Grün Anton Toni Fink, Max Grün Fürth, Christopher Nöthe, Stephan Fürstner, Marco Engelhardt, Andreas Schäfer

Dem KSC gelang es nicht, das optimistische Versprechen der ersten Saisonwochen dauerhaft mit Leben zu füllen, längst zurückgekehrt ist die Ohnmacht der vergangenen drei Jahre. Und nun kommt ausgerechnet die SpVgg. Fürth ins Wildparkstadion.

\ Rainer Scharingers Körpersprache bietet in diesen Tagen jene breite Palette, zu der ein Fußballtrainer unfreiwilligerweise fähig ist. Noch zur Pressekonferenz vor dem jüngsten Heimspiel gegen den FC St. Pauli aus Hamburg war ein Mann zu erleben, welcher der Herausforderung nicht mehr gewachsen schien …

Es war ein später Freitagnachmittag, die Tagesarbeit war getan und das Spiel stand erst am folgenden Montag an. Eine recht stressfreie Situation also, gerade im Kreise der eher umgänglichen Karlsruher Journalisten. Und gewiss kein Grund, fahrig zu sein, Blicken auszuweichen, sich den Schweiß auf die Stirn treiben zu lassen oder ebenso permanent wie krampfhaft die Hände zu kneten. Doch bei Scharinger geschah all dies, der Mann schien sich und der Situation ganz offensichtlich nicht mehr sicher. Und der Beobachter wurde zu dem gespenstischen Schluss gezwungen, dass, wenn der Trainer auch nur einen Bruchteil der eigenen Verunsicherung auf seine Mannschaft übertrüge, das Spiel gegen die favorisierten Hamburger schon Tage zuvor gänzlich verloren war.

Vom Können und Wollen

In der Woche darauf stand ihm dann der Schock ins Gesicht geschrieben, da sich im Training nur wenige Minuten zuvor sein Stürmer Louis Ngwat-Mahop schwer verletzt hatte. Und nun am Donnerstag, vor dem sonntäglichen Spiel gegen die SpVgg. Greuther Fürth, war wieder ein gefasster Trainer zu sehen, der ein wenig an jenen aus dem Frühjahr zu erinnern vermochte. Nur leichter, sogar geradezu in ergebener Distanz zum Kommenden. Der Druck, den Rainer Scharinger nicht nur von Dritten auferlegt bekommt, sondern sich auch selbst macht, ist immens. Er betreibt zwar einen großen Aufwand, doch der sportliche Ertrag blieb und bleibt bis zuletzt unangemessen gering. Das Sichern des Klassenerhaltes war nicht so überzeugend gelungen, als dass er daraus einen hinreichenden Bonus für den anschließenden Neuaufbau hätte gewinnen können. Zudem – Oliver Kreuzer hätte es in den vergangen Wochen ein Leichtes sein müssen, Scharinger medial aus der Diskussion zu halten. Dass ihm dies nicht gelungen ist – oder nicht gelingen wollte? – war interessant zu beobachten.

von 1960 –’71 und ’79 –’99 kein spielvereinigter Fürther Sieg gegen den KSC

# die jüngsten vier Begegnungen:

dez’09 SpVgg Fürth ———— 1:4\(0:2) —————————— KSC
mai’10 KSC —————————— 1:1\(1:1) ———— SpVgg Fürth
aug’10 SpVgg Fürth ———— 4:1\(2:0) —————————— KSC
jan’11 KSC ————————— 1:1\(0:0) ——— >SpVgg Fürth

* 1914 , 1926 , 1929 ‘‘‘ Deutscher Fußballmeister

Einer, der sowohl mit Fürth 1914 als auch ’10 mit dem Karlsruher FV den Meistertitel errang, war …

. . . Julius Hirsch aus Weingarten . . .

Als Ballspieler war er ein ganz Großer zu Beginn des ersten Fußballjahrhunderts; beide Vereine Spitzenclubs. Der Fürther Kapitän Juller Hirsch und der mit ihm gemeinsam beim KFV spielende Karlsruher Gottfried Fuchs sind bis heute die beiden einzigen jüdischen Nationalspieler des DFB. Dabei hält Fuchs einen noch bis mindesten übermorgen gültigen Rekord: zehn Tore beim 14:0 gegen Russland 1912. Beide litten wohl unsäglich unter Ihrer Zeit: Ausbruch des ersten Weltkriegs stoppte ihre Fußballkarriere, anschließend latente Judenfeindlichkeit, Holocaust: Hirsch wurde einundfünfzigjährig im KZ Auschwitz-Birkenau brutal hingerichtet; Fuchs floh ’37 im letzten Moment nach Kanada und lebte dort bis 1972.cP

Ein Event

Die Länderspielpause wird anschließend mit einem Ausflug nach Armenien eingeläutet werden. Günter Pilarsky, Vizepräsident und fleischgewordener Tropf, an dem der KSC seit dem Präsidiumswechsel mit allen Konsequenzen hängt, hatte sich diesen aufgrund seiner Geschäftsbeziehungen so gewünscht. Kreuzer sprach von einem Event für die Truppe – „So ein Date schweißt die Mannschaft zusammen“, der gut tun könne. Scharinger hingegen reagierte in seiner Begeisterung homöopathischer, „das gehöre zum Profisport dazu“. Klar. Der bisweilen mehr verbissen als akribisch Arbeitende wäre bestimmt nicht alternativlos dagestanden, hätte er mit seiner Belegschaft im Schatten des Lauterberges bleiben müssen. Von sich aus verkehrt sein kann es jedenfalls nicht, wenn die Jungs mal etwas anderes sehen. Aber – welche Bedeutung letztlich in den Abstecher hineininterpretiert werden darf, bleibt abzuwarten und wird einzig davon abhängen, wie der KSC bei Union Berlin spielen wird. Fußball ist ja so einfach.

Ein Absturz

Einfacher hatten sich Verantwortliche und Fans auch diese Saison vorgestellt. Zwar ohne ein hau-ruckendes Aufrollen des Feldes, aber zumindest mit dem Gefühl, dass etwas zusammenwachsen wird, das mit der Vergangenheit der jüngsten Spielzeiten nichts mehr zu tun hat. Diese Hoffnung hat sich noch nicht erfüllt. Sicherlich hatten es zu Beginn die Mannschaften aus Duisburg, Aachen und Aue dem KSC ein wenig zu freundlich gestattet, positive Ergebnisse zu erzielen. Aber der folgende Absturz war doch zu nachdrücklich, als dass er einfach nur unter schlichten Stichworten wie „sich finden müssen“, „Einbau neuer Spieler“ u.ä. zu pauschalisieren wäre. Besonders enttäuschend ist, dass es ausgerechnet jene Stützen der sportlichen Gesellschaft wie Staffeldt, Iashvili, Milchraum, Lechner oder Aquaro sind, von denen mehr erwartet werden durfte als bislang gesehen. Am Sonntag hat der KSC mehr zu verlieren, als es die Verantwortlichen glauben machen möchten. Favorit und Angriffsmaschine hin oder her – dem KSC sollte noch vor der Länderspielpause ein glaubhaftes Zeichen glücken. Vielleicht hat Scharingers Körper hierzu ja schon wegweisend gesprochen und seine Männer erzwingen weniger das Glück, als dass sie es im Vertrauen auf ihr Können einfach so erspielen.mD

Eine Antwort zu “Nicht nur verbissen und akribisch — mehr Lockerheit für den KSC”
  1. schaefer67 sagt:

    Stimme dem letzen Absatz im Großen und Ganzen zu, bin selbst seit Jahren ein “Bruddlhaffe”, trotzdem ist die Verletztenmisere was die Offensivabteilung angeht doch (aus welchen Gründen auch immer) ein Novum, das bei den Floskeln nicht ausser Acht gelassen werden sollte!

  2.