Die Rheinpfalz-Kolumne « An der Seitenlinie » 14.3.2011

\ Eine mitunter kindliche Ausgelassenheit herrschte im Wildparkstadion nach dem Spiel gegen den MSV Duisburg. Lächelnde Mondgesichter überall, und selbst die routiniertesten Kollegen im Presseraum schäkerten sich in eine an Prunksitzungen erinnernde Lust und Laune. Der 3:1-Sieg hatte die Menschen ohne Zweifel tief berührt. Dass deren Versöhnung mit dem KSC nach den beiden horrenden Heimniederlagen gegen Hertha BSC und Ingolstadt so rasch würde vonstatten gehen können, war kaum vorherzusehen gewesen, sollte Mannschaft, Verein und Umfeld aber weiteren Auftrieb für die restlichen Spiele geben. …

Die Brüder Rapolder und Šašić

Erheblich bärbeißiger gestaltete sich hingegen die Gemütslage von Gästetrainer Milan Šašić – „Vielleicht sind wir zu satt – und die Satten haben auf dem Platz nichts zu suchen“, grummelte er halb zu sich und halb zu den Zuhörern. Trotz des Einzugs in das DFB-Pokalfinale gab er sich dem Zorn über sein Team hin, das in den 90 Minuten zuvor fahrlässig die Chance hatte liegen lassen, weiterhin im Aufstiegsrennen dabei bleiben zu können. Der gegenüber seinen Spielern auf den Stationen Koblenz, Kaiserslautern und jetzt auch Duisburg bekannt robust auftretende Kroate erinnert im kolportierten Ruf seiner Menschenführung an den Ex-KSC-Trainer Uwe Rapolder. Gegen Ende der Vorsaison galt sein Verhältnis zur Truppe als völlig zerrüttet. Doch der Klub hielt an ihm fest, verpflichtete noch im Sommer 17 neue Spieler und rüttelte somit den Kader tüchtig durch – erfolgreich, wie man zum jetzigen Zeitpunkt feststellen muss. Der KSC konnte, wollte und durfte sich mit Rapolder diese Geduld nicht leisten. Und hat mit dieser Politik vielleicht ebenfalls alles richtig gemacht. So ist der Fußball – es können viele Wege zum Erfolg führen. Und welcher richtig oder falsch ist, entscheidet sich nicht auf Geschäftsstellen, in Redaktionsräumen oder Internetforen, sondern ausschließlich auf dem Platz.

Ein seichnasser Abschluss des Tages

Dort waren am Freitagabend die KSC-Trikots endlich wieder mit großer Leidenschaft getragen worden. Wie passend und gemalt, dass sie hernach im Clubhaus für die Aktion »PROKSC«, versteigert wurden. Diese nicht vom Verein, sondern von Fans initiierte Aktion will wieder mehr Zuschauer ins Stadion locken und darauf aufmerksam machen, dass der Verbleib des KSC in der 2. Bundesliga existentielle Bedeutung für die Region besitzt. Die Versteigerung der Jerseys durch den launigen Verwaltungsrat Thomas Munz brachte letztlich nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch den stattlichen Gesamtbetrag von 2.190 Euro ein. Bemerkenswert: Am unattraktivsten blieb ein Shirt von Trainer Rainer Scharinger, das „nur“ 60 Euro einbrachte, während für die Arbeitskleidung von Angreifer Andrei Christea satte 350 Euro locker gemacht wurden! Ein sich völlig verausgabender – „Der Müller muss viel g’rennt sein, des Trikot isch seichnass“ – und seit 50 Jahren auf den KSC gehende Munz meinte hinterher auf die Frage, ob es einen KSC-Heroen gegeben habe, für dessen Hemd er gegebenenfalls auch so viel Geld geboten hätte: „Horst Wild! Aber damals hätte ich das Geld nicht gehabt“. Immerhin: Die seinerzeitige, kindlich Freude am KSC ist wieder in den Wildpark zurückgekehrt.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


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