Patrick Haag, Lars Hummel, KSC-Amateure

Während die landsmannschaftlichen Fronten auf den Rängen oft arg verhärtet sein können, spielt die jeweilige Herkunft auf dem Platz noch nicht einmal eine Nebenrolle.

\ Interessant mag hierbei sein, dass KSC-Nachwuchsspieler aus Afrika, vom Kaukasus oder aus Grönland eher als normal angesehen werden dürften als solche aus der benachbarten Pfalz. Vier dieser „Exoten“ aus dem Land der Kartoffeln, Weinschoppen und eines von der Landespolitik subventionierten Bundesligisten haben wir daher etwas näher unter die Lupe genommen: Die A-Jugendlichen Jesper Brechtel und Michael Schultz, sowie die Amateure Patrick Haag und Lars Hummel …

Immerhin, Jesper Brechtel (17) und Michael Schultz (18)können schon wieder lachen. Vor einer halben Stunde haben die beiden A-Jugendspieler des KSC ihr Heimspiel gegen Bayern München nur unglücklich mit 1:2 verloren, worüber die Enttäuschung zunächst natürlich groß war. Die beiden Jungs zählen zu den Hoffnungsträgern der Badener, der Wildpark kann ihr Sprungbrett nach oben werden. Wobei es Brechtel schon einmal bei seinem Lieblingsklub 1.FCK probiert hatte und am dortigen Internat verzweifelte – „ Es gab kaum Freiheiten, kein Internet und keinen Fernseher auf dem Zimmer“. Sein Trainer war der große Ratinho und „er hat es mir bös’ genommen, dass ich das Internat verlassen habe und stellte mich nicht mehr auf“, sagt Brechtel verschmitzt. Der junge Mann hat also zweifellos auch abseits des Rasens ein aktives Leben. Beim KSC jedenfalls gefalle ihm die Nähe zu seiner Heimat Rülzheim, „dass ich hier gut gefördert werde und man auf mich setzt“. Als einen Rückschritt empfindet er die Rückkehr zum KSC in diesem Sommer nicht, „wichtig ist, dass ich in der höchsten Klasse spielen und mich weiterentwickeln kann“.

Bayern und der FCK

Der am 21. Januar 1994 in Speyer geborene Mittelfeldspieler spielte zwar in der U14 erstmals beim KSC, doch sein Lieblingsklub ist bis heute der FCK. Oft war er schon auf dem Betzenberg. Und während sich sein Mannschaftskamerad Schultz – „ich war eigentlich immer Bayern-Fan“ – mittlerweile nur noch als Fan von der Mannschaft ist, die besser spielt, bezeichnet, fiebert Brechtel nur in den Jugendspielen nicht mit den roten Teufeln. Gerecht wie sie sind wünschen sie aber beiden Klubs, dass sie in den jeweiligen Bundesligen die Klasse halten und nicht absteigen.

Zuerst die Schule, dann der Fußball

Jesper Brechtel u19 KSC 3-0 TSG 1899 Hoffenheim u19
Brechtel überlupft Hoffenheimer Paul Ehmann u19 KSC 3-0 TSG 1899 Hoffenheim u19

Auf Michael Schultz steht der KSC bereits seit über sechs Jahren. Dabei war er sich ursprünglich nicht sicher, ob er seinen Heimatverein VfL Herxheim und die Freunde überhaupt verlassen und in den Wildpark kommen solle. KSC-Trainer Jürgen Apfel, den er noch aus Kandel kannte, „gab mir aber das Selbstvertrauen, diesen Schritt zu machen. Er wollte mich und rief oft zuhause an“. Schultz wurde 1993 in Landau geboren und macht nächstes Jahr in Herxheim sein Abitur: „Fußball ist mir sehr wichtig, aber an erster Stelle steht die Schule und anschließend möchte ich auf jeden Fall studieren“. Eine klare Tendenz hat er hierbei noch nicht, Sport-Management oder etwas mit Sprachen ist in der Verlosung. Natürlich war und ist Fußball im privaten und schulischen Umfeld immer ein Thema, doch als etwas besonderes fühlte Schultz sich nie – „und das möchte ich auch nicht“.

Die Welt bricht nicht zusammen

Antonio-Mirko Colak, Paul Ehmann, KSC-Kapitän Michael Schultz, u19 KSC 3-0 TSG 1899 Hoffenheim u19
Kenan Karaman, Michael Schultz, u19 KSC 3-0 TSG 1899 Hoffenheim u19

Er ist soweit Realist, als dass er sich nicht ausschließlich von diesem Sport abhängig machen möchte. Natürlich sei es ein Ziel, im nächsten Jahr in die U23 des KSC aufgenommen zu werden („Ja klar wird die U23 im Sommer ein Thema. Mal schauen, wie es aussehen wird“). Doch wenn es nicht klappen sollte, dann bräche seine Welt auch nicht zusammen. Fußball spielen würde er dann immer noch, und sei es eben unterklassig oder nicht mit der direkten Perspektive nach ganz oben. Einen externen Karriere-Kick lehnt der Achtzehnjährige ab – „Ich bin zwar schon von Beratern angesprochen worden, brauche und möchte aber keinen“. Und seit er den Führerschein hat, ist er bei aller Dankbarkeit auch von den Eltern unabhängiger, die ihn jahrelang unterstützt hatten. Alleine den Aufwand eines regelmäßigen Fahrdienstes über den Rhein und wieder zurück mag sich hierbei jeder lebhaft vorstellen können.

Ein begeisternder Anblick

Mit dem legendären Rundbau wurde jüngst sein jahrelanges Zuhause \ im Wildpark abgerissen. „Natürlich hatte der Rundbau Charme – aber wenn ich mich daran erinnere, dass wir uns dort im Winter kalt und im Sommer heiß duschen mussten …“. Der KSC ist für ihn etwas besonderes und erinnert er sich gut daran, wie begeisternd es war, beim Ankommen gleich die Profis trainieren und dann auch noch das riesige Stadion zu sehen. Schon im nächsten Sommer könnte es für Brechtel und Schultz soweit sein, in diesem auch tatsächlich zu spielen. Denn; wie gesagt, die zweite Mannschaft lockt.

Haag und Hummel sind schon angekommen

Dort angekommen sind bereits Patrick Haag und Lars Hummel. Der in Ludwigshafen geborene Haag ist natürlich Kurpfälzer, während Hummel seinen landsmannschaftlichen Status etwas zögerlicher einordnet. Geboren wurde er vor 19 Jahren in Mönchengladbach und kam er erst über den Umweg Bayern nach Dudenhofen. Acht Jahre war er damals alt und besuchte gerade mal die zweite Klasse. Dass sich das Duo auf der linken Rheinseite herzlich heimisch fühlt, belegt auch das Detail, dass sie noch immer in der alten, so nahen Heimat wohnen. Für ihren Trainer Markus Kauczinski stellt dies jedoch kein Problem dar – „das ist ja keine Entfernung“. Zudem seien beide absolut integriert und würde sich das Pendeln überhaupt nicht bemerkbar machen. Haag ist der erfahrenere der beiden. Er spielte unter anderem bereits die TSG Hoffenheim und den SV Waldhof. Und zwischendurch auch schon zweimal beim KSC, ehe er hier seit der vergangenen Saison im nun schon dritten Anlauf endgültig heimisch und Profi werden möchte. Nur Verletzungen verhinderten bereits Einsätze in der 2.Liga.

Sie wären fehl am Platz

Und den Sprung zu den Profis zu schaffen, ist letztlich das erklärte Ziel des Duos, denn „sonst wäre man hier fehl am Platz“, wie Hummel trocken feststellt. Er selbst hat viel seinem einstigen Trainer beim FV Dudenhofen, Karl-Heinz Steiger, zu verdanken. Jener pushte den jungen Lars derart, dass dieser in der C-Jugend als Speyerer Auswahlspieler einen Späher des KSC auf sich aufmerksam machen können. Und das Probetraining im Wildpark lief gut. Er habe sich beim KSC sofort wohlgefühlt, was sich in den nunmehr fünf Jahren auch nicht geändert habe.

Mit Fragen war zu rechnen

Hummel selbst hatte übrigens bis vor einigen Monaten nicht nur sportlich Aufsehen erregt, sondern auch mit seinem Äußeren. Inspiriert von einem guten Freund ließ er sich Rastazöpfe machen, weil es ihm diese Frisur einfach angetan hatte. „Ich fiel damit im Positiven wie im Negativen natürlich extrem auf. Letztlich steigerte es allerdings den Wiedererkennungswert, zumal ich damals auch sportlich eine gute Phase hatte und mich somit bei den Leuten noch besser eingeprägt habe“. Klar, aber auch die Fragen nach seiner Vorliebe für gewisse Rauchwaren blieben nicht aus. „Damit war zu rechnen“, grinst er. Nun sind sie weg, da er die Lust daran verlor und ihm die Matte irgendwann zu warm wurde – „Die waren so schnell wieder runter wie sie da waren“.

Es geht um Fußball

Fritschlach, Patrick Haag, Lars Hummel, DJK Daxlanden 0-10 KSC u23

Eigentliche Fußballfans im Fan-Block waren Haag und Hummel in ihrer Jugend nie, auf den „Betze“ zog es sie aber natürlich schon. Geblieben ist hiervon jedoch allenfalls noch eine Sympathie, und wenn der KSC heute auf die Lauterer treffe, dann seien sie natürlich auf der Seite der Blau-Weißen. Das Umkurven der regionalen Rivalität der beiden Traditionsklubs FCK und KSC lösen sie elegant und wird jeweils mit einem Lächeln begleitet. Dass sie das noch immer können ist auch ihren damaligen Freunden geschuldet. Denn Rivalität hin oder her – wenn ein großer Verein wie der KSC anklopft, dann freut sich allenthalben die ganze Bande eben noch immer mit. Schrecken ließen sich die Nachwuchsspieler auch nicht von den kernigen Bedingungen im Rundbau. Haag hierzu ohne auch nur mit der Wimper zu zucken: „Das war egal, es geht doch um Fußball und nicht um das Duschen, oder?“ Und zwar links wie rechts des Rheins.

2 Antworten zu “Links wie rechts des Rheins \ Jungs aus der Pfalz beim KSC”
  1. Daniel sagt:

    Schön geschriebener Artikel über ein sympathische Jungs!

  2. Charlie sagt:

    Super-Artikel, Matthias!

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