Die Rheinpfalz-Kolumne vom 4. Mai 2010

\ Wie hier vor einiger Zeit hier bereits berichtet, geht es dem ehemaligen KSC-Spieler Raimund Krauth nicht gut. Nach einem schweren Vorfall während eines operativen Routineeingriffs im Frühjahr vergangenen Jahres liegt er weiterhin im Wachkoma und werden er und seine Familie für nicht absehbare Zeit auf Hilfe angewiesen sein. Und diese Hilfe kommt nun so langsam in ein Rollen, wie es noch vor einigen Monaten nicht erwartbar war. Denn die bisher einsamen Streiter um Michael Künast und das Ehepaar Ute und Wolfgang Beer haben in Rolf Dohmen und dessen Gattin Bettina Zorn wichtige Unterstützer erhalten. Dohmen, der mit Krauth zwischen 1977 bis 1982 fast fünf Jahre in einer Mannschaft stand, engagiert sich inzwischen mit all seinen Möglichkeiten für die gute Sache, die am 30. Juli in einem Benefiz-Spiel auf der Anlage des SVK Beiertheim ihren vorläufigen Höhepunkt finden wird. Eigentlich näher gelegen hätte es, wenn das Spiel bei Fortuna Kirchfeld, wo Raimund Krauth zuletzt noch als Trainer der 2. Mannschaft aktiv war, stattgefunden hätte. Doch ist das neue Stadion bei der Europahalle für eine solche Großveranstaltung einfach geeigneter.


So was hat man lange nicht geseh’n!

An diesem Tag werden neben der Nationalmannschaft der Köche und dem FC Unitas (unter dessen Schirmherrschaft die Veranstaltung auch stattfinden wird) nicht nur die Traditionsmannschaft der Frankfurter Eintracht – wo Raimund Krauth 1971 seine Profi-Karriere begann –, sondern gerade auch eine KSC-Mannschaft auf und neben dem Platz stehen, die man in Karlsruhe schon lange nicht mehr gesehen hat. Bernd Hoffmann, Batze Kübler, Stephan Groß, Kalli Struth, Jürgen Kalb, Michael Harforth, Emanuel Günther, Gerd Bold, Roland Vogel, Hermann Kohlenbrenner, Martin Wiesner, Reinhold Fanz, Rolf Dohmen, Bernd Fuhr und noch viele mehr – alle haben ihr Kommen zugesagt und wird inzwischen mit bis zu 50 ehemaligen Bundesligaspielern aus Frankfurt und Karlsruhe der siebziger und frühen achtziger Jahre gerechnet. Und auf Frankfurter Seite wird es ein Wiedersehen mit „Kapazitäten“ wie Bernd Hölzenbein, Jürgen Grabowski, Ronald Borchers oder Bernd „Dr. Hammer“ Nickel geben, die mit Raimund Krauth einstmals in einer Mannschaft standen. Zwar hat Hans Fux aus Stutensee bereits als Unparteiischer zugesagt, doch hält es Rolf Dohmen noch nicht einmal für ausgeschlossen, daß selbst ein Manfred Amerell kommen wird. „Das war seine Mannschaft“, merkte Dohmen jüngst bei einem Organisationstreffen an.

Ein Festtag für die Fußball-Region

Kurzum – es steht ein Festtag für alle Fußballnostalgiker und Fans in der Region an. Und für diese die Gelegenheit, nur durch bloße Anwesenheit einmal Danke für die vielen tollen Stunden und Spiele im Wildpark zu sagen. Daß so etwas gerade in Karlsruhe überhaupt möglich ist, überrascht ein wenig. Denn gerade der KSC hatte sich, wenn es um die Belange einstiger Spieler ging, in den vergangenen Jahrzehnten einen derartigen Gefühlspanzer auferlegt, daß viele Ehemalige mit dem Klub nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun haben wollten. Um so beachtlicher ist es nun, daß die private Initiative Einzelner diese Lücke offenbar erfolgreich zu schließen vermag. Gewiß hatte man im Wildpark in den vergangenen Monaten genügend um die Ohren, sodaß man den Blick auf Chancen und Notwendigkeiten, die sich rund um die Hilfe für einen verdienten Spieler anbieten, vielleicht aus dem Blickfeld verlor. Nachdenklich stimmt allerdings, daß, wenn man sich nicht schon im vergangenen Herbst reflexartig und aus Anstand um sofortige Hilfe bemühte, es den Verantwortlichen in den vergangenen Wochen noch nicht einmal möglich war, sich zumindest aus Gründen der Öffentlichkeitswirkung an der hochrespektablen Aktion zu beteiligen. Dies wäre dann zwar noch lange nicht ehrlich, aber zumindest „professionell“ gewesen. Daß so etwas gerade einem Präsidium passiert, das unter dem Motto angetreten war, die „KSC-Familie“ zu stärken und eine effizientere Organisation der Abläufe im Verein zu gewährleisten, ist auf den ersten Blick zumindest enttäuschend. Und wer etwas länger darüber nachdenkt, ist darüber schlicht fassungslos und kommt, wie auch immer er es wendet, zu keiner nachvollziehbaren Erklärung.

Kann der KSC daraus lernen? Nein, er muß!

Im Verein muß man sich nun die Zeit nehmen, die Gedankenlosigkeiten rund um den Fall Raimund Krauth zu analysieren und für sich die notwendigen Schlüsse ziehen. Sie kämen zwar spät, doch zumindest seiner Zukunft zugute. Alles andere wäre unerträglich und für die Mitglieder wohl kaum noch zu tolerieren.

Spendenkonto Raimund Krauth

Empfänger: FC Unitas 71 KA e.V.
Betreff: Benefizver. R. Krauth
Bank: Sparkasse Karlsruhe
BLZ: 660 501 01
Kontonummer: 90 48 82 8

Wenn eine Spendenbescheinigung erwünscht ist, bitte einen entsprechenden Zusatz auf dem Überweisungsträger tätigen oder eine E-Mail schreiben an R.Krauth2010@web.de


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


3 Antworten zu “Kein Anstand, noch nicht einmal Professionalität
— der KSC und der „Fall Raimund Krauth“”
  1. Bernd Hirsch sagt:

    Wie im Artikel angedeutet, hat die unselige Mischung aus Gedankenlosigkeit und Gleichgültig gegenüber langjährigen Aktiven im Wildpark leider Tradition; durchaus typisch für diese Haltung die Reaktion eines früheren Präsidiumsmitglieds, das auf den Vorschlag einer stärkeren Einbindung ehemaliger Spieler lapidar entgegnete: “Wenn’d denne alle e Dauerkart’ gibsch, isch de VIP-Bereich voll.”
    Was Dohmens Engagement für die gute Sache als Privatier angeht, ist das fraglos honorig. Allerdings war er bis zu seiner Feistellung zum Jahreswechsel in der Position, die Benefiz-Aktion als Repräsentant des KSC zu unterstützen. Wenn Matthias Dreisigacker also moniert, dass man sich am Adenauerring Untätigkeit bei der Unterstützung von Raimund Krauth und seiner Familie vorwerfen lassen muss, so fällt diese Kritik eben auch auf den früheren Sportdirektor zurück.
    Sei’s drum: Den Organisatoren der Veranstaltung am 30. Juli ist ein möglichst großer Zuspruch und der Familie Krauth alles erdenklich Gute zu wünschen.

  2. “Kein Anstand, noch nicht einmal Professionalität:”

    Seit heute gibts da im KSC Buch ein neues Kapitel:

    Kann mir jemand erklären, warum Markus Miller heute kein Abschiedsspiel bekommen hat?

  3. Heiko Zimmer sagt:

    Ganze einfach: Weil er es nicht verdient hat. Das war ein PUNKTSPIEL, kein Schaulaufen.

  4.