Die Rheinpfalz-Kolumne « An der Seitenlinie » 15.2.2011

\ Genau das hätte nicht passieren dürfen – eine derart vernichtende Heimniederlage, die allen Beteiligten und Fans des KSC den Schock in alle Glieder jagen würde. Denn es war zuletzt gerade die Heimbilanz gewesen, die den selbstgewissen Hochmut, besser als zumindest drei andere Mannschaften zu sein, getragen hatte. Und jetzt das. Erklärungen für die desolate zweite Halbzeit gibt es viele. Man lese nur die Sportteile in Tageszeitungen und Fachpresse quer und konzentriere sich auf die Berichterstattungen über andere abstiegsgefährdete oder aus der Spur geratene Vereine aller höherklassigen Ligen, und destilliere hieraus die ewigen Klassiker dieses Genres. Damit machte man als Redakteur, bei Arbeitskollegen oder am Stammtisch allemal eine gute Figur und gewiss nichts falsch, denn irgendwie passen würde es gewiss …

Nicht aus heiterem Himmel

Sicherlich – das frühe Gegentor nach der Pause, die zunehmend um sich greifende Verunsicherung sowie ein individuell äußerst nüchtern seine Chancen nutzender Gegner gaben diesem Fußballspiel eine spektakuläre Wende. Alles schon einmal da gewesen und an sich gewiss kein Grund zur Beunruhigung. Nur – ganz wie ein Gewitter aus heiterem Himmel kam das Verhängnis nun doch nicht über den KSC. Denn allzu sorglos war man die 2. Halbzeit angegangen und hatte dem Gegner Räume geöffnet, die im Profi-Fußball eigentlich verschlossen sein müssten. Eine Denksportaufgabe ist freilich, weshalb dies so geschah. Hatte es der Trainer so gewollt? Oder waren die Spieler an jenem Tag ganz einfach nicht bei Sinnen? Beides für sich genommen wäre jedenfalls keine Beruhigung für die kommenden Wochen.

Ein Wirkungstreffer?

Somit könnte diese Niederlage die Wucht eines Wirkungstreffers entfalten. In den vergangenen drei Jahren haben sich weder Spieler noch Zuschauer über nachhaltige Erfolgserlebnisse freuen dürfen. Viele schleppen sich nur noch ins Stadion. Die einen, weil sie es laut Vertrag zu müssen scheinen, und die anderen, weil sie es so gewohnt sind. Angesichts der sportlichen Ohrfeigen, welche die Truppe in diesem Zeitraum entgegen zu nehmen hatte, fragt man sich ernsthaft, woher denn das Selbstvertrauen für einen erfolgreichen Abstiegskampf eigentlich kommen soll. Zudem ist der Verein durch das neue Präsidium allenfalls in der Außenwirkung befriedet, während es intern weitaus mehr quietscht, als es einem solch sensiblen Gebilde gut täte. Unabhängig des sportlichen Ergebnisses wird es demnach im Frühjahr notwendig zu sein, alle Ebenen kritisch zu überprüfen und hieraus, falls notwendig, endlich auch Konsequenzen zu ziehen.

Die offenen Flanken des Trainers

Das Umfeld jedenfalls scheint dieses bereits getan zu haben. Nach Spielende ergoss sich der Unmut Tausender über die Spieler. Und jene die schwiegen, hatten bereits den Gang in die innere und äußere Emigration angetreten. „Ihr da unten und wir hier oben“ – so viele leidenschaftliche Aktionen wie »Pro KSC« kann es gar nicht geben, um den Bruch zwischen Zuschauern und Spielern alsbald wieder zu kitten. Blieben die Punkte weiterhin aus, dann gäbe es kaum ein Halten mehr. Auch nicht für Trainer Uwe Rapolder, der Ende vergangener Woche von seinem treuesten Begleiter eingeholt wurde – nämlich von dem Ruf, bei zarten Fußballerseelen nicht immer den rechten Ton zu treffen. Gedruckte Flüsterparolen genügten, um seine Stellung ins Wanken zu bringen. Zudem war bereits in den Wochen zuvor zu beobachten gewesen, dass die Meinungsführer der Karlsruher Presse ungewöhnlich offen Kritik am Trainer zu üben begannen. Auch diese Situation, dass der als Retter verpflichtete Rapolder so zeitig offene Flanken anbietet, hätte ganz sicher nicht passieren dürfen.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Keine Kommentare möglich.