saison, als in Spätherbst und Winter aus acht Spielen nur 8-8 Punkte geholt worden waren. Zum Vergleich – der Zweite FC Schalke bilanzierte nach seinem „Hänger“ 1-7 Punkte.

Der einstige Verteidiger Gerd Kleppinger: „Wir hatten damals auch eine sehr gute, spielstarke Mannschaft – ein verschworener Haufen! Einige junge Spieler wie Uwe Bühler, Dietmar Roth, Wolfgang Schüler oder Gerd Dais schafften den Sprung in die erste Mannschaft und durch unseren guten Start in die Runde verfestigte sich Zusammenhalt noch weiter. Werner Olk schaffte es zudem, uns sehr gut zu motivieren. Ein Rad griff da gut ins andere.

Besonders in Erinnerung geblieben ist aber nicht nur die sensationell starke Punkterunde, sondern auch der 5:4-Sieg im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern. Zunächst lag der FCK mit 0:2 vorne, ehe der KSC das Spiel auf ein 3:2 drehen konnte. Erst eine Viertelstunde vor Ende der regulären Spielzeit glichen die Pfälzer nochmals aus, und gingen in der Verlängerung sogar erneut in Führung. Aber der KSC kam zurück und glich zum 4:4 aus. Was danach kam, ist Legende: „An einem KSCler war das Spiel bis dahin mehr oder minder vorbeigelaufen: Uwe Bühler. Doch nun kam seine Zeit. In der 103. Minute versetzte er Gegenspieler Hoos einen Beinschuß, paßte auf den mitgelaufenen Günther und der an diesem Nachmittag alles überragende Mittelstürmer markierte den Ausgleich zum 4:4. KSC, KSC!!! dröhnte es nun durch das Stadion. Die letzte Viertelstunde des Spiels schien jedoch die eine, die siegbringende Aktion nicht mehr bereitzuhalten. Noch in der 119. Minute wechselte Trainer Werner Olk den restlos ausgepumpten Zahn aus und brachte Dietmar Roth. Als dieser erstmals einen Fuß an den Ball brachte und sofort zu Günther weiterleitete, schaufelte der Kapitän den Ball sofort in den gegnerischen Strafraum. Dort nun stand Bühler mit dem Rücken zu Torwart Reichel, schraubte sich empor und hob das Leder mit dem Hinterkopf am machtlosen  FCK-Keeper Reichel vorbei. Hernach gestand der Torschütze, bei dieser Aktion damit gerechnet zu haben, daß Reichel ihn im nächsten Augenblick von hinten rammen würde. Er tat es nicht, 5:4, Riesen-Jubel im Stadion! Mitspieler und Balljungen stürzten sich auf den Torschützen, Roland Schmider rannte auf den Platz, knutschte den dreifachen Torschützen Emanuel Günther hemmungslos ab und entsagte auch dessen Mannschaftskameraden nicht seine Umarmungen. Unter Standing Ovations verließen die Helden schließlich den Platz. Nachdenklich präsentierte sich danach Helmut Zahn. In der Saison 1981/82 war er mit Darmstadt 98, 1982/83 dann mit dem KSC sang- und klanglos aus der Bundesliga abgestiegen – „zwei Jahre gewinnst Du fast nichts und dann ist es Mitte Oktober und Du hast noch nichts verloren!” Schon am kommenden Woche sollte er jedoch wieder von der Realität eingeholt werden, da der KSC beim Abstiegskandidaten RW Oberhausen mit 0:1 sein erstes Saisonspiel verlor. Präsident Schmider muß ob des  turbulenten Spielverlaufs ebenfalls sehr mitgenommen gewesen sein. Nach dem Statement des Gästetrainers fragte er in die Runde: „Wenn keine Fragen mehr an Herrn Weise sind, Herr Krafft bitte!” Werner Olk reagierte auf die Verwechslung mit dem Ex-Trainer aber ebenso generös wie schlagfertig – „das war zumindest ein Spiel mit Kraft” und dürfte somit über den Schmiderschen Versprecher bestimmt nicht böse gewesen sein.

Fatal blieb allerdings, daß die Erfolge auch die Begehrlichkeiten anderer Vereine zu wecken wußten. Mit Gerd Kleppinger und Wolfgang Schüler verließen 1984 zwei tragende Säulen die Mannschaft, die nicht ersetzt werden konnten. Schon in dieser Hinsicht ging der KSC mit einer schwächeren Mannschaft in die Bundesligasaison 1984/85. Daß die jungen Wolfgang Becker, Achim Glückler, Borisav Mitrovic und Dumitru Nadu nicht sofort groß einschlagen konnten, war zu erwarten gewesen. Aber von Joachim Löw, der bereits 1980/81 (VfB Stuttgart) und 1981/82 (Eintracht Frankfurt) in der Bundesliga nicht Fuß fassen konnte, hatte man sich doch ein wenig mehr versprochen. Der größte Erfolg im Zusammenhang mit diesem Transfer sollte erst 1985 eintreffen, als man ihn im Tausch gegen Milorad Pilipovic an den SC Freiburg zurückgeben konnte.

So war für den Aufstiegstrainer Werner Olk bereits nach dem 24. Spieltag (2:5 beim VfL Bochum) Schluß und damit auch eingetroffen, was er selbst im Aufstiegstrubel des Sommers befürchtet hatte – daß es ihm nämlich ebenso ergehen könnte wie 1981 in Darmstadt, als er ebenfalls einen limitierten Verein in die Bundesliga gebracht, dann aber geschaßt worden war. Noch in der Rückschau ist es bedauerlich, daß der Aufschwung der Meistersaison 1983/84 derart rasch in ein absolutes Nichts verpuffen konnte. Erst unter dem 1986 als Trainer verpflichteten Winfried Schäfer hatte der KSC das Geschick und, ganz besonders, das Glück, die ersten Durststrecken überstehen und sich anschließend in der Bundesliga etablieren zu können.

\ Die Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°15 – Interviews und Beiträge mit und über die Rückrunde der Meistersaison 1983/84, Wolfgang Schüler, Gerhard Kleppinher, Ronny Zeller, Georg Reiser, u.v.m. können Sie ganz einfach hier bestellen

Eine Antwort zu “Auf, Ihr Helden! N°15”
  1. Harald Weissgerber sagt:

    Hallo Heldenmagazin!

    Ich bin eigentlich Abonnent eures Magazins, hab aber schon sehr lange nichts mehr zugesandt bekommen. Wie ich jetzt feststelle ist die Ausgabe Nr. 15, die letzte, die ich bekommen habe. An was liegt`s ? Bitte um Rückmeldung, da ich langjähriger KSC-Fan bin und keine Ausgabe missen möchte.

  2.  
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