Lena Terntl, KSC-Frauenfussball

Am vorvergangenen Wochenende feierte die Frauenabteilung des KSC ihr erstes zweistelliges Jubiläum. Hierzu eine Gastkolumne des freien Journalisten Hannes Blank (u.a. für die RHEINPFALZ und Boulevard Baden)

\ Historiker zählen erst dann etwas zur Geschichte, wenn etwas 70 Jahre her ist – die so genannte Zeitgeschichte ist da etwas kulanter. Trotzdem sind 10 Jahre recht wenig, um in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen. Die Frauen-Fußballabteilung des Karlsruher Sport-Club hatte deshalb ihre Geburtstagsfeier mehr dem Nachwuchs gewidmet: …

Es wurden keine Stellwände mit körnigen Schwarz-Weiss-Fotografien aufgestellt, auf denen Fußballerinnen mit ehemals modischen und heute unmöglichen Frisuren zu sehen sind. Oder gewandet in Leibchen, welche die Namen inzwischen nicht mehr existierender Sponsoren zieren. Solche Fotos gibt es nämlich nicht. Die Abteilungsleitung hat auf ihrer Jubiläumsfeier vielmehr diejenigen in den Mittelpunkt gestellt, die kaum älter als die Abteilung selbst sind, die Juniorinnen. Die Mannschaften der Jüngsten wurden aufsteigend vorgestellt; die Frauen, die in der Oberliga Baden-Württemberg spielen, kamen erst zum Schluss dran. Bis dahin waren sie aber nicht in irgendwelche Stadion-Katakomben versteckt, sondern im Verkauf am Getränke-, Bratwurst- oder Kuchenstand. Der Rahmen für die Veranstaltung war das Vereinsgelände der Sportvereinigung Germania, das hinter dem Wildparkstadion liegt und seit einigen Jahren den Frauenfußballerinnen des KSC zur Heimat geworden ist. Die Abteilung hat dort inzwischen auch eine Art Hütte, die Büro und Lager zugleich ist.

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Stephanie Krauth, ksc-frauenfussball
Yvonne Schlinger, Maike Graf, Melissa Zweigner, Jennifer Hedtke, Carolin Braun, Sandra Ernst, Dorina Baumgärtner, Franziska Spaderna, Elisabeth Cramer, Stephanie Krauth, Melia Smith, Linda Baldauf, Lena Trentl, ksc-frauenfussball
Lale Sert, Melissa Zweigner, ksc-frauenfussball

Deutlichstes Indiz dafür, dass die Geburtstagsfeier dem Nachwuchs galt, war der Stand einer schwäbischen Spieleschmiede, die dazu einlud, ihre neuesten Produkte auszuprobieren. Ein DJ von Radio Ettlingen „legte auf“, wie man heutzutage sagt, und stellte die Mannschaften vor. Er musste sich redlich mühen, denn was das Publikum zu sehen bekam, war eine Parade von juvenilen Herumgedruckses und adoleszenter Schüchternheit: Soviel Aufmerksamkeit waren die Juniorinnen des KSC ganz offensichtlich nicht gewöhnt. Selbst zu den KSC-Frauen, die gegen Sindelfingen, Hoffenheim II und Co. spielen, kommen maximal 150 Zuschauer. Die Fußball-WM der Frauen hat ja angeblich einen „Boom“ ausgelöst. Tatsächlich kicken heute so viele Mädchen gegen den Ball wie nie zuvor, auch beim KSC stieg die Anzahl der weiblichen Mannschaften stark an. Aber ist der Frauenfußball in den (Karlsruher) Köpfen angekommen? Die Erkenntnis, dass Frauenfußball auch auf dem Fußballplatz um die Ecke (der KSC ist bei weitem nicht der einzige Karlsruher Verein mit einer Frauenabteilung) stattfindet? Helmut Behr, selbst einmal KSC-Spieler und jetzt Leiter der Frauenfußballabteilung, forderte auf einer kleinen Fußball-Talkrunde während der WM Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit, dass bei den Vereinsfunktionären wenigstens das Wissen um die Liga verankert ist, in der die KSC-Frauen derzeit spielen. Nachhaltigkeit, dass danach nicht zur alten Tagesordnung übergegangen wird, in der es schick war, Ignoranz gegenüber so ziemlich allen anderen Mannschaften des Karlsruher SC zu zeigen, die nicht in der ersten (früher) oder zweiten (jetzt) Liga spielten. Es geht gar nicht so sehr um das Geld, wie man häufig meinen möchte; das Wissen, dass der KSC seit zehn Jahren eine Frauenfußballabteilung hat, diese auf dem Platz der Germania trainieren und spielen, dieses Wissen wäre schon ein kleine, angemessene Würdigung. Die deutsche Nationalmannschaft ist eine der besten der Welt und zurecht bekannt und beliebt, aber sie repräsentiert weder den gesamten deutschen Frauenfußball, schon gar nicht ist sie die einzige Mannschaft des Landes. Wo haben diese Frauen, die nun „den deutschen Adler auf der Brust“ tragen – wie es im Reporterdeutsch oft leicht dämlich heißt – denn ihr Handwerkszeug gelernt? In den Vereinen!

Zuletzt sind auch die Journalisten aufgefordert, sich nicht von Stammtischparolen und bestehenden Vorurteilen einwickeln zu lassen und ein entsprechendes Angebot an die Leser, Zuschauer und Zuhörer zu machen, indem sie regelmäßig, sachlich und kritisch über die Entwicklungen im Frauenfußball berichten. Vielleicht ist dann mal ein Spielbericht vom Spitzenspiel der KSC-Fußballerinnen mehr wert und wird besser platziert als die Nachricht, dass die Videowand des Stadions defekt ist.

Die Gegenwart von heute ist die Geschichte von morgen. Wer weiß, ob wir nicht in 30, 40 oder 50 Jahren mit renovierter Hüfte, dritten Zähnen und Rollator an der Seitenlinie stehen und uns alte Geschichten erzählen wie „Ich habe Stephanie Krauth noch spielen sehen“ oder „Das entscheidende Tor am 18. September 2011 gegen Hoffenheim schoss Vanessa Giangrasso, nicht Lena Trentl!“.

———————————» Lesen Sie hierzu auch:

\ KSC-Frauen fahren klaren Heimsieg ein
\ KSC-Frauen verlieren gegen Hoffenheim

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