Die Rheinpfalz-Kolumne « An der Seitenlinie » 26.4.2011

\ Schon den ganzen Nachmittag hatte die Truppe Karlsruher Hooligans in Oberhausen nach Ärger gesucht, um ihn an dessen Ende schließlich doch noch zu finden. Und so belustigt wie nach der enttäuschenden 1:2-Niederlage im „Abstiegsendspiel“ bei RWO nur möglich, hatte die übrige Masse KSC-Fans deren hilflosen Versuche zuvor noch beobachtet und kommentiert, ehe durch das späte Gelingen auch noch die rasche Abfahrt vom Ort der Enttäuschung verhindert wurde. …

Das fanden alle dann weniger lustig – welche Befriedigung es offensichtlich bedeuten kann, in direkten Kontakt mit Schlagstöcken und Pfefferspray zu kommen, erschließt sich dem normalen Menschen nun einmal nicht. Und setzte dem misslungenen Ausflug an die Landwehr noch die Krone auf. Wenn man denn nur sicher wüsste, dass nach dem 34. Spieltag der Klassenerhalt stünde, dann sehnte man sich so schnell wie möglich das Ende einer Saison herbei, in der beim KSC auf nahezu allen Ebenen nichts zusammenpasste. Vor dem Spiel galt das Restprogramm zwar noch als absolut machbar. Doch unter Berücksichtigung der eigentlichen Unmöglichkeit, dass ein nahezu nichts wollendes und zustande bringendes Oberhausen am Samstag als Sieger vom Platz ging, relativiert sich der Optimismus rasch. Die Buben in den KSC-Trikots wollen zwar, können aber nicht. Es bleibt also dramatisch und schaut der KSCler schon einmal genauer hin, wer denn in der Dritten Liga als Relegationsgegner in Frage kommen könnte.

Gegenwärtige Drucksituationen

Doch auch der samstägliche Blick in den Sportteil der BNN fiel konzentrierter aus als üblich. Denn dort stand zu lesen, dass der junge Thorben Stadler seinem Trainer signalisiert habe, „sich durch die gegenwärtige Drucksituation leistungsmäßig beeinträchtigt zu fühlen“. Auch wenn dies der Wahrheit entspräche, ist es seitens des Vereins doch sehr ungeschickt, so etwas ungefiltert zu kommunizieren. Und ebenfalls sollte ein Journalist darüber nachdenken, ob wirklich jeder „Scoop“ veröffentlicht werden muss.
Aber es scheint heute weitaus selbstverständlicher zum guten Umgangston zu gehören, Presse und Öffentlichkeit hinsichtlich von Transferaktivitäten die Wahrheit vorzuenthalten, als einen Spieler in seinem persönlichen Befinden zu schützen. Was geht in dem jungen Mann jetzt vor, nachdem er öffentlich als „Weichei“ vorgeführt worden ist? Schon ist zu hören, dass er als Profi ja immerhin in der Lage sein, monatlich seinen Gehaltsscheck abholen zu können. Der Betrachter ist jedenfalls fassungslos und vermutet, dass eher andere als der Spieler Stadler den gegenwärtigen Drucksituationen nicht gewachsen sein könnten.

Spare in der Zeit …

Beim KSC ist momentan aber auch verflixt viel los. Denn wirtschaftlich glaubte man im Spätherbst, dass sich durch den Präsidiumswechsel vieles zum Besseren wenden würde. Und so beunruhigen nun die zarten Andeutungen aus der Geschäftsstelle umso mehr, dass die Lizenzerteilung möglicherweise doch nicht so einfach werden könnte. Wie schon das Präsidium um Paul Metzger schiebt auch die Mannschaft um Ingo Wellenreuther die Gründe für das schwierige Arbeiten auf die jeweiligen Vorgänger und hängt der Verein offensichtlich am Tropf eines einzigen Geldgebers, der in der größten Not wieder einmal einspringen könnte. Mit Verlaub – auf diese Option hätte auch der viel gescholtene Metzger zählen können. Und ist dies auch ein Beleg dafür, dass es nicht nur an dem Brettener gelegen haben kann, dass der Verein finanziell nicht jene breite Unterstützung erhält, welche er eigentlich benötigt und für die Wellenreuthers Seriosität hätte garantieren sollen. Somit wird immer deutlicher, dass der KSC bei einem Spiel dabei ist, das er sich selbständig schon lange nicht mehr leisten kann. Aus der Hochphase einer zweijährigen Bundesligazugehörigkeit scheint materiell und ideell nichts mehr übrig, das den Klub in die Zukunft tragen kann.

Essen aus der Asche

Bei all den Sorgen brachte der Ausflug in den Westen immerhin einen positiven Fingerzeig. Der Fünftligist und bereits feststehende Regionalligaaufsteiger Rot-Weiss Essen steht kurz davor, die Insolvenz positiv abschließen und somit schuldenfrei sein zu können. Zudem erhält der Verein endlich sein neues Stadion. Er und seine Fans mussten tief sinken, um diese Chance für einen wirklichen Neubeginn erhalten zu dürfen. Ob der KSC eines Tages einen ähnlichen Weg gehen muss, weiß man nicht. Aber wenn man sich so umhört, dann wird die Anzahl der KSC-Fans, die genau dies hoffen, immer größer.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Eine Antwort zu “Die Drucksituationen sind überall”
  1. maiki sagt:

    ich fasse es nicht … !!!!!!!!
    also bidde,bidde lieber ksc steige gleich in die 5.Liga ab und sich der WAHRE KSC Fan beweisen kann ,der jahrelang zwischen Linkenheim und Rastatt zu Ausfährtsfahrten hin und her tingelt,damit das Heldenmagazin darüber berichten kann ,wie stolz man auf wahre KSC Fans ist … *kopfschüttel*
    … abgesehen davon,dass 99% der TraditionsVereine wie zb Waldhof, die dort gelandet sind nie wieder hochkommen. RWE und Ruhrpott ist nie und nimmer mit dem ksc zu vergleichen der ksc hat es doch jetzt schon in dieser stadt verdammt schwer ,oder kommen dann die sponsoren in der 5.Liga bei Neuanfang plötzlich angekrochen ???
    FAZIT :
    Ich finde die Idee des obigen Artikelsverfassers , dass sich ein grosser deutscher Traditionsverein wie der ksc vlt in Zukunft für immer zum “FC Südstern” machen soll absolut erschreckend

  2.