Unser hunderttausendster Besucher über seinen KSC

\ Im November suchten wir den \hunderttausendsten Besucher der Heldenwebsite – und fanden ihn. Oder besser gesagt, wir wurden gefunden …

Denn Murat, 27- jähriger Student der Wirtschaftswissenschaften in Karlsruhe, beantwortete die Frage nach jenem Trainer, der im Februar 1992 als Nachfolger Winnie Schäfers schon auf der Haupttribüne saß, mit Peter Neururer als erster und einziger Leser richtig. Der Gewinn fiel reichlich aus, er wurde mit zig HELDEN!-Devotionalien überschüttet. Das musste auch so sein, denn an der Lösungsfindung war er nicht alleine beteiligt …

Murat, beim Finden der richtigen Antwort wurdest Du von Ole Schröder unterstützt. Woher kennt Ihr Euch so gut?

Murat Wir gingen hier in der Waldstadt gemeinsam in die Grundschule und wechselten dann auf das Otto-Hahn-Gymnasium. Und zufällig entschieden wir uns dann auch noch für das gleiche Studienfach. Wir sind Freunde.

Bei so einem begeisterten Fußballer als Kumpel – wie verlief Deine aktive Fußballkarriere?

Murat (lacht) Das war nichts für mich! Ole hat mich ein einziges Mal zum Training beim KSV mitgenommen, aber an jenem Tag war es derart schmuddelig, dass ich lieber weiter Basketball spielte. Zum Kicken reichte es dann nur noch zum Spaß auf der Wiese beim Hirtenweg. Die gibt’s sogar heute noch!

Wann warst Du eigentlich das erste Mal als Zuschauer beim KSC?

Murat Darüber habe ich auch schon nachgedacht, aber ich komme nicht drauf. Als erste Erinnerung habe ich nur noch meine Begeisterung über den KSC-Sieg beim DFB-Hallenmasters im Kopf, das war im Januar 1996. Ich war ein großer Fan von Michael Tarnat und habe natürlich auch Autogramme gesammelt!

Und welche Rituale gab es beim Gang ins Stadion? Gingst Du alleine raus, oder mit Vater und Freunden?

Murat Es war vor allem eine Clique aus vier Jungs, mein Bruder und ich sowie unsere besten Freunde Philipp und Lukas. Und anfangs waren natürlich auch jeweilige Elternteile dabei.

Fährst Du auch zu Auswärtsspielen?

Murat Nur wegen Ole! Beim ersten Mal in der Münchner Arena aber er hat dann leider nicht gespielt, saß das ganze Spiel über auf der Ersatzbank.

Welche Bedeutung hat der KSC für Dich?

Murat Eine sehr große, da mich der KSC unheimlich stark mit meiner Heimat, mit Karlsruhe verbindet. Ich möchte es zwar nicht überbewerten, aber ein Stück weit hat es für mich die Identifikation mit der Stadt auch erleichtert. Es gibt viele schöne Erinnerungen und ich gehe auch einfach gerne ins Wildparkstadion das ich sehr mag. Als Kind war es cool, sich ihm von der Waldstadt aus zu nähern und es immer lauter wurde, bis irgendwann hinter den Bäumen die Flutlichtmasten hervorragten – plötzlich war es dann da. Dieses Gefühl hat sich bis heute nicht geändert und genieße ich es auch sehr, einfach daran vorbeizufahren.

Das mit der Identifikation finde ich interessant, weil es einen Verein oder den Fußball überhaupt als sozialen Erlebnisraum weit über das Sportliche hinaushebt.

Murat Über den KSC sehe ich mich schon als Karlsruher, selbst wenn ich Türke bin. Das Badnerlied singe ich auch immer mit. Ich habe den Verein als Jugendlicher als sehr sympathisch wahr genommen. Die Spieler waren „normal“, selbst ein Burkhard Reich aus Berlin kam als Einheimischer rüber. Und obwohl es so ein kleiner Verein war, wurde sportlich viel erreicht. Heute nimmt es mich sehr mit, wenn es dem Verein schlecht geht.

Mein subjektives Empfinden ist, dass gerade Türken ihren ersten Lieblingsverein in der Türkei haben, und – wenn überhaupt – der deutsche an zweiter Stelle kommt. Wie war oder ist es bei Dir und Deiner Familie?

Murat Der Großvater war Fenerbahçe-Fan, mein Vater ist Fenerbahçe-Fan, und ich und mein Bruder sind es auch. Aber! Zuerst bin ich KSC-Fan, und wenn die beiden Vereine gegeneinander spielen würden, dann wäre ich für den KSC. Hier bin ich einfach mit mehr Herzblut dabei, weil ich in Karlsruhe geboren wurde, hier aufgewachsen bin und mein bisheriges Leben verbracht habe. Um es noch genauer zu sagen, sehe ich bei mir und dem KSC keinen Konflikt mit meiner familiären Herkunft, sondern eher ein ganz normales Heimatgefühl. Die Identifikation mit der Region wird beim Fußball und seinen Riten ganz automatisch hergestellt.

Welches Erlebnis mit dem KSC würdest Du gerne noch einmal erleben?

Murat Das Aufstiegsspiel gegen Unterhaching! Das war einfach nur schön, wie die gesamte Saison. Endlich konnte ein KSC-Fan auf seinen Verein wieder stolz sein.

Und welches Erlebnis möchtest Du streichen?

Murat Das 7:0 gegen Eintracht Braunschweig im Frühjahr 2006. Ich wollte zuhause lieber lernen, und dann trudelten auf dem Telefon die ersten Kurznachrichten ein … Es wird mir von Freunden noch heute vorgehalten, dass ich mich damals für das Lernen und gegen den KSC entschieden habe! (Lachen)

Wie siehst Du die aktuelle Situation?

Murat Ich bin ziemlich erschüttert. Ich spüre nicht, dass die Mannschaft an einem Strang zieht und gewinnen möchte. Aber es kann ganz schnell gehen, ich bin Optimist! Auch wenn zum Beispiel gegen Alemannia Aachen nicht zu sehen war, dass ein Trainerwechsel stattgefunden haben soll.

Wo siehst Du den KSC perspektivisch?

Murat Ich wäre zufrieden, wenn sich der KSC als stabile Zweitligamannschaft etablieren würde. Ich möchte in dem Bewusstsein ins Stadion gehen, ein vernünftiges Fußballspiel zu sehen. Ganz ohne Abstiegsstress und Diskussionen darüber, dass dieser oder jener jetzt wieder gehen muss. Draufhauen und Selbstzerfleischung möchte ich nicht, ich bin für Einigkeit.

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