Am heutigen Abend steigt in der Schwarzwaldhalle in Karlsruhe die Mitgliederversammlung des KSC. Und das ist natürlich allemal ein Grund, für die «Rheinpfalz» nach langer Pause mal wieder eine Kolumne zu schreiben. Jubel – es ist die hunderste ihrer Art. Hier lesen Sie nun die etwas erweiterte Fassung aus der heutigen Ausgabe.

\ Noch in der Sommerpause kam es in Karlsruhe zu spontanen Polonaisen, wenn wieder einmal die Kunde eines Abgangs aus dem KSC-Spielerkader durchgedrungen war. Nach zwei völlig enttäuschenden Spielzeiten setzte der Verein die Sense an und trennte sich bis heute von insgesamt 19 Spielern, die bis auf Godfried Aduobe für den Niedergang geradezu in Kollektivhaftung genommen wurden.

Trainer Rainer Scharinger sowie seine Sport-Direktoren Arnold Trentl und dessen Nachfolger Oliver Kreuzer hätten es sich einfach machen und sich statt in den höheren Ligen Europas auch bei Karlsruher Kneipenmannschaften bedienen können – Euphoriestürme hätten sie dennoch ausgelöst. Von dieser Freude auf einen sportlichen Neuanfang ist in Karlsruhe nicht erst seit der samstäglichen Niederlage in Berlin allerdings kaum mehr etwas übrig geblieben. Kreuzer sagte noch am Donnerstag, „wir stehen nicht auf dem Tabellenplatz, auf dem wir gerne stehen würden. Aber uns fehlen nur die vier Punkte aus den Spielen gegen Frankfurt und Braunschweig. Es ist nicht nur eine neue Mannschaft, sondern ein ganz neuer Verein, da kann die Performance nicht nur nach oben gehen“. Dies hatte wohl auch niemand aus dem Umfeld erwartet. Aber dass sich das neue Team in Spielauffassung, Widerstandsfähigkeit und Perspektive von seinen Vorgängern abzuheben vermag, wohl durchaus und das mit Berechtigung.

Das Gesicht des Vereins

Neben der neuen Mannschaft ist es gerade der seit Oktober vergangenen Jahres amtierende Präsident Ingo Wellenreuther, der diese Performance eines neuen KSC repräsentiert. Während sich die sportliche Leitung um Scharinger und Kreuzer ganz auf ihre Aufgaben konzentriert, ist Wellenreuther nach außen das Gesicht des Vereins. Vor bald einem Jahr wurde er als Nachfolger des zurückgetretenen Paul Metzger gewählt, heute Abend stellt er sich nun erstmals wieder einer Mitgliederversammlung. Der CDU- Bundestagsabgeordnete und unterstellte Aspirant als Nachfolger des noch amtierenden Oberbürgermeisters Heinz Fenrich hatte von seinem tüchtigen, in der Öffentlichkeit aber unglücklich agierenden Vorgänger, ein im wesentlichen gut bestelltes Feld übernommen.

Ein bestelltes Feld

Angesichts der Herausforderungen bei Amtsantritt war dies keine Selbstverständlichkeit. Durch die Klärung von alten Rechtstreitigkeiten, der notwendigen Erweiterung von Kreditlinien bei den Banken sowie gesteigerten Marketingerlösen hatte Metzger den Zusammenbruch des Vereins abwenden und die Lizenz für die Saison 2010/11 auflagenfrei erreichen können. Auch stand der vorher grotesk überteuerte Lizenzspielerkader wieder auf jugendlicheren und preiswerteren Füßen, waren die Bedingungen für die wichtige Nachlizenzierung im Herbst bis auf 200.000 Euro erfüllt, zudem weitere Sponsorenerlöse in siebenstelliger Höhe vorverhandelt. Ebenso auf dem Weg war das Nachwuchsleistungszentrum, für den Förderungen und Sponsorengelder ebenso eingeholt waren wie die Baugenehmigung der Stadt erteilt war. Und selbst in der leidigen Stadionfrage war ihm eine gewichtige Annäherung an die Stadt gelungen. Hierbei wäre der KSC das Projekt eines „fördernden Neubaus“ im Wildpark mitgegangen, und das auf der Basis einer Kostensplitterung von 40 Millionen Euro bei der Stadt, 11 Millionen vom Land und 15 Millionen, die der KSC u.a. über Sponsoren sowie mit einer besonderen Vermarktung der Sitzplätze einzuholen gehabt hätte. Und natürlich, auch Metzger hatte in der Traditionslinie aller KSC-Präsidenten – und diese nicht erst mit Roland Schmider beginnend – eine erhebliche Mietminderung auf 150.000 Euro für den Wildpark erreicht. Bei allen Aufgaben war Metzger auch stets bemüht, sich nicht zu sehr auf externe Finanzierungen und gebündelte Abhängigkeiten einlassen zu müssen.

Ist die Versöhnung gelungen?

Eines der Ziele Wellenreuthers war es, die Gräben im Verein zu schließen und die einzelnen Lager zumindest ein wenig miteinander versöhnen. Erschwert haben könnte dies Wellenreuthers wiederholt elegantes Aneignen von Metzgers tatsächlichen oder zumindest angeschobenen Erfolgen, ohne dessen Anteil daran zu würdigen. Anhand der Wortbeiträge und Streitkultur heute in der Schwarzwaldhalle wird man sehen können, in wie fern der Verein seit dem vergangenen Herbst hat zusammenrücken können. Oder ob Misstrauen, Abneigung und Apathie weiterhin zu seinen treuesten Begleitern zu zählen sein müssen.

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Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Eine Antwort zu “Die Performance erinnert an die Vorgänger”
  1. V.V. sagt:

    Leider wird der Kampf ums finanzielle Ueberleben durch den Abstieg in die 3. Liga kaum zu gewinnen sein. Denn wie der mit dieser Mannschaft verhindert werden kann, ist kaum ersichtlich. Verletzungspech hin oder her, wer zu viele Spieler zu falsch einschätzt und sie hernach verpflichtet, muss sich die Kompetenzfrage stellen lassen. Scharinger mehr noch als Kreuzer, denn er war schon vor ihm im Amt und wird sich ja wohl auch im Laufe der letzten Saison mal Gedanken über Neuverpflichtungen gemacht haben. In Interviews kommt mir Scharinger immer vor wie ein Branchenfremder, den irgendjemand auf den Trainerstuhl gesetzt hat, und der das immer noch nicht ganz glauben mag. Sein Gesicht scheint zu fragen: wo bin ich? Zuversicht und Glaube sehe (und höre) ich da nicht. Wenn ich als Spieler meinen Trainer so sehen müsste, würde ich mir sagen: hey, der glaubt ja selbst nicht an uns. Und so beginnen sie denn jedes Spiel mit vollen Hosen und beenden es mit noch volleren. Dadurch verbringen sie zu viel Zeit auf dem Abort und können die einfachsten Standardlaufwege, die schon ein C-Jugendlicher draufhat, nicht mehr einüben. Und dann patzt man dann eben auch, wie es ein überforderter C-Jugendlicher in der 2. Liga machen würde: ständig und zuverlässig. Ein Teufelskreis!

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