Die Rheinpfalz-Kolumne « An der Seitenlinie » 1.3.2011

Anmerkung: Geschrieben und gedruckt vor der Entlassung Uwe Rapolders

\ Der 27. Februar 2011 war ein schwarzer Tag in der Geschichte des KSC. Mannschaft, Trainer und Publikum – niemand konnte hinterher für sich behaupten, den Anforderungen des Existenzkampfes in der 2. Liga gerecht geworden sein. Es griffe zu kurz, der Mannschaft eine bewusste Leistungsverweigerung zu unterstellen, da dies nicht ihrem Charakter entsprechen würde. Zudem zeigt die Mannschaft keine ungewöhnlichen Auffälligkeiten von Zerrüttung, sodass man die Gründe für das umgreifende Versagen eher im mentalen Bereich verorten sollte. Es ist dramatisch, dass zur Zeit Kleinigkeiten genügen, um das Kollektiv völlig aus der Bahn zu werfen. …

Kurz gesagt – die Mannschaft ist völlig fertig. Auch das Publikum kann mit der Situation nicht umgehen. Es beginnt immer früher damit, seinen Unmut über die Leistung der Mannschaft kund zu tun und verunsichert damit deren instabile Gemütsverfassung nur noch mehr. In den Trikots stecken junge Menschen, die vielleicht über alters- und ausbildungsunübliche Gehälter verfügen dürften – von denen allerdings nicht automatisch erwartet werden darf, wie Maschinen zu funktionieren. So gerne man dies auch hätte. Und daher ist augenscheinlich, dass die Zuschauer mit der Entwicklung ebenfalls längst überfordert sind und jedes Gespür vermissen lassen. Am besten wäre vielleicht, wenn zum nächsten Heimspiel nur noch jene 5.000 kämen, denen der KSC wichtiger ist als die persönliche Frustbewältigung.

Entgleisende Gesichtszüge

Mit dieser hatte an jenem unseligen Nachmittag auch Trainer Uwe Rapolder zu kämpfen – und verlor. Und zwar mehr als nur die Beherrschung, in dem er dem Publikum den ausgestreckten Mittelfinger und einen verbalen Schlagabtausch aus der Gosse darbot. Es wäre gut gewesen, wenn er immerhin eine Stunde nach Spielende auf der Pressekonferenz die Souveränität besessen hätte, sich seinen Entgleisungen zu stellen. Natürlich hat er recht, wenn er von der Unmöglichkeit spricht, sich im gestandenen Alter von 52 Jahren noch als „Dreckspatz“ beschimpfen lassen zu müssen. Aber dennoch sollte er über solche Dinge „drüberstehen“ können. Mein Gott, was hat man sich denn früher als Karlsruher nicht alles auf dem Waldhof anhören und beschimpfen lassen müssen! Rapolder, der bekanntlich selbst ein Freund direktester Ansprachen ist, sollte noch einmal in sich gehen und bei nächster Gelegenheit verdeutlichen, dass er einen Fehler gemacht hat. Er dürfte hierbei sicher auf mehr Verständnis hoffen als für seine Personalentscheidungen. Ob Pressevertreter oder Zuschauer – selten zuvor hat man im Moment des Erblickens der Mannschaftsaufstellung mehr entgleisende Gesichtszüge erblicken können als an jenem schwarzen Sonntag. Für so manchen Betrachter jedenfalls kann die Hoffnung nicht mehr sterben. Denn sie ist nicht mehr da.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


3 Antworten zu “Ein schwarzer Tag”
  1. nihilis sagt:

    nanana, nicht so finster. es sind noch 10 spiele. wenn du die frustbewältiger meinst, könntest du richtig liegen

  2. Hannes sagt:

    Der Besuch eines Fußballspieles ist schon seit langer Zeit für viele Zuschauer ein Ventil, um persönliche Enttäuschungen im beruflichen und Überforderungen im familiären Umfeld zu bewältigen. Mit den spielenden Mannschaft oder mit dem Sport hat das natürlich nichts zu tun und ist sehr bedauerlich, führt es doch zu einer aggressiven Stimmung, die dem immer kleiner werdenden “normalen” Zuschauerrest einen Stadionbesuch früher oder später völlig verleidet.

  3. *araldinho* sagt:

    @ M.D. Welch treffende Worte. Lieber 5000 “echte”, hartgesottene Fans hinter der Mannschaft wie EIN Mann, als immer “des Gebruddel” überall auf den Blöcken.
    Zum Glück scheint ja Rainer Scharinger die richtige Ansprache bei den Spielern zu finden. Es ist ein Silberstrief am Horizont. Und ich wage mich am Freitag wieder raus in den Wildpark.

  4.  
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