Die Rheinpfalzkolumne vom 23. März 2010
Eine runde Woche ist nun vergangen, seit das Präsidium des KSC nun schon zum wiederholten Male in dieser Saison von kräftigen Turbulenzen durchgeschüttelt wurde. Dies ist heutzutage eine lange Zeit, da nichts so alt sein kann wie die Nachricht von gestern. Und, zugegeben, man ist ob der schon nahezu konstant unappetitlichen Nachrichtenlage aus dem Wildpark arg ermüdet. Erst recht, wenn man erst seit wenigen Stunden von einer überflüssigen Reise nach Oberhausen zurückgekehrt ist. Man muß lange zurückdenken, daß einem der Spaß am Karlsruher Fußball derart verleidet worden ist. Ein am Sonntag ebenfalls im Stadion weilender Freund flüchtete bereits 10 Minuten vor Spielende mit zornesrotem Kopf von dannen, weil er die „charakterlich schlimmste“ Mannschaft seit dem Zweitligaabstieg 1999/2000 nicht mehr ertragen konnte. Er – in Oberhausen wohnend – sieht seinen Verein nicht oft spielen, und wenn doch, dann schlägt das Schicksal in der Regel erbarmungslos zu. Es gab für ihn einmal eine Phase von etwa 12 KSC-Spielen im Westen, während der er sich gerade einmal über 1 Tor freuen durfte. Geschweige denn, daß der KSC in dieser unglaublichen Serie auch nur eine Partie gewonnen hätte. Das Leben ist mitunter hart – andere Männer haben zu Hause eine böse Frau oder ein Furunkel am Hintern sitzen. Und mein Freund eben den Karlsruher SC. Das ist weiß Gott nicht schön.
Sie hatten doch nicht verstanden
Abseits dieses persönlichen Dramas ist es tatsächlich sehr unbefriedigend, daß sich die Mannschaft in dieser Saison zu oft einem Gegner geschlagen geben mußte, der zwar gewiß nicht besser, letztlich aber entscheidend mehr dazu bereit war, an seine Grenzen zu gehen. RWO wollte am Sonntag den Erfolg etwas nachdrücklicher als der Bundesliga-Absteiger, sodaß für diesen am Ende eine weiter unnötige Niederlage stand. Um so verständnisloser gerät das ganze, wenn man noch die Zitate im Sinne von „man habe verstanden“ oder „die Mannschaft weiß jetzt, wie und worum es geht“ im Kopf hat, die dem Fußballfreund noch in den Tagen vor dem Spiel im Westen übermittelt wurden. Mal sehen, wie es um die Verständnis- und Auffassungsgabe der Profis am kommenden Samstag steht.
Vielleicht das Präsidium?
Auch die fortgesetzten Disharmonien innerhalb des Präsidiums irritieren. Nun erwartet man ja nicht unbedingt, daß sich die Herrschaften jeden Abend auf ein Pils treffen und die besten Freunde überhaupt sind. Aber doch sehr wohl, daß sie in der Lage sein sollten, mögliche Differenzen unter Männern beizeiten aus dem Wege räumen oder eben entsprechende Konsequenzen ziehen zu können. Daß es zum „Kasperletheater“ des vorvergangenen Wochenendes überhaupt nur kommen konnte, hatte man sich ganz alleine selbst zuzuschreiben, und nicht wie ab und an berechtigt einer besonders kritischen Presse. Unbesehen der inzwischen verlautbarten Worte der Versöhnung und des Willens zu einer besseren Zusammenarbeit darf damit gerechnet werden, daß es auch weiterhin schwierig bleiben wird. Seit der Wahl Paul Metzgers und später seiner Vizepräsidenten Rolf Hauer und Arno Glesius hat es anfangs einige Unwuchten und Fehler gegeben, die man ohne schlechtes Gewissen unter „Anlaufschwierigkeiten“ verbuchen konnte. Doch inzwischen fröstelt man bei der nahenden Erkenntnis, daß es für die Drei in mancherlei Hinsicht nicht reichen könnte. Schnell sind einem Verein irreparable Schäden zugefügt, die man auf Jahre oder Jahrzehnte hinaus nicht mehr korrigieren kann. Der nächste Fehler könnte also nicht nur für das aktuelle Präsidium, sondern gerade auch für den KSC der letzte und entscheidende sein.
Keine Diskussion
Als ein solcher muß schließlich die Aktion eines öffentlich noch nicht bekannten Mitgliedes des Ehrenrates bezeichnet werden. Dieser Herr hatte das an den Ehrenrat gerichtete Schreiben von Hauer und Glesius noch vor dem Anpfiff des Spieles gegen Augsburg in Kopien im Presseraum zirkulieren lassen. Es ist noch nicht einmal diskutabel, daß dieser Herr schnellstens aus dem Verein ausgeschlossen gehört. Eine unglaubliche, mit nichts zu entschuldigende Entgleisung, die wie keine andere für Niedertracht und Niedergang eines doch solch stolzen Vereins steht. Es wäre zu oberflächlich und allgemein, wenn man sich auf die Floskel „ein Verein zerstört sich selbst“ zurückzöge. Denn hinter den Taten stehen immer Menschen, die Wissens und Willens darüber sind, was sie tun.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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