Der Film Uhrwerk Orange von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1972 visualiserte alle Ängste und Hilflosigkeiten, die der brave Bürger noch heute heute mit sich herumträgt.

\ Einfach so, aber dennoch geplant, ja aus purer Lust, aber dennoch rücksichtslos kann Bestehendes angegriffen, zerstört und sogar getötet werden. Just an so etwas muss sich der Beobachter erinnert fühlen, wenn er sich beim KSC-Marketing das Ergebnis des Kreativprozesses „Pokaltrikot Saison 2012/13“ betrachtet, mit dem erneut zielsicher an allen Traditionen vorbeigegriffen wurde. …

… Nichts gegen Dundee United, Schachtar Donezk oder die Lieblingsfarbe einer großen deutschen Partei. Aber der KSC in einem orangenen Heimtrikot? Kaum zu glauben, doch nach dem buchstäblich schwarzen Nichts von letztem Jahr ist es Axel Bathiany und seiner Abteilung doch tatsächlich gelungen, den Unverstand auch noch zu überbieten. Hallo, und was kommt als nächstes? Ein Brustring?

Es tut uns noch nicht einmal leid, ganz im Gegenteil: Ja, für uns war und ist der KSC blau-weiß. Und allenfalls auswärts mal badisch gelb-rot. Dieser Verein hat in den letzten Jahren viel zu viele jener positiven Zuschreibungen und Merkmale verloren, die ihn einmal ausgezeichnet hatten. Was der Klub aber trotzdem noch besitzt und sich mit ihm jederzeit verbinden lässt, das sind die Erinnerungen seiner Fans, sein Wappen – und seine Farben.

Bisweilen denkt man sich, haja, der KSC war doch immer schon ein Kleckerlesverein, dem mehr misslang als gelang. Und dennoch war es auch sympathisch gewesen, dass er es in der Regel wenigstens in gutem Glauben vermasselte. Er und seine Repräsentanten, „ha, sie hädde schon gern g’wollt“. Aber geschafft haben sie es halt nicht, oder eben nicht oft genug. Heute hingegen fehlt dem altbekannten Versuchen und Irren vom Adenauerring dieser Charme leider gänzlich. Und möchte man dort ganz sicher niemanden tröstend in den Arm nehmen und sagen, „abber en astänniger Kerrle bleibsch doch“. Denn das, was bisweilen dort draußen im Hardtwald entschieden und umgesetzt wird, ist mit Ansage und Anlauf so haarsträubend,  dass es im Negativen Sinne sogar Konsequenz besitzt. Abgesehen von der Frage eines KSC in den Traditionsfarben oder dem  CDU-Orange ist es grundsätzlich bemerkenswert, dass es den Verantwortlichen inzwischen gelungen ist, bei nicht wenigen Betrachtern hinsichtlich der Farbwahl den Zusammenhang mit einer Partei überhaupt nur plausibel erscheinen zu lassen.

Gegen Ende des Kubrick-Films wird Alex – der böse Protagonist der Geschichte – mit durch Klammern fixierten Augen dazu genötigt, sich mit Ausbrüchen und Folgen von Gewalt auseinanderzusetzen. In der Karlsruher Realität ist dies anders. Hier sitzt der KSCler inzwischen ganz von selbst mit offenenen Augen da. Und kann nicht glauben, was für ein Film vor ihm abläuft. Wann wird er merken, dass zwischen ihm und den Geschehnissen auf der Leinwand eine Beziehung besteht? Wann wird er erkennen, dass er für jene aus Unterlassung vielleicht sogar mitverantwortlich ist?

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