Die Rheinpfalzkolumne vom 16. März 2010

\ Der KSC und sein junger Verteidiger Michael Blum ringen gerade um eine Verlängerung ihrer Zusammenarbeit. —————— Es wogt hin und her, mal verkündet eine Seite das Aus der Verhandlungen, oder die andere eine nur kurz bevorstehende Einigung. Unter der Hand munkelt man, daß sich das Angebot des Vereins auf monatlich 8.000 Euro belaufe, während sich der Spieler und sein Berater gerne das doppelte dieser Summe erhoffen. Die Arbeitsnachweise des talentierten Rheinländers sind bislang ordentlich, auch darf er sich aufgrund seiner stets vorhandenen Einsatzfreude über die breite Sympathie des Publikums freuen. Ob er allerdings grundsätzlich die im Raume stehenden Beträge wert ist, entzieht sich der Kenntnis des Betrachters, da diesem die Vergleichwerte zu anderen Spielern seiner Kategorie fehlen. Daher kann man auch nicht verbindlich urteilen, ob der KSC gerade versucht, einen jungen Mann vertragspolitisch über den Tisch zu ziehen oder jener bereits angefangen hat, in luftigsten Höhen traumzuwandeln. Unangenehm sind solch öffentlich ausgetragenen Dispute allerdings für beide Seiten. So steht der KSC in einem heftigen Konkurrenzkampf um junge Nachwuchsspieler, auf die er aus Image- und besonders Kostengründen so sehr angewiesen ist. Da ist es nicht gut, sollte sich herumsprechen, daß man junge Spieler finanziell auszunutzen versucht. Und Blum selbst könnte schnell das Schildchen „Raffzahn“ umgehängt bekommen. Besser wäre also tatsächlich, daß Verhandlungsinhalte von beiden Seiten intern behandelt werden sollten.

Charly Körbel hilft!

Dafür pflegt man eine solche Vertraulichkeit leider an völlig anderen Stellen. Im April vergangenen Jahres fiel der ehemalige KSC-Stürmer Raimund Krauth in Folge eines Infarktes während eines Routineeingriffs am Knie ins Wachkoma (mehr über Raimund Krauth lesen Sie in der aktuellen Ausgabe HELDEN! N°17). Eine menschliche Tragödie, die bewegt. Ute Beer, die Ex-Gattin des früheren Kulttorwarts Rudi Wimmer, hat sich nun gemeinsam mit dem ehemaligen KSC-Spieler Michael Künast der Sache angenommen. Für den Juli ist den beiden nun ein Benefizspiel gegen die Traditionsmannschaft der Frankfurter Eintracht geplant, um die Familie gerade auch finanziell zu unterstützen. Karl-Heinz Körbel, der zwischen 1972 und ’74 gemeinsam mit Krauth seine Karriere im Waldstadion begonnen hatte und heute u.a. auch für die Traditionself der Hessen zuständig ist, hat Hilfe und Kommen sofort zugesagt. Im Wildpark nimmt man hierzu noch die Rolle des Beobachters ein und harrt der Anfragen, die in diesem Zusammenhang auf ihn zukommen werden. Daß man sich satte 9 Monate nach dem schlimmen Ereignis um den einstigen Stürmerstar noch immer so wenig initiativ zeigt, ist einerseits nachvollziehbar, wenn man die mangelhaften Zeit- uhnd Personalressourcen auf der Geschäftsstelle in Betracht zieht. Und dennoch – nicht auszudenken, was ein Uli Hoeness in einem vergleichbaren Falle zur Soforthilfe nicht schon alles auf die Beine gestellt hätte.

Einer hätte Zeit

Hierzu ein Gedanke – mit Rolf Dohmen stand noch bis in den Dezember hinein ein ehemaliger Mitspieler Krauths beim KSC in verantwortlicher Position. Es wäre daher schön, wenn der inzwischen freigestellte – aber noch immer vom KSC bezahlte – Rheinländer spätestens jetzt seine gewiß vorhandenen Freizeiten und Energien in die Hilfe für die Familie Krauth investieren könnte.

Nach der Karriere muß es weitergehen

Raimund Krauth hat sich nach seiner Karriere sehr schwer getan, einen Platz im Leben zu finden. Er war das Fußballkind einer Zeit, in der die heutige Professionalität im Umgang mit dem eigenen Körper noch nicht so bekannt und erforderlich war. Er ist hierbei beileibe kein Einzelfall und gibt es weitere ehemalige KSC-Größen, denen ein spartanischer Umgang mit Genußmitteln gewiß nicht nachgesagt werden konnte und denen es daher heute nicht mehr so gut geht. Daß sich das spätere Leben ehemaliger Fußballprofis nach dem Abpfiff der Laufbahn zwangsläufig nicht so erfolgreich gestaltet wie ihre Karriere, weiß man natürlich auch linksrheinisch beim FCK. Ernst Diehl, der einstmals in den Siebzigern resolute Defensivspieler der Pfälzer, oder auch Rainer Geye, der zu früh verstorbene Protagonist der Wiedergeburt des FCK aus der ersten Feldkamp-Ära, mögen hierfür Beispiele sein. Wie im Falle Michael Blums sind Verein und Spieler über mehrere Jahre enge Partner und auf einander angewiesen. Der Klub bezahlt sie und zieht über ihre Popularität viele Synergien auf seine Seite. Schön wäre es daher, wenn man sich hierfür auch Jahre später noch erkenntlich zeigte. Zumal es hierzu nur wenig Geld, sondern einfach nur etwas guten Willen und etwas Phantasie benötigte.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Eine Antwort zu “Michael Blum und Raimund Krauth — Vergangenheit und Zukunft”
  1. Ich werde am Freitag dabei sein. So eine Hilfe sollte selbstverständlich sein!

  2.