Christian Eichner, Andy Beck, Ramazan Özcan

Es ist der Abend des 10. April 2006. Erstmals seit dem Abstieg 1998 schnuppert der KSC wieder an der Bundesliga und liegt vor den letzten sechs Spielen bei nur einem Punkt Rückstand hinter Energie Cottbus auf dem vierten Tabellenplatz.

\ Der Karlsruher SC tritt bei der SG Dynamo Dresden an, welche sich als Vorletzte verzweifelt gegen den Abstieg stemmen und unbedingt gewinnen muss. Kickers Offenbach ist als 14. um sechs Punkte vorne, eine Heimniederlage würde schon mehr als nur eine Vorentscheidung bedeuten …

Der KSC hingegen kommt mit dem Rückenwind eines dramatischen 2:1-Heimsieges gegen die SpVgg. Greuther Fürth nach Sachsen, \ Jirí Kaufman hatte mit seinem Siegtreffer in der 90.Minute die 20.000 Zuschauer in Ekstase versetzt. Karlsruhe sitzt und steht an diesem Montagabend vor Fernsehgeräten und Leinwänden und ein weiterer Erfolg würde pure Euphorie auslösen. Doch – der KSC scheitert. Schon in der 6. Minute vergibt \ Giovanni Federico einen Elfmeter und trifft Marco Vorbeck acht Minuten später zur Dresdner Führung. Kaufman gleicht in der 18. Minute aus, aber Tomas Votava legt in der 37. Minute nach. In der 61. Minute macht Federico dann endlich sein Tor, wobei die Freude nicht lange währt: Schon fünf Minuten darauf gelingt Ivo Ulich das Tor zum Sieg. Es war ein leidenschaftliches Spiel gewesen und das Dynamo-Stadion mit über 12.000 Zuschauern seinem Ruf als Hexenkessel wieder einmal gerecht geworden. Wenige Wochen später waren hingegen die Sehnsüchte beider Teams und ihrer Fans enttäuscht. Der KSC lief nur auf Platz sechs ein, und Dynamo Dresden stieg als Fünfzehnter tatsächlich ab. Ein Punkt hatte auf die SpVgg. Unterhaching gefehlt.

Am Samstag treffen sich Dresden und der KSC nun nach fünf Jahren erstmals wieder. Beim letzten Mal war Christian Eichner in seiner ersten Profi-Saison mit dabei, und wir freuen und bedanken uns, dass er sich auf der Heldenseite daran erinnert:

Auf, Ihr Helden! Herr Eichner, Sie waren damals, als der KSC letztmals bei Dynamo Dresden spielten, im alten Rudolf-Harbig-Stadion dabei. Wie sind Ihre Erinnerungen?

Christian Eichner Es war ein Montagsspiel, oder? Es war eine tolle Atmosphäre und ein packendes Spiel, bei dem auf dem Platz hüben wie drüben alles drin war.

Trotz so vieler Jahre seit der Wiedervereinigung – sind Spiele bei ehemaligen Klubs aus der DDR noch immer etwas besonderes?

Eichner Grundsätzlich sind es völlig normale Spiele für mich. Aber in der Spielvorbereitung sollte man sich schon darüber bewusst werden, wo hingefahren wird. Die dortige Mentalität ist eine andere, und ohne zu verallgemeinern geht es immer etwas kämpferischer zu. Und das sowohl auf wie neben dem Platz.

Hat sie die damalige Atmosphäre in Dresden eher gehemmt oder beflügelt?

Eichner Es war etwas besonderes, da ich damals meine erste Saison bei den Profis spielte und solch eine Stimmung noch nicht oft miterlebt hatte, gerade auswärts. Es gibt immer Phasen, in denen die Atmosphäre erdrückend werden kann. Wichtig ist daher vor allem, wie man selbst in ein solches Spiel hineinkommt. Im günstigen Fall wirst du dann eher beflügelt.

Zur damaligen Mannschaft – nach Jahren der Abstiegskämpfe war die Saison 2005/06 die erste nach langer Zeit, in der der KSC wieder den Blick nach oben und zu den Aufstiegsplätzen richten konnte. Wie denken Sie an diesen Aufbruch zurück?

Eichner Wir hatten einen durchwachsenen Saisonstart, das darf nicht vergessen werden. Und ich weiß noch, dass es unser Ziel gewesen war, erst einmal von den Abstiegsplätzen weg und relativ souverän durch die Saison zu kommen. Ich glaube, dass uns deshalb am Ende auch der letzte Tick Überzeugung fehlte, das ganz, ganz große Ding zu landen.

Nur wenige Monate später ging es nach dem 4:0-Auftaktsieg bei Wacker Burghausen steil nach oben. Was war denn passiert, dass die Mannschaft so schnell damit begonnen hatte, an sich zu glauben?

Eichner Es hing gar nicht mal so sehr an diesem 4:0 – zumindest ich bin hinterher nicht im Bus gesessen und habe gedacht „Wow, das läuft ja, wir steigen auf“. Die Entwicklung wurde erst dann zwingend, als wir in den folgenden Wochen lange unbesiegt geblieben sind und diese Anfangseuphorie noch einmal steigern konnten.

Rüdiger Kauf, Arminia Bielefeld, Christian Eichner, KSC
Christian Eichner KSC

Weshalb lief es denn so gut?

Eichner Es war wohl vor allem die Stimmung in der Mannschaft, sie war schlicht toll und die Basis für alles, was folgte. Die Mischung hat gestimmt und ich persönlich habe gerade von den älteren Spielern sehr viel gelernt, wovon ich auch noch später profitieren konnte. Es gibt keinen Zweifel, dass damals eine wirkliche Mannschaft auf dem Platz stand.

Generell schien der ganze Verein von diesem Zusammenhalt getragen.

Eichner Klar – wir standen für den Verein auf dem Platz und haben dort sportlich harmoniert, aber auch das ganze Funktionsteam dahinter hat ganz einfach gepasst. So einfach kann es sein.

Noch eine letzte Frage – \ der Rundbau wurde vor wenige Wochen abgerissen. Was ging in Ihnen vor, als Sie hiervon hörten?

Eichner Ich konnte es nicht glauben, und eigentlich hätte es schon vor Jahren passieren dürfen. Wobei man ihm stets zugute halten muss, dass die Kabinen – und gerade die Duschen! – absolut in Ordnung waren. Und alleine schon der Gedanke, wie viele Mannschaften dort Platz hatten, nötigt Respekt ab.

Betrachtet man die Resultate, dann scheint „er“ so viel nicht falsch gemacht zu haben!

Wildparkstadion, Rüdiger Kauf, Christian Eichner

Eichner Es ist interessant zu sehen, was angesichts der Bedingungen beim KSC immer herausgekommen ist. Das kann nicht hoch genug bewertet werden, gerade angesichts der Möglichkeiten anderer Vereine. Basti Freis und ich sprechen noch heute oft und gerne über damals. Das sind so schöne Erinnerungen, die uns niemand mehr nehmen kann.

Noch eine allerletzte Frage. Wie fällt aus der Distanz Ihr Urteil über die aktuelle Situation der Mannschaft aus?

Eichner Man muss immer positiv denken und auftreten! Allerdings, das gebe ich zu, hatte ich den KSC in den vergangenen zwei Jahren auch immer besser eingeschätzt, als er in der Tabelle letztlich landete. In dieser Saison schaffen sie es definitiv „über den Strich“, und dann muss die Mannschaft peu à peu schlagkräftiger gemacht werden. Sie ist jetzt noch im Umbruch, das sollte nicht vergessen werden.

Sie kennen das Karlsruher Publikum gut, Geduld mag nicht zu dessen Primärtugenden zählen.

Eichner Aufpassen! Ich habe inzwischen viele Spielerkollegen kennen gelernt, die immer richtig gerne \ im Wildpark gespielt haben! Und das eben nicht nur wegen seiner seltenen Atmosphäre mit einer Laufbahn, sondern gerade wegen der fantastischen Zuschauer. Jeder Karlsruher sollte wissen, dass der KSC ein ganz besonderer Verein ist und bleibt.

Eine Antwort zu “Christian Eichner \ «Der KSC sollte wissen, wo er hinfährt»”
  1. Dieses kurze Interview sollten sich noch mal alle Bruddler und Maulaffen durchlesen, welche Spielern wie Eichner, Freis und Miller immer “Söldnermentalität” vorgeworfen haben.

    Vielleicht sehen wir Eiche irgendwann mal wieder im Trikot des KSC. Und sei es nur zum Ende seiner Karriere in ca. zehn Jahren…..

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