Godfried Aduobe, Accra, Ghana

Kurz bevor er vor wenigen Tagen nach Accra in Ghana zurückkehrte, trafen wir uns auf der Terrasse seines alten Freundes Conny Kluge in Wörth noch einmal mit Godfried Aduobe.

\ Abseits des Fußballbetriebes wurde es ein munteres Gespräch, aus dem wir nur in Auszügen zitieren. Aduobe fand die Karlsruher Presse übrigens stets „okay“, wofür das afrikanische Cleverle allerdings auch etwas getan hat – „Ich habe einfach nie sehr viel erzählt“. …

Diese Taktik behält er – zumindest in Bezug auf seine Karlsruher Zeit – letztlich auch an diesem lauen Sommerabend jenseits des Rheins bei. Und wenn die Sprache auf die seine Karriere beim KSC begleitenden Personen kommt, bleibt Aduobe der bekannt hartnäckige Defensivspezialist und divergiert er allenfalls zwischen den Extremen „Freund“ und „guter Freund“. Wie auf dem Platz möchte er niemandem weh tun und werden besondere Beziehungen nur in Nuancen erkennbar. So bei Hubert H. Raase („Mein Präsident“) und Rolf Dohmen („Guter Mann”), aber auch bei seinen ehemaligen Trainern Edmund Becker („Mein Trainer“) und Armin Veh („Ziehvater“). Auch bei den Stichworten „KSC“ („überragend“) und „Fans“ („Meine Leute“) wird er sichtlich emotionaler. Negative Erinnerungen spitzelt er elegant beiseite und bleiben manchmal nur Vermutungen zurück (Uwe Rapolder – „Er ist anders“).

Zur Karriere genötigt

Godfried Aduobe

Dabei hat er viel zu erzählen. Fünfeinhalb Jahre flog er über die Grasnarbe des Wildparkstadions, schon mit 18 Jahren hatte er seine ghanaische Heimat verlassen und war zum AC Turin gewechselt –„Ich bin nicht alt, aber ich habe viel erlebt“. Er lacht. Noch ein Jahr vor seinem Wechsel nach Italien hatte er seine Fußballkarriere eigentlich schon beendet gehabt, „nur um auf die Schule gehen zu können. Ich wollte studieren und Bankkaufmann werden“. Doch ein Vereinsfunktionär sah den damaligen Stürmer („Ich habe viele Tore geschossen!“) bei einem Privatspiel und setzte alles in Bewegung, um ihn zu reaktivieren. Dies ging sogar soweit, dass Aduobe seinen Namen nur ein paar Tage später in der Zeitung fand – mitten im Aufgebot für das kommende Spiel der U-17 Ghanas.

Kampf

Godfried Aduobe, Selim Teber, Chinedu Obasi

Der Fußball hat ihn dann weit geführt. Diesen Sport hatte er einst barfuss auf der Straße gelernt. Und in Accra bedeutete selbst das Spiel über sich selbst hinaus eine wegweisende Lebensschule: „Ich habe die Straße überlebt – sie ist Kampf!“ Hier heraus konnte Aduobe Spiel und Arbeitsauffassung wohl nie anders interpretieren, wie er es schließlich bis zum Ende tat. Nie aufgeben, sich nicht schonen und nicht aufhören, das Beste herausholen zu wollen. Und das mit Anstand, nie unfair und mehr für sich selbst und seine Familie, als einem für ihn letztlich doch abstrakten Vereinspathos verpflichtet. Noch dazu in einem Land, das nie seine Heimat werden konnte.

Voodoo

In seiner Jugend tat er einst sogar noch viel mehr, um auf dem Fußballplatz den Erfolg zu erzwingen – Voodoo. „Vor Spielen gab es viel Voodoo“, lacht er. Und erzählt Geschichten aus einer fremden Welt. Vor einem die Meisterschaft entscheidenden Spiel spürte er auf seinem Zimmer in der Nacht zuvor einen Stich. Die Hand schwoll trotz Gegenmaßnahmen sofort an. Tags darauf wurde eine ihm fremde togolesische Frau hinzugezogen, die ihn ein bitter schmeckendes Holz kauen ließ. Aduobe konnte zwar spielen und schoss nach drei Minuten das entscheidende 1:0, doch nur wenige Minuten später musste er wegen Magenkrämpfen vom Feld. Später fand ein Arzt in der Wunde eine abgebrochene Nadel. Offenbar war es keine Mücke gewesen, die ihn gebissen hatte, sondern sollte er gezielt vergiftet werden. Es erzählt weitere Geschichten, hier es geht sogar um Tod. Aduobe zuckt mit den Schultern, sie einzuordnen, muss ihm noch immer schwer fallen. Selbst nach Europa nahm er eine dunkle Voodoo-Creme mit, die ihn schützen sollte. Dann fand er seinen Weg zu Gott und machte sich frei – „Voodoo hat keine Kraft, nur Gott hat Kraft“.

Er ist vorbereitet

Godfried Aduobe, Joshua Kennedy, Aleksander Iashvili

Aduobe ist nicht naiv und weiß genau, dass er sich in Ghana wieder auf einen anderen Lebensrhythmus einstellen muss und Politik wie Gesellschaft anders funktionieren. Doch er ist vorbereitet und gibt entschlossen zu verstehen, dass er sich zu wehren weiß. Und wenn nötig wieder mit jenen Erfahrungen, die er einst auf der Straße gelernt hat.

Herzlichen Dank und viel Glück, Godfried, es war uns ein Fest!

» lesen Sie auch das große Interview mit der ewigen Nummer 4 des Karlsruher SC – Godfried „Goddie“ Aduobe – in der Printausgabe von «Auf, Ihr HELDEN! N°12» : \ Dann wäre ich hier fehl am Platz \

Eine Antwort zu “Godfried Aduobe \ «Ich habe die Straße überlebt»”
  1. Mein Gott, was fehlt uns in diesen Tagen unser Godfried. Sportlich und auch menschlich!
    Das können wahrlich nicht sehr viele von sich behaupten.

  2.