Erweiterte Version eines Artikels in der RHEINPFALZ vom 7. Juli 2011

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neuer Wellblechpalast für die Kahns und Scholls von morgen

\ Für den KSC hat die eigentliche Zukunft bereits rund zwei Wochen vor dem ersten Heimspiel der neuen Saison begonnen. —————————————— Denn am vergangenen Freitag wurde das neue Nachwuchsleistungszentrum eröffnet, mit dem Präsident Ingo Wellenreuther gewährleistet sieht, dass der Verein gegenüber den anderen Vereinen in der Region „konkurrenzfähig bleibt“. …

Wobei das Zugeständnis, dass der KSC in den vergangenen Jahren den Anschluss mittelfristig bereits verpasst hat, realistischer gewesen wäre. Denn selbst mit dem neuen Zentrum sind Standorte wie Stuttgart, Hoffenheim oder Kaiserslautern durch ihre großzügigen und modernen Anlagen den Badenern noch voraus. Aber – und das ist angesichts der Ausgangslage wichtig – ein notwendiger Anfang wurde professionell gemacht.

Der Wellblechpalast

Die Fakten zum neuen Wellblechpalast sind jedenfalls eindrucksvoll. Rund eine Million Euro hat er gekostet, wovon ein Drittel über Fördermittel des Badischen Sportsbundes, Stadt und Land kamen. Den Rest stemmte der Verein vor allem mit Hilfe von Sponsoren. Hierfür ist nun aber wirklich alles drin und dran, was ein ambitionierter Nachwuchskicker heute so braucht – großzügige Umkleidekabinen und Sanitäranlagen, ein Physio- und Aufenthaltsraum, Besprechungs- und Lernzimmer aber auch eine Küche. Selbst die Trainer sind hier untergebracht und somit die Wege künftig noch kürzer.

Vom Vereins-Casino zum Nachwuchsleistungszentrum

rudi fischer Karlsruher sc KSC süddeutscher meister dfb-pokalsieger torwart torhüter

Zuvor hatte es viel zu lange nur den Rundbau gegeben, dessen „räumliche und hygienische Situation“ laut Wellenreuther längst „nicht mehr akzeptabel gewesen“ sei. Mit dem einstigen Torwart-Idol Rudi Fischer, der bei den KSC-Pokalsiegen 1955 und ’56 im Tor stand, war am Freitag auch jemand dabei, der nach seiner Karriere als langjähriger Jugendtrainer und -abteilungsleiter die Entwicklung der Nachwuchsarbeit aktiv geprägt und beobachtet hat. Den Umbau des für das neue Gebäude abgerissenen Jugendheims – einer zuvor als Vereins-Casino dienende Holzbaracke – hatte Rudi Fischer einst gestaltet. Die Freude über das neue Heim für die Jugend war damals so groß wie heute anlässlich des schimmernden Nachfolgers. Dass „sein“ Haus später fahrlässig dem Verfall preisgegeben wurde, hatte Rudi Fischer immer geschmerzt. Am Freitag standen nun andere im Vordergrund, sodass seine Anwesenheit nahezu unterging. Warme Begrüßungen gab es nur am Rande, so von Edmund Becker und Burkhard Reich („Servus Rudi, wie geht’s!“), doch offiziell begrüßt wurde Rudi Fischer nicht. Mag sein, dass Fischers früheres Engagement für den Verein bares Geld wert war. Doch das Hier und Heute finanzieren andere.

Ein stiller Pokalsieger

rudi fischer Karlsruher sc KSC süddeutscher meister dfb-pokalsieger torwart torhüter

Der Verfasser schnappt sich schließlich einige U15- und U14-Spieler und stellt ihnen den würdigen Greis vor. Natürlich kennen sie ihn nicht, doch werden mit einem Schlag die Augen größer und die Haltung gerader, als das Stichwort „DFB-Pokalsiegertorwart“ fällt. Es braucht wenig, um den einen glücklich und die anderen neugierig zu machen. Im ganzen Haus hängen die Bilder ehemaliger Nachwuchskicker, die es später zu Bundesligaehren brachten. Die Kahns, Scholls oder Eichners. Auch sie werden eines Tages trotz aller Erfolge neuen Helden Platz machen und sich an Festtagen des Vereins mit Nebenrollen begnügen müssen. Das Gedächtnis von Fußballfans und Vereinsfunktionären ist unerbittlich.

„Wieso?“

Nach jahrzehntelanger Stagnation war es übrigens Wellenreuthers Vorgänger Paul Metzger gewesen, der die Problemlösung um die Jugendbauten endlich angegangen war und das nun beendete Projekt tatkräftig angeschoben hatte. Trotz allen Übereifers hatte er die vollständige Baugenehmigung und Finanzierung noch nicht erreicht, als er im vergangenen Herbst abgewählt* wurde. (*Anmerkung: Hier irrt der Autor. Tatsächlich war Paul Metzger auf der Mitgliederversammlung vom 20. Septmember 2010 zurückgetreten) Es wird Metzger noch heute beschäftigen, dass er seine Herzensangelegenheit nicht zu Ende bringen konnte. Auf die Frage, ob denn der Brettener zur Einweihung eingeladen worden sei, entgegnete Wellenreuther nur ein sehr knappes „wieso?“. Nach dem gelungenen Klassenerhalt sowie der Lizenzerteilung für eine weitere Saison in der 2.Liga legt das Präsidium auch beim dritten großen Erfolgserlebnis Wert darauf, seine Leistungen zu betonen. Sinnstiftend hatte es sich von Anfang an über die scharfe Abgrenzung zu den Vorgängern interpretiert und sieht es bis heute keine Notwendigkeit, diesen Weg auch nur für die kleinste Geste zu verlassen. Es würde dessen Erfolge nicht mindern, den zeitlichen Abstand zu nutzen und etwas Milde einkehren zu lassen.

Der Verein bleibt sich treu

Das einzige Band zum alten KSC-Charme des Unperfekten bildete letztlich anderes. Denn obwohl seit Tagen wechselhaftes Wetter angesagt war, hatte man hierzu keine Vorkehrungen zum Schutz der Festgesellschaft getroffen und so harrte diese aufgereiht wie die Wellensittiche fast 45 Minuten unter dem schmalen Vordach des neuen Baus aus, ehe der hochoffizielle Teil mitsamt Reden und Schlüsselübergabe beginnen konnte. Es gibt eben Dinge, die dem KSC in der Zukunft selbst von seinen großzügigsten Sponsoren nicht zu finanzieren sind. Aber andererseits, warum auch? Selbst zu denken kostet nichts und ist somit seit jeher die preiswerteste Lösung. Man muss nur darauf kommen.

\ Ein ausführliches Interview mit Rudi Fischer sowie einen Rückblick auf seine Karriere beim VfB Mühlburg und beim Karlsruher SC finden Sie in Auf, Ihr Helden N°10

Text: M.Dreisigacker \ © Fotos: C.Pfefferle | Privat-Archiv Rudi Fischer


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


6 Antworten zu “Konkurrenzfähigkeit in bester KSC-Tradition”
  1. Moloch sagt:

    Zurückgetreten, nicht abgewählt.

  2. Nico sagt:

    Danke für den kurzweiligen Artikel. Interessant zu erfahren, wie sich führende Repräsentanten des KSC verhalten. Ob Ex-Präsidenten nun eingeladen werden müssen, oder nicht, ist für mich zweitrangig. Wichtig ist für mich in erster Linie das Mitdenken. Und dazu gehört unbedingt, anwesende Ehrengäste auch so zu behandeln. So ein Verhalten wäre professionell und würde positiv zur Marke KSC beitragen. Der KSC sollte sich seiner Spielerlegenden bewusst werden und ihnen Respekt entgegenbringen. Fußball lebt von Emotionen, da ist es Kontraproduktiv, wenn man seine ehemaligen Angestellten behandelt wie der Discounter von nebenan…

  3. david sagt:

    daumen hoch schattenwelliges präsidium! lorbeeren einheimsen von anderen, darin seid ihr die besten. intrigen gehören bekanntlich auch zu euren stärken. dass ein herr linder angeblich im vip bereich ein- und ausgehen darf, wie er lustig ist- trotz seiner regelmäßigen imageschädigenden propagandapresse- ist sowieso der abschuss von allem. mister welli, ich kann mich nciht genau entscheiden, was ich mir lieber wünschen sollte: dass sie bei der nächsten OB-wahl gewinnen um den ksc vor weiterem imageschaden zu verschonen, oder ob sie die wahl nciht gewinnen sollten um die stadt karlsruhe von der nordtangente zu verschonen :-)
    einfach nur daumen hoch!

  4. Moloch sagt:

    Aber es ist doch jetzt alles gut, und wir sollten dankbar sein, jemanden wie Wellenreuther zu haben, oder?

    Jedenfalls sagen mir das die Leute im ka-news-Forum (und auch sonstwo) …

  5. Sgt Slaughter sagt:

    Wieder mal ein toller Bericht vom Dreissig. Rudi Fischer den kleinen Kröpfern
    vorzustellen war eine schöne Geste.
    Metzgerei Paul hätte ich auch nicht eingeladen. Es ist gut, daß die Zeit vorbei ist.

  6. Osterlausi sagt:

    ha ha ha!

    “sagen mir das die Leute im ka-news-Forum” …

    wenn das neuerdings die meinungsreferenz ist, dann gute nacht!

    schöner artikel, der wieder mal deutlich macht, dass man beim ksc im großen und ganzen auf die verdienste der vergangenheit einen großen haufen gemacht wird. dass ein fischer sich das noch antut, spricht bände.

  7.