Gedanken vor dem Relegationsrückspiel des Karlsruher SC gegen den SSV Jahn Regensburg

\ Was sich in diesen Tagen zwischen dem SSV Jahn Regensburg und dem KSC abspielt, gab es für die Karlsruher letztmals vor 32 Jahren, im Juni 1980. Seinerzeit allerdings mit einer anderen Ausgangslage, da die 2. Liga nicht gehalten, sondern nach oben in die Bundesliga verlassen werden sollte. Gegner war Rot-Weiss Essen, das nach dramatischem Schlussspurt in der 2. Liga Nord noch Hannover 96 hatte abfangen können, während der KSC im Süden den Zweikampf mit dem Club und seiner Trainerlegende Robert „Zapf“ Gebhardt nur knapp verloren hatte. …

Der 1.FC Nürnberg und Arminia Bielefeld waren also aufgestiegen, und über den dritten Aufsteiger mussten \ zwei Aufstiegsspiele (Wir werden am Montag am Stand vor dem Clubhaus diese Ausgabe im Doppelpack mit \ der aktuellen N° 19 zum einmaligen Sonderpreis von für zusammen nur 6 Euro anbieten) entscheiden. Das Hinspiel gewann der KSC deutlich mit 5:1. Was für ein Abend! Drückende Frühsommerhitze, ein zwar offiziell nicht ganz ausverkaufter Wildpark, aber wundersamerweise dennoch so voll, dass die Menschen auf den Wallkronen in mehreren Reihen standen, weil die Ränge bereits überfüllt waren. Die Stimmung im Stadion zu beschreiben ist heute kaum mehr möglich, es fehlen schlicht jegliche vergleichbare Referenzwerte. Und erst recht in einem Wildparkstadion, das nicht mehr richtig „ausverkauft“ sein darf.

Das Rückspiel geriet monströs dramatisch, da der RWE gleich nach Anpfiff in Führung ging. Mitte der 2. Halbzeit stand es dann sogar 3:0 und alles drohte zu kippen. Doch Uwe Dittus traf rund zehn Minuten vor Spielende für den KSC und brachte das bedrohlich kochende Georg-Melches-Stadion zum Schweigen. Die Umstände dieses Ringens sind legendär, Aggressivität, Hass, Spannung – es war alles drin, was aus jenen berüchtigten Jahren so vermutet wird. Die KSCler jedenfalls wurden zu Helden und sind bei den Zeitzeugen noch heute unvergessen. Zu sehen im Fernsehen war das Spiel damals übrigens nicht. Eine kurze Zusammenfassung der 1. Halbzeit lief noch im dritten Programm, danach zitterten Karlsruhes Fußballfans kollektiv vor den Radiogeräten.

Was für eine Dramatik, keine Frage. Der KSC stieg auf und sprang dadurch wieder einmal dem finanziellen und sportlichen Zusammenbruch von der Schippe. Die damaligen Spieler Rudi Wimmer, Hermann Kohlenbrenner, Karl-Heinz Struth, Rainer Ulrich, Rolf Dohmen, Stephan Groß, Martin Wiesner, Wilfried Trenkel, Emanuel Günther, Raimund Krauth, Uwe Dittus und Helmut Behr sowie Trainer Manfred Krafft hatten etwas geleistet, woran sich viele KSC-Fans noch immer klammern und woraus der Verein noch heute Leidenschaft, Zuneigung und Treue seiner Zuschauer und Freunde beziehen kann.

Also dachten wir, es wäre eine feine Geste, wenn sich der heutige KSC an seine Ehemaligen erinnerte und regten an, jene Männer von damals zum Relegationsspiel gegen Regensburg am Montag einzuladen, auf dem Rasen vor dem Spiel kurz zu präsentieren und sie dann das Spiel anschauen zu lassen. Organisatorische Hilfe boten wir natürlich auch noch an. Martin Wacker antwortete freudig erregt „ich mach alles mit!“ und harrte wie wir optimistisch dem Echo der Offiziellen.

Es kam nichts. Keine Antwort, noch nicht einmal eine Absage. Schnell mal in der Stadt «Ehrensache» zu plakatieren, ist die eine Sache. Diesen Slogan aber glaubwürdig zu vertreten, das ist wiederum eine andere.

12 Antworten zu “Absolute Ehrensache”
  1. Gringo sagt:

    Ich kann den Handelnden keinen Vorwurf machen….haben sie doch ganz andere Ziele. Es geht schon lange nicht mehr um den KSC, sind doch diese Leute
    durchweg vom Ego und persönlichen Interessen getrieben. Wie sagte kürzlich Uli Hoeness so trefflich zu Franz Beckenbauer:
    “Auch wenn wir des öfteren unterschiedlicher Meinung waren, unser Handeln war immer dem Wohle des FC Bayern untergeordnet”
    Bei uns scheint es geradezu umgekehrt – leider werden wir von einer Klüngelgemeinde verwaltet.
    Und trotzdem hofft man morgen auf einen Sieg – das ist selbstredend Ehrensache

  2. Bernd Hirsch sagt:

    In der Tat: Den Funktionsträgern ist das Traditionsbewusstsein und dessen Pflege keine Herzensangelegenheit, sondern bloßes Lippenbekenntnis. Symptomatisch dafür auch das meines Wissens bis heute nicht eingelöste Versprechen, für Raimund Krauth doch noch aktiv zu werden, nachdem sich der KSC und insbesondere die Lizenzspielerabteilung ja vor zwei Jahren nicht in der Lage sah, das Benefizspiel ganz offiziell und mit aller Entschlossenheit tatkräftig zu unterstützen.

  3. AlexS sagt:

    Ganz große Schande für den Verein.

    Es fällt mir persönlich immer schwerer, noch für den Klub zu leiden, bei solchen Lackaffen und ignorantem Klüngel an der Spitze.

  4. Detlev M. Gronau sagt:

    Jämmerlich, wie so oft in den letzten Jahren!

    Leider gibt es im Verein zu viele Leute, denen die kurzfristigen Erfolge in den 90ern zu Kopf gestiegen sind. Ich war dabei, damals und ich sehe auch heute immer wieder einige der genannten Spieler von damals im Wildpark, die auch heute noch mit dem Verein verbunden sind.

    Nicht aufgeben, es ist unser Verein!

  5. Sgt Slaughter sagt:

    Passt perfekt. Diese Leute haben doch null Ahnung. Ingo Qualenbereuther will
    zwar mal für die KSC Amateure gespielt haben, Aber das konnte nie verifiziert werden, was
    er in diesem Fall wieder eindrücklich bewiesen hat. Harforth, Stephan Gross, Wimmer und
    Emanuel was für eine tolle Idee vom Vierzigacker. Das wärs gewesen !

  6. Blondes Jogi sagt:

    wenn ihr Karlsruher seit die hier motzen – ihr braucht den Kandidat ja nicht zu wählen – ansonsten die Auswärtigen (Brettener usw.) Klappe halten über Politik, davon haben hier eh die wenigsten Ahnung – und zur Sache zurück der da heist, KSC und heute Abend raus in den Wildpark und ihn auch zum Wildpark für die Spatzen werden lassen. Habe fertig!!

  7. kscdave sagt:

    Das ist wellenreuther, wie wir ihn alle kennen und lieben. Zu sagen, man habe Eier in der Hose, ist das eine, sie aber auch wirklich zu haben, das andere. Seltsamerweise ist das Gerücht über angebliche Werbung seitens der jungen Union während des Spiels gegen düsseldorf für parteieinteitt in die CDU nach wie vor in vieler Munde und in noch mehr Köpfen verankert. Mr President, sie wirken so echt und authentisch wie die Brüste von Micaela Schäfer!!!

  8. Marc sagt:

    Als Exil-KSCler ist man in der Ferne um so mehr dem Verein verbunden. Damals war es Ehrensache mit dem KSC zu leiden und zu fiebern. Nochheute bin ich überzeugt der KSC ist nur aufgestiegen gegen Essen, weil wir alle am Radio gezittert haben, auf unseren Aberglauben gehört haben und entsprechend gehandelt. Bei der heutigen Vereinsführung und dem Management – und ich möchte ausdrücklich einige der alten Garde ausnehmen – fällt es schwer Jahr für Jahr schwerer noch mitzuleiden. Es ist einfach ein Trauerspiel zu sehen wie leidenschaftslos gekickt wird, wie wenig emotionale Verbundenheit mehr bei den Legionären in den Farben des KSC ist. Kaum einer der Spieler würde für den KSC sich hingeben, es ist nur ein Job, heute in Karlsruhe, morgen in ….
    Und jetzt dritte Liga – die Chance für einen Neuanfang – der Fisch stinkt übrigens am Kopf zuerst

  9. Pfälzer sagt:

    Es ist traurig, wie provinziell sich der KSC gibt. Ich habe den Eindruck, daß seit Jahren keine Aufbauarbeit im Verein geleistet wird, sondern immer nur Flickwerk betrieben wird. Sportlich hat sich der Verein seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt, kein einziger Spieler hat sich bei uns verbessert. Wirtschaftlich hat sich nichts getan, außer daß unser Vize-Präsident die entstandenen Löcher gestopft hat – anstelle sinnvoll in den Verein zu investieren.
    Dazu kommen dann die ungelösten Dauerthemen wie Stadionum-/neubau etc.

    Selbst Vereine wie Regensburg oder Sandhausen geben ein besseres Bild nach außen ab. Und das ist traurig.

  10. Besonders schade finde ich es, das das, zuletzt doch recht gut zusammenspielende Team nun wieder auseinander geht. Spieler wie Charalambous, Soumare´und auch einen Rada werden wir leider nicht halten können. Gerade den Erstgenannten sehe ich als einen der besten fünf Verpflichtung der letzten fünf Jahre. Man sollte jetzt alles dransetzen, einen Iashvili, die drei “Mannemer” (Groß, Terrazino und Calhanoglou) und vorallem unser Kopfballungeheuer Gaetan Krebs beim KSC zu halten. Gerade letzterer durfte unter Kauczinksi endlich mal auf seiner angestammten Position spielen und war aus dem Stand heraus gleich zwei Klassen besser. Meine private Meinung: Einen Manager Trentl hätten wir schon mind. ein Jahr früher durch einen Oliver Kreuzer ersetzen müssen.

  11. Ohje Regensburg.

    Nun hat der KSC sich deren Alibaz geholt. Ist zwar ein Guter, aber so ein Wechsel… bedenklich.

  12. Siempre KSC sagt:

    @ Silvio…

    …Als ich bin froh,das er da ist.Der hat den Willen,hier was zu reissen.Erinnert mich ein wenig an Mike Franz,als der zu uns kam…

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