València! \ Edgar Schmitt, Dirk Schuster, Carl-Heinz Rühl

\ Am 2. November jährte sich der berühmte 7:0-Sieg des KSC gegen den CF València zum fünfzehnten Mal. Es war der bundesweit meistbeachtete Erfolg dieses Vereins seit den Pokalsiegen der Jahre 1955 und 56, in denen der Karlsruher SC unbestritten zum Besten gehörte, was Fußballdeutschland zu bieten hatte. Fast wäre man 1956 sogar Deutscher Meister geworden, doch scheiterte man in Berlin an Borussia Dortmund.

90 Minuten genügten

Erst an besagtem Novemberabend gelang es wieder einer Karlsruher Mannschaft, sich in das Licht der Öffentlichkeit zu schießen. Es genügten 90 Minuten, um all das Mittelmaß, die Finanzprobleme, die Auf- und Abstiege der Jahrzehnte zuvor mit einem Schlag vergessen zu machen. Endlich konnte man einmal als KSC auch außerhalb der Region stolz auftreten, ohne in gelangweilte oder mitleidige Gesichter blicken zu müssen, wie der damalige Manager Carl-Heinz Rühl heute sagt. Auch Roland Schmider, der langjährige Präsident, der ob der sportlichen Talfahrt einst von Max Merkel sogar als Liftboy  tituliert wurde, spürte in diesem Moment für alle erlittene Unbill endlich Genugtuung – Es war grandios. Jeder kennt jetzt den KSC. Unsere Mannschaft hat Fußball-Geschichte geschrieben. Da spielt man die zurückliegenden Jahre nochmals gedanklich durch und überlegt. Es ist zunächst ein Glücksgefühl, das man mit Worten kaum beschreiben kann. Satte fünf Jahre dauerte dieser Höhenflug an, ehe der Verein mit dem Bundesligaabstieg von Rostock im Mai 1998 wieder von seiner  Vergangenheit eingeholt wurde.

Sie haben gebrannt

Dabei war man eigentlich schon ausgeschieden gewesen und hätte die UEFA-Pokal-Geschichte des KSC mit den Kämpfen gegen die PSV Eindhoven beinahe bereits ihre Höhepunkte gefunden gehabt. Im Hinspiel noch fürchterlich an die Wände des Estadio Luis Casanova (heute wieder Mestalla) gespielt, steigerten sich die bereits Abgeschriebenen im Rückspiel in einen Rausch, der heute noch seinesgleichen sucht – Schon vor dem Spiel lag etwas in der Luft. Irgendwie, daß man spürte, daß etwas besonderes passieren könnte. Ich habe gebrannt und wenn man mir eine Glühbirne in die Hand gedrückt hätte, glauben Sie mir, die hätte geleuchtet, denkt der damalige Abwehrkämpfer Dirk Schuster an jenen Abend zurück. Es folgte Schmitt-Schmitt-Schütterle-Shmarov-Schmitt-Schmitt-Bilic – und nichts war mehr so, wie es zuvor schlechterdings einmal war.

Es ging zu gut

Doch der Donnerschlag jenes Kantersieges hallte nicht nur im Schönen nach, sondern auch im Häßlichen. Der damalige Manager Calli Rühl, der anfangs 1986 eine finanzielle und sportliche Trümmerwüste vorgefunden hatte, zog für sich die Reißleine und verabschiedete sich am Saisonende freiwillig: An diesem Abend brach im inneren Zirkel der Größenwahn aus und man hatte das Gefühl, als sei der Verein gerade eben Weltmeister geworden. Es wurde ernsthaft darüber gesprochen, daß Mercedes-Benz jetzt Hauptsponsor werden müsse. Nur wenige Jahre später war Schluß mit der Hysterie. Genügt hatte das einmalig ungenügende Transferhändchen des einst so griffsicheren Trainers Winfried Schäfer, um das Kartenhäuschen zum Einsturz bringen zu lassen. Und wenn man dem Wahn des 2. November einen tieferen Sinn geben darf, dann diesen, daß jene wenigen erfolgreichen Jahre dem Verein das Fundament schufen, um die folgenden Katastrophen überhaupt überleben zu können. Die Fans klammerten sich an ihre Erinnerungen und blieben selbst dann noch anhänglich, als kaum noch etwas oder wer vorhanden war, dem man diese Treue hätte widmen können.

Eine schwere Hypothek

Es ist trotz des veränderten Zeitumstände nicht ausgeschlossen, daß der KSC diese Sphären eines Tages wieder erreichen kann. Doch darf man allenfalls davon träumen, und sie keinesfalls erwarten. Diese Hypothek wäre zu schwer für die Handelnden im Heute. Der Verein hatte eine, seine Chance, die er leider nicht hat nutzen können. Dennoch – oder vielleicht deshalb? – sollte es auch jetzt und in Zukunft Spaß machen, sein Fußballherz dem KSC zu geben. Denn es gibt keinen besseren.

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