Die Kolumne «An der Seitenlinie» aus der Rheinpfalz vom 3. November 2011

Rainer Scharinger KSC-Trainer

Im Fußball kann der Zeitpunkt, da bunte Schaudiagramme und choreographierte Mitgliederversammlungen der Vergessenheit anheimfallen, sehr schnell kommen.

\ Denn entscheidend – die Plattitüde sei hier erlaubt – ist tatsächlich immer noch auf dem Platz. So zu sehen am frühen Montagnachmittag beim KSC, als Präsident Ingo Wellenreuther und Sport-Direktor Oliver Kreuzer die schon erwartete Trennung von Cheftrainer Rainer Scharinger offiziell werden ließen …

Binnen eines guten Jahres wird Wellenreuther in den nächsten Tagen nun schon den dritten „richtigen Mann“ für den KSC präsentieren und von seinem Vorhaben, beim KSC endlich Kontinuität einkehren zu lassen, ein weiteres Mal abrücken müssen. In Anbetracht der rein sportlichen Resultate unter Scharinger ist der Schritt vertretbar. Nur vier Siege aus 23 Punktspielen bei einem Torverhältnis von 28 zu 58 – das ist ein enttäuschender Leistungsnachweis. Andererseits musste der ehemalige KSC-Profi bei seinem Einstieg mit einem Kader arbeiten und zunächst den Klassenerhalt schaffen, der nicht der seine war. Und entgegen der offiziellen Verlautbarungen war auch die aktuelle Mannschaft nicht jene, der er das Erreichen der sportlichen Ziele vorbehaltlos zutraute. Wenige, aber entscheidende Wünsche waren offen geblieben. Letztlich hat Scharinger für die Chance, nicht nur bei einem Zweitligisten, sondern sogar bei seinem Heimatverein arbeiten und sich etablieren zu können, bitter bezahlt.

Scharinger musste bezahlen …

Wellenreuther und Kreuzer gelang es am Montag indes nicht, ein souveränes Bild abzugeben. Der Präsident war zwar bemüht, seinen politischen Erfahrungsschatz zu nutzen und präzisen Fragen nach der Präsidiumsverantwortung auszuweichen, doch die Resonanz unter den Anwesenden auf diese Manöver war mit Berechtigung verheerend. Auch Kreuzer, dem aufgrund seiner Erfahrung im Fußballgeschäft ein professionelles Bewältigen und Kommunizieren der Situation möglich sein müsste, redete sich nicht zum ersten Mal beinahe um Kopf und Kragen. Die Zuhörer hatten für eine solche Entscheidung von beiden Verantwortungsträgern konsistentere Aussagen erwartet, als den Abbruch eines langfristigen Entwicklungsplanes weitgehend mit „fehlenden Ergebnissen“ zu begründen.

… und der KSC wird bezahlen müssen

Doch nicht nur der montägliche Auftritt sollte beunruhigen. Denn für den Trainerwechsel und die spätestens in der Winterpause anstehende Kaderkorrektur wird der KSC, der für dieses Geschäftsjahr ohnehin bereits mit einem Minus von ca. 2 Millionen Euro kalkuliert, wieder Geld in die Hand nehmen müssen, das er eigentlich nicht hat. Stand diesen Sommer stecken bereits über 2 Millionen Euro an externen Darlehen im Verein, von denen alleine auf Vizepräsident Günter Pilarsky 1,6 Millionen entfallen. Angesichts des Vorjahresverlustes, Altbelastungen in Form von Auszahlungen an den Medienunternehmer Michael Kölmel oder weiterhin bestehender Forderungen, die sich zusammengerechnet längst schon im Bereich der 20-Millionen-Grenze bewegen, darf einem daher gewiss leicht schwindlig werden. Kein Zweifel, das Schaubild auf der nächsten Mitgliederversammlung wird viel leisten müssen.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


2 Antworten zu “Keine Kontinuität, keine Ergebnisse, kein Geschick \ es bleibt nur der Schwindel”
  1. Stefko sagt:

    Gut geschrieben Matthias!
    Schon vor einiger Zeit erinnerten mich die Zustände beim KSC an ein Gedicht von Christian Morgenstern, darf ich?

    Wer vom Ziel nicht weiß,
    kann den Weg nicht haben,
    wird im selben Kreis
    all sein Leben traben;
    kommt am Ende hin,
    wo er hergerückt,
    hat der Menge Sinn
    nur noch mehr zerstückt.

    Wer vom Ziel nichts kennt,
    kann’s doch heut erfahren;
    wenn es ihn nur brennt
    nach dem Göttlich-Wahren;
    wenn in Eitelkeit
    er nicht ganz versunken
    und vom Wein der Zeit
    nicht bis oben trunken.

    Denn zu fragen ist
    nach den stillen Dingen,
    und zu wagen ist,
    will man Licht erringen;
    wer nicht suchen kann,
    wie nur je ein Freier,
    bleibt im Trugesbann
    siebenfacher Schleier.

  2. Oder wie Harald Linder in der Überschrift seines Kommentars in der Ausgabe des Kurier vom 4.11. so treffend formulierte: “Oiner isch immer ´d A*****”

    Festzustellen bleibt nur, das sich seit geraumer Zeit schon keiner der Beteiligten, angefangen bei der Mannschaft, über Präsident, Manager und Trainer (im Plural) mit Ruhm bekleckert haben.

  3.