Ehe wir uns in den nächsten Tagen der allgemeinen Situation des „neuen KSC“ widmen und den Stand zu überblicken versuchen werden, zunächst noch ein Nachschlag zum vergangenen Samstag.

\ Eine vorherige Kontaktaufnahme zu Hans-Jürgen Boysen um mit ihm über das anstehende Spiel beim KSC zu sprechen, war zuvor leider gescheitert. Denn offenbar ist es der FSV Frankfurt gewohnt, dass Journalisten ihre Fragen einreichen, diese vom Verein gesammelt und anschließend in einem Rutsch von Pressesprecher und Trainer abgehandelt werden …

Der jeweilige Journalist bekommt dann am Ende die druckfertigen Antworten zugeschickt. Diese Handhabung ist ungewöhnlich, da sie zwar vielleicht den bequemen Schreiberling, aber weder den Klub noch die Leser zufrieden stellen kann. Denn wenn der FSV selbst der Presse derart gleichgültig ist, dass sich Journalisten die direkte Beschäftigung mit dessen Protagonisten ersparen, dann dürfte diese Belanglosigkeit gerade vom lesenden Fußballinteressierten genau so verstanden werden. Heraus kommt eine Situation, die einem kleinen und um Profil und Akzeptanz kämpfenden Verein wie dem FSV eigentlich nicht gerecht werden kann.

Wir hatten erst recht spät angefragt, und wäre über den Mailverkehr nun die Zeit nicht schon recht knapp geworden, so hätten wir das persönliche Gespräch mit Boysen natürlich dennoch führen können, wie uns Pressesprecher Matthias Gast bestätigte. Nun denn, also schnappten wir uns Boysen und seinen Co-Trainer Gerd Kleppinger eben nach dem Spiel beim KSC. Ihre Stimmung war erwartungsgemäß blendend, wie auch Boysens letzte Worten am Ende seines Statements auf der Pressekonferenz zu entnehmen war: „Ich habe mich im Wildpark einmal mehr sehr wohlgefühlt!“

Herr Boysen, nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Sieg und zur Verpflichtung von Macauley Chrisantus! Welche seiner Fähigkeiten haben Sie derart überzeugt, dass Sie hn zum FSV holten?

Hans-Jürgen Boysen: Ich habe in der vergangenen Saison sehr viele Spiele des KSC gesehen und Chrisantus daher auch sehr gut gekannt. Mir gefallen seine Geschwindigkeit und die für sein junges Alter ausgeprägte Fähigkeit, den Ball sichern zu können. Hinzu kam aber natürlich auch seine gute Trefferquote in Bezug auf seine Einsatzzeiten sowie die Tatsache, dass er deutsch spricht. Für uns war entscheidend, dass er auf den Markt kam. Es war zwar bedauerlich, dass er aufgrund seiner Malaria-Erkrankung zunächst ausfiel, aber nach und nach werden wir sicherlich viel Freude an ihm haben.

Sie haben gesagt, dass sie viele KSC-Spiele gesehen haben. Ihnen wird nicht entgangen sein, dass er beim KSC-Publikum einen schweren Stand hatte.

Boysen: Für einen jungen Spieler ist es schwierig, mit solch einer Situation umzugehen. Und bei uns hat er den Vorteil, dass nicht so viele Zuschauer kommen (lacht). Aber man muss ganz klar feststellen, dass unsere Fans sehr geduldig sind und hinter der Mannschaft stehen. So etwas hilft jungen Spielern. Diese brauchen Geduld und Zeit, die wir ihnen auch gerne einräumen.

Der FSV wird aus der Distanz kaum wahrgenommen. Erklären Sie uns doch bitte kurz „Ihren“ FSV, für was steht der Verein?

Boysen: Bis vor kurzem für Ruhe und Geduld. Es ist ein familiärer Klub, der durch die rund dreißig Jahre in der Unterklassigkeit leider etwas Fan-Kultur verloren hat. Das möchten wir Stück für Stück wieder aufbauen. Mit unserem „großen Bruder“ können wir zwar nicht konkurrieren, aber mit Fleiß und Akribie versuchen, uns zu behaupten und zu entwickeln.

Wissen Sie eigentlich, wie viele Spieler Sie beim FSV Frankfurt schon auf dem Trainingsplatz hatten?

Boysen: (Lacht) Es sollen um die siebzig sein, aber ich weiß es nicht genau. Die große Zahl hängt damit zusammen, dass wir nur ein bescheidenes Budget haben. Darüber beklagen wir uns nicht, aber man muss es feststellen. Und wenn für Spieler wirtschaftlich bessere Angebote oder Chancen, ein Klasse höher zu spielen, kommen, dann müssen wir sie eben ziehen lassen. Diese Fluktuation ist keine grundsätzliche Philosophie, sondern eher der Not geschuldet, dass wir jedes Jahr statt vier bis sechs immer 14 oder 16 Veränderungen im Kader haben. In so fern trifft mein Job des Fußballlehrers den Nagel auf den Kopf – ich betreue jedes Jahr eine neue Klasse!

Noch eine Frage – auch der KSC hat einen großen Umbruch hinter sich. Was trauen Sie der Mannschaft in dieser Saison zu?

Boysen: Es wird nicht für ganz vorne reichen. Zumal Vereine mit mehr Budget und Qualität wie der MSV Duisburg noch oben reinstoßen werden. Aber einen einstelligen Tabellenplatz kann ich mir sehr gut vorstellen, hierfür drücke ich ihm auch die Daumen.

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