„Was, das ist schon heute Abend?!“

\ Claus Reitmaier, durch einen Telefonanruf daran erinnert, kam denn aber doch noch nach Hamburg-Eimsbüttel, um den angekündigten „bunten Fußballabend“ runder und farbenfroher zu gestalten. Locker und blendend aufgelegt erplauderte sich der ehemalige KSC-Keeper am Samstag vor dem KSC-Auftrit am Millerntor launig die Sympathien der rund vierzig Anwesenden und gab einige bemerkenswerte Anekdoten aus dem Mannschaftskoffer seiner langen Karriere preis …

Nicht gut weg kam hierbei sein damaliger Trainer Winfried Schäfer, denn Reitmaier wußte alle bekannten Urteile und Beobachtungen von Mitspielern aus jenen Jahren zu bestätigen. Und die waren so ernüchternd, daß die anwesenden Zuhörer mit KSC-Leidenschaft – zur Begrüßung waren zwei Arme nach oben gegangen – sich darüber erleichtert gezeigt haben dürften, daß weder DFB noch UEFA seinerzeit bemerkt hatten, einen Verein mit rund 20 Spielertrainern zum Spielbetrieb zugelassen zu haben.

Ansonsten begeisterte wieder einmal Philipp Hartmann mit seinen Filmen, und auch die drei Referenten trafen die Erwartungen der Gäste. Niemand wird es bedauert haben, dabei gewesen zu sein. Vielleicht gibt es zur Einstimmung eines Fußballtages auch einmal in Karlsruhe eine solche Veranstaltung – eine gute Sache würde es bestimmt.

Abseits der blanken Theorien dieses Abends enttäuschten die sich tags darauf sowie am Montagabend anschließenden Fußball-Praxiserelebnisse dann aber leider doch. Der Sonntagsausflug ging zum Spiel TSV Niendorf gegen Altona 93 in der Oberliga Hamburg, wobei die Gastgeber das Spiel auf ihren zwar schicken, aber nur maßvoll stimmungsvollen Kunstrasenplatz verlegt hatten. Spektakulär war nur der in Neongelb kondomisierte Schiedsrichter, zu dessen körperlichen Habitus zwei Pit Bulls als Assistenten an der Seitenlinie bestens gepasst hätten. D-Jugend-Spieler hätten sich alleine bei dessen Anblick weinend geweigert, auch nur die Kabine zu verlassen, Autoritäsirritationen gab es folglich auch nicht an der Niendorfer Sachsenstraße – „Wenn hier einer rumschreit, dann ich!“. Alles klar. Bereits zur Mitte der zweiten Halbzeit hatten die Gästefans den Biervorrat der aus einem Garagentor heraus, charmant bemühten Gastronomie aufgelöst, Nachschub von der Tankstelle löste die Dürre glücklicherweise wieder auf. Angesichts der überschaubaren Leistung ihrer Mannschaft eine zwingend notwendige Ablenkung für die AFC-Fans, denn am Ende stand eine unnötige 0:1-Niederlage.

Und es kam der Montagabend. Entgegen der überraschend positiven Reaktionen der Karlsruher Presse verursachte die Niederlage am Millerntor bei allen Dabeigewesenen wohl allenfalls nur noch weitere Unruhe für die kommenden Wochen im Abstiegskampf. Maßvolles Bemühen alleine ist in den entscheidenden letzten Wochen der 2. Liga zu wenig, was sich nur eine knappe Woche darauf beim Heimspiel gegen Hansa Rostock auch bestätigte. Aufgrund des Alkoholverbotes war es den Stadionbesuchern noch nicht einmal vergönnt gewesen, sich zu narkotisieren. Die letzte „Hätte-Wenn-Und-Aber-Saison“ hatte der KSC mit der Runde 2008/09. Am Ende stand der Bundesligaabstieg.

Jetzt mal mit bangen Gedanken abwarten, was die nächsten Wochen bringen werden. Nur leider wird es noch nicht einmal ausreichen, wenn die spielenden Hauptakteure geschlossen in die CDU überträten, um „oben“ auf gut Wetter zu machen und ihre zweitklassigen Arbeitsplätze zu retten. Da muß schon mehr kommen, um die Gegner in die Knie zu zwingen.

Nicht auszudenken, wenn sich Claus Reitmaier im fernen Hamburg beim Scannen der Tabelle schon vorzeitig zum überraschten Ausruf, „was, der KSC ist schon heute abgestiegen?!“ hinreißen lassen müßte.

Eine Antwort zu “Ein wirklich bunter Fußballabend in Hamburg”
  1. Silvio sagt:

    Das Unentschieden war schon nicht sehr leistungsgerecht! Auch wenn ich denke, dass weder KSC noch Hansa in die 3. Liga gehören, ganz im Gegensatz zu solchen “Traditionsklubs” wie Hoffenheim.

  2.  
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