Der nachfolgende Text von Dr. Felix Mescoli wurde am 10.August in der Braunschweiger Zeitung veröffentlicht. Der Autor lernte sein Handwerk hier in der Region, u.a. bei der Rheinpfalz und den Badischen Neuesten Nachrichten. Auch im Heldenmagazin hat er bereits veröffentlicht – und zwar in der Ausgabe N°16 zu Sabine Wittwer.

\ Wenn am Freitag, 18 Uhr, mit Eintracht Braunschweig und dem Karlsruher Sport Club zwei Traditionsvereine und Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga erstmals seit 2007 wieder aufeinandertreffen, spricht wenig dafür, dass dies eine besonders brisante Partie wird. Das war früher einmal anders. Es gilt bis heute als eines der brutalsten Fouls der Bundesliga-Geschichte: …

In der 35 Spielminute, der Begegnung beider Mannschaften am 23. Oktober 1981 – also fast genau vor 30 Jahren – im Wildparkstadion, will der in Braunschweig sehr beliebte schwedische Abwehrspieler Hans „Hasse“ Borg, einer der sichersten Abräumer der Liga, nahe dem eigenen Strafraum einen langen Paß spielen. KSC-Stürmer Emanuel Günther kommt mit gestrecktem Bein mit solcher Wucht angeflogen, dass Borgs Schienbein bricht. Der Schlag ist im Stadion bis auf die Ränge und auch im Fernsehen zu hören. Borg wird auf der Bahre vom Platz getragen und muss ein halbes Jahr pausieren. Ein Aufschrei der Empörung geht durch die Liga und Fußball-Deutschland (Günthers Familie wird sogar bedroht).

Inzwischen ist er verhallt, aber kommt in Fußballkneipen oder Presserunden beider Städte die Sprache auf dieses Spiel, prallen noch heute zwei Sichtweisen aufeinander: Manch ein Anhänger von Blau Gelb hört das Knacken der Knochen immer noch. In Baden sagen sie, es sei – von den Folgen abgesehen – ein gewöhnliches Foulspiel gewesen. Fest steht nur, dass das Paar Günther/Borg an diesem Tag traurige Berühmtheit erlangte und wohl, solange Bälle durch Stadien rollen, unvergessen bleiben wird.

Wohl auch, weil das schwere Foul von „Schlitzer“ Norbert Siegmann an Ewald Lienenim Spiel seines Klubs Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld erst wenige Wochen zurücklag, sei die öffentliche Empörung besonders groß gewesen, vermutet der Karlsruher Sportjournalist und Herausgeber des Magazins für Fußball-Zeitgeschichte „Auf, ihr Helden“ Matthias Dreisigacker. Er hat das Spiel damals im Stadion verfolgt: „Es war tatsächlich ein Unfall, der im Kampf um den Ball geschah. Auch der sehr erfahrene Schiedsrichter Georges Sandoz, der nur wenige Meter entfernt stand, wertete das Foul als unabsichtlich und zeigte keine Karte.“ Auch im folgenden Zivilprozess, den der DFB gestattet, weil er Sandoz´ Urteil als Tatsachenentscheidung bewerten muss, wird entschieden, dass kein Vorsatz vorlag.

Über den Tiefpunkt seiner Karriere will der inzwischen 56-Jährige Emanuel Günther selbst nicht mehr sprechen: „Ich glaube kein Schwerverbrecher wird so oft auf seine Taten angesprochen, wie ich auf die Sache mit Borg“, sagte er dem „Helden-Magazin“. „Als ob ich in meiner Karriere nur das eine Erfolgserlebnis gehabt haben soll, ihn verletzt zu haben. Des ist net normal“, fügt der gebürtige Rheinhesse, der im badischen Pforzheim lebt, hinzu.

Einige Einblicke in sein Seelenleben gibt Günther dann doch. Es schmerzt ihn, dass ein Sekundenbruchteil, den er zu spät kam, seine ganze Karriere überschattet. Der Stürmer, der in 340 Pflichtspielen für den KSC 142 Tore schoss, fünf Jahre Kapitän war und den Verein dreimal in die 1. Liga führte war und ist für viele Karlsruher das Fußball-Idol der 70er und 80er Jahre. Günthers Pech war vielleicht, dass ihn sein damaliger Trainer Manfred Krafft mit Defensivaufgaben betraute. Er habe einen Diagonalball in die eigene Hälfte verhindern wollen. „Es war unglücklich. Pech.“ Ein tragischer Fall! Ja, Günther schonte weder sich noch seine Mitspieler. Er konnte sehr unbeherrscht sein, ein „Treter“ war er nicht. Während seiner Profikarriere erhielt er zwischen 1977 und 1987 zwar 23 gelbe – etliche wegen Meckerns oder Ballwegschlagens –, aber nie eine rote Karte. „Glaubt niemand, aber es stimmt.“

Manche behaupten, Hasse Borg sei nach dem Foul irgendwie nicht mehr derselbe gewesen. 1983 ging er zurück nach Schweden, wo er mit dem Malmö FF zweimal Meister wurde. Beim Verein war er auch lange als Sportdirektor erfolgreich. Auch wenn sein Engagement dort 2008 vorzeitig endete. Am vergangenen Donnerstag wurde er 58 Jahre alt.

——————————» mehr über Emanuel Günther können Sie in folgenden Ausgaben von AUF, IHR HELDEN! nachlesen:

N°1 \ die Aufstiegsspiele gegen Rot-Weiss Essen

N°2 \ die Aufstiegssaison 1986/87

N°9 \ die Auftaktspiele in die Fußballbundesliga 63\75\80\84\87

——————————» mehr über Sabine Wittwer können Sie in der dieser Ausgabe von AUF, IHR HELDEN! nachlesen:

N°16 \ Stephan Groß

——————————» mehr über die Begegnung KSC — BTSV finden Sie hier:

\ statistisch gesehen ° was sich bislang so ereignet hat . . .

Eine Antwort zu “Trotz traurigen Jubiläums: KSC-Idol Emanuel Günther”
  1. Daniela Nicole Weber sagt:

    Schönen guten Tag, habe eine bitte…mein Freund, ist der Sohn, , von Friedhelm Strzelczyk und hat im nächsten Monat Geburtstag, da Sie in Ihrem Buch Bilder haben, möchte ich Sie darum Bitten, mir das Buch zu zusenden. Werde dieses auch bezahlen, möchte aber kein Abo. Ich bedanke mich im voraus, für ihre Hilfe…

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