Zum Heimspiel gegen Alemannia Aachen am vergangenen Samstag war die Gruppe KSC-FANS HELFEN…! als Kooperationspartner gemeinsam mit den AIDS-Hilfen aus Karlsruhe und Pforzheim mit einer Aktion zum heutigen Welt-AIDS-Tag unterwegs.

\ Es wurden rote Schleifen als Solidaritätssymbol für Menschen mit HIV und Aids sowie Kondome und Infoflyer gegen kleine Spenden verteilt. Zudem bestand die Möglichkeit, sich an einem Stand am Haupteingang über AIDS und HIV zu informieren …

In den vergangenen Tagen sprachen wir dann mit U-23-Trainer Markus Kauczinski über das Thema Sexualität im Jugendfußball sowie mit der Pforzheimerin Nicole vom KSC-Fanklub \Wildparkjunxx über ihre Erlebnisse am Aktionssamstag. Ungewohnt gestaltete sich hierbei natürlich das kurze Gespräch mit Kauczinski, der sich ebenso wie der Interviewer anfangs nur schwer vorstellen konnte, worüber man denn überhaupt sprechen und in wie weit gerade er hierzu etwas zu sagen haben könnte. Dennoch ergab sich ein interessantes und – trotz des ernsten Themas – lebhaftes Geplauder. Eigentlich wenig verwunderlich, hat doch der Sport-Pädagoge nahezu täglich mit jungen Männern zu tun.

Herr Kauczinski, seit vielen Jahren sind Sie Trainer im Jugendbereich, so dass eigentlich nicht ausbleiben kann, dass Sie auch über private Dinge der Spieler viel wissen.

Kauczinski Über Gespräche in der Kabine bekomme ich nebenbei natürlich schon mit, was die Jungs so treiben und was abgeht. Wobei es hier bei der U23 natürlich etwas normaler abgeht als bei Jüngeren, die sind da schon abgeklärter.

Findet bei den Vereinen in der Nachwuchsarbeit eigentlich in irgendeiner Form „Aufklärungsarbeit“ statt?

Kauczinski Wir vom Verein haben nicht die Pflicht, die jungen Leute aufzuklären, das sollte schon noch bei den Familien liegen. Natürlich kann man sich darüber Gedanken machen, ob man die Spieler in einem Alter von fünfzehn, sechzehn Jahren, in dem sie eben noch nicht alles wissen, in der Aufklärung ein wenig unterstützt. Zumal es in den Elternhäusern erfahrungsgemäß immer weniger gemacht wird. Über eine solche Anregung könnte man sicher einmal nachdenken.

Sie sähen sich also nicht überfordert, wenn ein junger Mann mit einer Sache zu Ihnen käme, die mit Fußball so rein gar nichts zu tun hat?

Kauczinski Nein, denn ich bin ja nicht nur Trainer, sondern auch Mensch. Die Jungs können mit allen Problemen zu mir kommen, zumal ich ja auch über etwas mehr Lebenserfahrung als diese verfüge. Vieles habe ich schon selbst erlebt, deshalb sollte es sogar so sein, dass über alles gesprochen werden kann.

Haben Sie persönlich in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis schon einmal mit einer HIV-Erkrankung zu tun gehabt?

Kauczinski Nein, überhaupt nicht.

Ist es in ihrer Trainerarbeit schon einmal vorgekommen, dass sich ein Spieler wegen einer sexuellen „Schludrigkeit“ aus dem Trainings- oder Spielbetrieb abmelden musste?

Kauczinski (Lacht) Tja, das gab es tatsächlich! Es war allerdings keine Geschlechtskrankheit, sondern ist wohl in einer Zweisamkeit passiert. Ich musste deshalb mit dem Spieler sogar in die Ambulanz.

Weshalb mussten ausgerechnet Sie mit?

Kauczinski (Immer noch heiter) Es geschah – wie auch immer – während eines Trainingslagers, und ich begleitete ihn dann eben, weil ich mitbekommen hatte, dass geholfen werden musste.

Solche Anekdoten konnte Nicole vom vergangenen Samstag natürlich nicht erzählen, neue Erkenntnisse waren aber dennoch zu gewinnen..

Hallo Nicole, ausgerechnet an Eurem Aktionstag hat der KSC im Heimspiel gegen Aachen enttäuscht. Hat das die allgemeine Stimmung getrübt?

Nicole Es war bedenklich, weil nach dem Spiel einige Leute an unseren Stand kamen und meinten, „wir spenden bei euch was, damit der Nachmittag wenigstens noch einen Sinn hat …“ Wir haben aber trotz der Enttäuschung Danke gesagt. Laufbereitschaft, Einsatz und Passgenauigkeit, da war von der Mannschaft mal wieder wenig bis gar nichts zu sehen gewesen.

Dafür habt Ihr bestimmt mehr Engagement für Eure Sache gezeigt. War es einfach für Dich, direkt auf die Leute zuzugehen?

Nicole In den Stunden davor bekam ich schon Zweifel, ob ich der ganzen Aktion und möglichen kritischen Reaktionen gewachsen sein würde. Zumal ich auch nicht der Mensch bin, der so offen auf Leute zu geht. Wir hatten einen Stand und rund ums Stadion waren wir mit unseren Büchsen oder einfach nur als Ansprechpartner unterwegs.

Und wie waren die Reaktionen?

Nicole Gut, dass man manchen Leuten schon ansieht, wie offen oder kommunikativ sie sind … Eigentlich habe ich nur nette, spendenbereite Leute getroffen. Am meisten war ich aber von den Menschen so über 50 verwundert, wie aufgeschlossen sie waren. Man muss sich halt auch auf die jeweilige Zielgruppe einstellen. Der Standartsatz von den Leuten zwischen 30 und 40 war – „ja, ich spend euch was, aber gebt mir bloß kein Kondom mit, wie soll ich das den meiner Frau erklären!?“ Das Jungvolk hingegen, also ganz cool mit schwarzem Kapuzenpulli und Sonnenbrille unterwegs, unterliegt recht auffällig dem Gruppenzwang.

Was heißt das?

Nicole Da hast du keine Chance, dass Du an die ran kommst: Einer dagegen, alle dagegen. Es kamen auch Aussagen wie „die sind doch selber schuld“ oder „nee, hab ich nichts damit zu tun, ich bin nicht schwul und hab kein AIDS“. Ich hatte leider nicht die Kraft, mich solchen Diskussionen zu stellen. Aber ich möchte die Erfahrungen nicht missen, denn ich habe auch so viele liebe und nette Leute auch kennen gelernt. Zusätzlich hoffen wir, dass wir den einen oder anderen dazu gebracht haben, sich über das Thema Gedanken zu machen. Und generell war es toll, wie viele Menschen sich in unsere Aktion eingebracht haben.

Aktionen zum Welt-AIDS-Tag am 1. Dezember

Von 11 bis 19 Uhr steht vor der kleinen Kirche beim Marktplatz ein Informationsstand,an dem auch der „AIDS-Teddy 2011“ verkauft wird. Um 18.30 Uhr steht dann das „Trommeln gegen das Vergessen” auf dem Porgramm, mit dabei sein wird der KAURI e.V. Freundeskreis für westafrikanische Musik und Tanz. Zum Abschluss des Tages findet um 19 Uhr in der kleinen Kirche unter Mitwirkung von „Vocal Resources“, dem Chor der Hochschule Karlsruhe, noch ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Weitere Informationen unter \www.aidshilfe-karlsruhe.de

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