Die Meistersaison 1983/84

Vorrunde

Hannover 96 1-5 KSC \ 6. August 1983
10.600 Zuschauer im Niedersachsenstadion.

Werner Olk war zuversichtlich. Noch nie in seiner Trainerlaufbahn hatte er im Niedersachsenstadion verloren, sei es mit Preußen Münster, dem SC Freiburg oder Darmstadt 98. Doch daß Aberglaube alleine nicht genügen würde, war ihm sicherlich bewußt. Denn ebenso wie der KSC erreichten die 96er in der Vorbereitung gegen den Deutschen Meister Hamburger SV ein achtbares Unentschieden – kurz vor Saisonstart ein gutes 2:2 im Ablösespiel für Dieter Schatzschneider.

Der KSC startete fulminant in die Partie – bereits in der 3. Minute gelang dem sträflich freistehenden Libero Klaus Theiss mit einem satten 25-Meter-Schuß die frühe Führung, auf die man in der ersten halben Stunde, als das Spiel noch etwas schwerfällig anlief, aufbauen konnte. Bernd Fuhr hielt glänzend und Hans-Jürgen Boysen (Frank Hartmann) sowie Helmut Zahn (Peter Hayduk) hatten ihre Ggenspieler sicher im Griff, sodaß die vom starken Martin Giesel vorangetriebenen Offensivaktionen der Gastgeber wirkungslos blieben. Nach einem schönen Zusammenspiel Uwe Bühlers mit Michael Harforth gelang Uwe Dittus kurz vor der Halbzeit sogar das 2:0, und Sekunden später traf Emanuel Günther mit einem Volley-Schuß nur den Pfosten. Mit diesem Polster im Rücken konnte man die zweite Halbzeit beruhigt angehen!

In dieser ließen die Badener die Hausherren sich kräftig austoben, um mit schnell vorgetragenen Vorstößen die Entscheidung zu suchen. Die kam dann auch. Nach einem 40-Meter-Solo Boysens half 96-Keeper Jürgen Rynio gegen Uwe Bühler nur noch die Notbremse – Gerd Kleppinger, an alter Wirkungsstätte mit einer starken Leistung, verwandelte den Strafstoß (54.) sicher. Und nach Günthers Doppelschlag (55. und 60. Minute) schwenkten sogar die heimischen Zuschauer ins Lager des KSC über. Den Szenenapplaus hatte man sich zwar verdient, doch zeigte man sich anschließend im Auslasse von Torchancen etwas zu nachlässig, sodaß ein noch höherer Sieg verpaßt wurde. Der Ehrentreffer Hartmanns (74., Foulelfmeter) war noch nicht einmal der Hauch eines Schattens auf einer brillanten Vorstellung des Bundesligaabsteigers, der nach den guten Leistungen in der Vorbereitung nun auch in der Punkterunde Lust auf mehr gemacht hatte. 5:1 bei Hannover 96 – unglaublich, sagenhaft! Und das nach den 16 Auswärtsniederlagen der Abstiegssaison in Folge… Völlig entnervt hingegen 96-Coach Gerd Bohnsack: „Wir wurden demaskiert!“

Zu einem dramatischen Zwischenfall kam es jedoch nach dem Spiel, als ein KSC-Fan aus Bühl bei einer Auseinandersetzung mit 96-Fans durch mehrere Messerstiche im Lungenbereich schwer verletzt wurde.

KSC 0-0 MSV Duisburg \ 9. August 1983
22.000 Zuschauer im Wildparkstadion

Siege gegen die Bayern und in Hannover, sowie ein Unentschieden gegen die beste europäische Vereinsmannschaft, den HSV – da kannten die KSC-Fans kein Halten mehr! Der Verein war von deren wiederentdeckter Zuneigung völlig überrascht worden, sodaß die vorgedruckten 20.000 Karten nicht ausreichten und Tausende kostenlos ins Stadion gelassen werden mußten. Das Spiel, das schließlich etwa 25.000 Besucher sehen sollten, mußte später beginnen.

Entgegen des torlosen Endergebnisses wurden diese Zeuge eines hervorragendes Fußballspiels, das der KSC hätte gewinnen können, ja müssen. Hier Harforth und Dittus, dort Manfred Dubski, Herbert Büssers und Udo Lay – beide Mannschaften verfügten an diesem Abend über Schaltzentralen, die das Spiel immer wieder mit sehenswerten Kombinationen und Ideen ankurbelten. Als einizge Schwachstellen erwiesen sich die jeweiligen Angriffsreihen, die in den Torhütern Fuhr und Heribert Macherey, sowie den Torstangen ihre Meister fanden. Nach der Euphorie des 5:1 von Hannover waren die Karlsruher in der Realität angekommen. Der robust verteidigende und clever konternde MSV hatte ihnen aufgezeigt, daß es für sie aus der Favoritenposition heraus in der 2. Liga doch nicht so leicht werden würde.

(…)

\ Den ausführlichen Artikel sowie die Vorrunde der Meistersaison 1983/84, Interviews mit Klaus Theiss, Hans-Jürgen Boysen und Werner Olk finden Sie in der Print-Ausgabe von Auf, Ihr Helden! N°13

Hinterlasse einen Kommentar

Du musst eingeloggt sein um einen Kommentar zu hinterlassen. Anmelden »