Die Rheinpfalz-Kolumne vom 26. April 2010
Wer am Freitagabend ins Wildparkstadion gekommen war, um sich nicht wie der Fan-Block selbst und die Fan-Freundschaft zu Pisa zu feiern, sondern um ein einigermaßen vernünftiges und unterhaltsames Fußballspiel zu sehen, rang nach Spielende kaum versteckt mit der Fassung. Angekündigt worden war das Treffen mit dem abgeschlagenen Tabellenletzten aus Ahlen von Trainer Markus Schupp damit, daß man den „Fans etwas zurückgeben“ und „ein höheres Tempo“ gehen wolle als im vorangegangenen Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock. Ziel sei es schließlich, die Zuschauer mit drei abschließenden Siegen „ein wenig“ zu versöhnen. Das jenen dann tatsächlich Vorgesetzte sprach diesem Vorhaben allerdings blanken Hohn. Gewiß, man hatte gewonnen. Doch die Art und Weise, wie dieser Erfolg zustande gekommen war, ernüchterte allenthalben oder erregte blanken Zorn.
Ahlen, nicht der FC Bayern
Denn die Ausgangslage bot eigentlich alle Voraussetzungen, die Jungs im KSC-Trikot endlich einfach mal von der Leine und befreit nach vorne aufspielen zu lassen. Statt dessen wurde ein Ergebnisfußball praktiziert, den man sich vielleicht gegen Bayern München gefallen läßt, jedoch nicht gegen einen zwar bemühten, doch sicherlich nicht sonderlich starken Absteiger. Es war unfaßbar, zeitweise acht oder neun KSC-Spieler bei eigenem Ballbesitz hinter dem Ball sehen zu müssen. Daß sich nun Schupp auf der anschließenden Pressekonferenz auf das Podium hockte und betonte, daß ihm das Ergebnis wichtiger sei als die Art und Weise, wie es denn zustande gekommen sei, ist Ausdruck einer verstörenden Phantasielosigkeit, die den Betrachter vor der Zukunft bange werden läßt. Denn der Zuschauer möchte nach zwei trüben Spielzeiten zwar nicht mit unglaubwürdigen Visionen und Versprechungen vorgeführt werden, doch zumindest einen Zipfel jener Perspektive in die Hand gegeben bekommen, als daß die gruseligen Vorstellungen auf dem Rasen künftig weniger werden und der Verein den Blick wieder nach oben richten würde können. Und dies kann nur kaum gelingen, wenn man z.B. seinen besten Spieler – Serhat Akin – bis kurz vor Spielende auf der Bank sitzen und den Rest der Truppe sein Zerstörungswerk am schönen Fußball ungestört vollziehen läßt. So bleibt nur zu hoffen, daß es dem Trainer nur noch darum geht, diese fürchterliche Spielzeit irgendwie und sportlich unbeschadet über die Runde zu bringen, um anschließend intern wie extern mit einem ebenso faszinierenden wie überraschenden Marschallplan aufzuwarten, der einem den Glauben an eine gute Zukunft zurückgibt.
Hoffnungen
Allgemein ist im Wildpark viel von „Hoffnung“ die Rede, wenn es um für den Verein wichtige Entscheidungen geht. So spricht Sportdirektor Arnold Trentl von „guter Hoffnung“, wenn es um Personalfragen, und Vize-Präsident Rolf Hauer von „voller Hoffnung“, wenn es um den künftigen Hauptsponsor geht. Diese muß auch der Fan haben, wenn er vom Trainer hört, daß sich ein Timo Staffeldt in den letzten Saisonspielen für eine Verlängerung seines Vertrages empfehlen muß. Nun spielt der Kurpfälzer schon seit gefühlten 34 Jahren beim KSC und möchte man meinen, daß sein Trainer über die Dauer einer Dreiviertelsaison wohl Gelegenheiten genug gehabt habe, sich ein fundiertes Urteil über dessen Qualitäten und Perspektiven zu bilden. Ein unwürdiges Schauspiel, das sich nach dem letzten Sommer nun abermals um den kompakten Allrounder rankt. Und das Thema Hauptsponsor? Nun, in der Regel macht man Fehler nur selten zweimal. Aber beim KSC hatte man sich zuletzt wiederholt auf Kontakte der Marke „windig“ konzentriert, die allseits eher Erheiterung und Entsetzen auslösten. Kein Wunder, daß man auch hier wohl nur noch auf das Prinzip Hoffnung setzen kann. Immerhin war es der Mannschaft um Präsident Paul Metzger in den vergangenen Monaten am Ende oft gelungen, in vielen weiteren wichtigen Fragen tragfähige Lösungen zu präsentieren, sodaß man sich bei den Zauberern vom Hardtwald noch nicht gänzlich dem Defätismus hingeben muß. Ansonsten wird es in Karlsruhe bald noch weniger Gründe geben, sich selbst oder den KSC feiern zu können.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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Nun ja, über “das Spiel gegen Ahlen sollte man, genau wie über nahezu die ganze Saison, nachdem alleine das Ergebnis was zählbares brachte, schon jetzt schnellstmöglich den Mantel des Vergessens legen”!….
So hab ich den einen oder anderen Zuschauer vom vorletzten Heimspiel der Saison des KSC am letzten Freitag Abend noch in Erinnerung.
Und das war keineswegs erst nach dem Schlußpfiff zu hören, sondern bereits zur Halbzeitpause.
Obwohl der KSC in der 41. Minute noch das 1:0 gegen eine, über weite Strecken der ersten Halbzeit, größtenteils harmlose Ahlener (die zwei Lattentreffer der Ostwestfalen in der ersten Halbzeit entsprangen doch eher aus dem allgemeinen Gewühl heraus, als das sie Folge eines ansehnlichen und geplanten Gegenangriffes gewesen waren) erzielte, kam auf den Tribünen nun wirklich keine Festtagsstimmung auf. Im Gegenteil. Mit Ende der ersten Halbzeit schallten doch unüberhör zahlreiche Unmutsbekundungen der Zuschauer durch den altwehrwürdigen Wildpark. Der KSC führte zur Pause wohl mit 1:0. Richtig! Man sollte doch denken, das der Zuschauer damit erstmal zufrieden war!
Sollte man wirklich? Ich meine: Nein! Denn SO kann es absolut nicht weitergehen.
Ich fang dennoch mal, der Gerechtigkeit halber, mit den zwei (!),…(denn mehr sind es leider nicht), wirklich positiven Überraschungen der nun bald abgelaufenen Saison an.
1.) Die, auf viele Jahre rückwärts betrachtet, zuverlässige KSC Misere, grundsätzlich in jedem Spiel auch vom harmlosesten Gegner noch einen Gegentreffer einzufangen, hat sich doch (und das haben wohl nicht viele bemerkt) deutlich zum besseren hin gewandelt.
Ich kann mich an keine Saison der letzten 25 Jahre erinnern, an welcher wir doch so viele Spiele ohne Gegentor geblieben sind. Nicht mal in der Aufstiegsaison 2007/2008.
2.) Auch das alte Leid, grundsätzlich noch in den letzten fünf Minuten, einen Gegentreffer einzufangen, ist plötzlich und irgendwie ganz seltsamerweise verschwunden. Denn wir sind, und ich habe das extra nochmal gewissenhaft nachrecherchiert, die Mannschaft im gesamten deutschen Profifußball, welche ab der 75. Minute die wenigsten Gegentore bekommen hat! Nämlich genau EINES(!) Und DAS ist wirklich mal ein kleine Sensation!
Ich meine doch, das dies auch einer gewissen, soliden und überdachten, taktischen Ordnung, welche unser derzeitiger Trainer Markus Schupp der Mannschaft aufgibt, zu verdanken ist!
Fortsetzung morgen!
Markus Schupp arbeitete ja bekanntermaßen längere Zeit als Co-Trainer bei Huub Stevens, dessen oberste Prämisse, wie allgemein bekannt ist, in der Aussage “Die Null muss stehen” zum Ausdruck kommt. Und MS hat genau das bislang auch in seiner, der Mannschaft aufgetragenen, taktischen Einstellung auch recht eindrücklich umgesetzt. Die “huubsche” Taktiv greift auch zusehens immer mehr auch bei einer Mannschaft wie dem KSC, welche in all den Jahren zuvor nicht gerade im Ruf stand, ein Spiel auch ohne Gegentor nach Hause zu bringen.
War mir jetzt irgendwie doch wichtig, etwas grundlegend positives über diese Saison zu sagen!
Allerdings, und das werd ich in Kürze noch ausführlich darlegen, war diese Spielzeit eine, wie ich keine zweite mehr erleben möchte.
Dazu morgen an gleicher Stelle mehr.
“Immerhin war es der Mannschaft um Präsident Paul Metzger in den vergangenen Monaten am Ende oft gelungen, in vielen weiteren wichtigen Fragen tragfähige Lösungen zu präsentieren”
WELCHE DENN?
Einmal mehr gewonnen! Wieder ZU NULL. Nun auf Platz 8.
Die taktische Einstellung wird immer effektiver. EFFEKTIVER. Ein Attribut, welches ich bislang wenig mit dem KSC in Verbindung gebracht habe. (Die Chancenverwertung ist immer noch jenseits von gut und böse,)
Dennoch: der KSC erspielt sich mittlerweile fast in jedem Spiel ein knappes Dutzend Chancen. Hut ab! Langsam wirds doch!
Spiele wie heute in Duisburg lassen doch auf eine bessere Saison 2010/2011 hoffen.