Die Rheinpfalzkolumne vom 9. März 2010
Diese Kolumne entstand nur wenige Stunden vor dem Spiel des KSC bei Arminia Bielefeld. Und da eine ordentliche Zeitung nun einmal nicht die grenzenlose Zeitfreiheit des Internets besitzt, kann es passieren, daß Sie hier etwas über den KSC lesen, das zum Zeitpunkt Ihrer Lektüre schon wieder barer Unsinn sein könnte. Andererseits gibt es aber auch Dinge, an derer Betrachtensweise auch die 90 Minuten in Ostwestfalen nichts werden ändern können. Und hierzu gehören unter anderem Gedanken über den richtigen Gebrauch von Macht und Einfluß. Journalisten und Inhaber wichtiger öffentlicher Ämter und Positionen verfügen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, über eine solche „Macht“. Äußerst irritierend ist es daher stets, wenn man festzustellen meint, wie unbedacht, rücksichtslos oder deren Inhaber überfordernd diese eingesetzt werden kann. Nehmen wir doch einmal den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Dr. Theo Zwanziger, sowie seinen einstmaligen Schiedsrichteraufseher Manfred Amerell. Unbesehen dessen, was – und ob überhaupt – der ehemalige Geschäftsführer des KSC denn nun tatsächlich mit seiner Entscheidungsgewalt über junge Schiedsrichter angestellt hat, ist es verstörend, wie Amerell auf den Verlust von Einfluß und öffentlicher Reputation reagiert. Jeder, dessen der Oberschwabe habhaft werden kann und wird, darf sich darauf einstellen, daß sein Leben künftig ein anderes sein wird. Geradezu alttestamentarisch wirken sein verletzter Stolz und Zorn – und desavouiert ihn daher fast schon mehr, als jedwede sich herausstellende Unregelmäßigkeit in seinem Amt es hätte tun können. Als ähnlich ungenügend offenbarten sich in den vergangenen Wochen die Fähigkeiten Dr. Zwanzigers, menschenkundlich und intellektuell seinem wichtigen Amt gerecht zu werden. Ohne auch nur näher mit der Materie befaßt zu sein ist es ersichtlich, daß es dem DFB-Präsidenten in nur wenigen Tagen gelungen ist, mehrere Existenzen zu ruinieren. Und spätestens jetzt ist es ein Rätsel, wie jemand wie er zu seinem wichtigen Amt kam.
Manndeckung im Strafraum
Über das Manndeckungsverhalten Amerells läßt sich auch eine Brücke zum KSC schlagen. Auf der Pressekonferenz zum Bielefeld-Spiel am vergangenen Freitag wurde Trainer Markus Schupp mit einigen Vorwürfen konfrontiert, die zuletzt vornehmlich im Fachblatt „Kicker“ zu lesen waren. Es ist nicht bekannt, was Schupp dem betreffenden Journalisten jemals auch nur getan haben könnte, auf daß dieser ihn nun in einer für diese Zeitschrift völlig unüblichen Weise verfolgen zu müssen glaubt. Der Trainer benötigte letztlich nur ein paar Sätze zu Grundsätzen des Abwehrverhaltens – Stichwort Manndeckung – im eigenen Strafraum, um seinen Verfolger fachlich zu demontieren. Nun, üblicherweise verzichten Journalisten darauf, sich in Kollegenschelte zu üben. Doch was man in den vergangenen Monaten schwarz auf weiß in Karlsruhe zu lesen bekam, war bisweilen äußerst unappetitlich und weit am sportlichen Erkenntnisinteresse vorbeigehend. Als ob man sachlich nicht genügend Ansatzpunkte gehabt hätte, wurde zum Beispiel der Präsident als Trunkenbold und einer seiner Vertreter als Idiot denunziert. Und was sich der sportliche Leiter Arnold Trentl gedacht haben mag, einen seinen Spieler – den er nicht nur teuer verkaufen will, sondern auch muß – als Colasaufenden Kettenraucher bloßzustellen, bleibt sein Geheimnis. Keines ist aber auch hier, daß er mit seiner wissenden Macht weitaus sorgfältiger umgehen sollte.
Und, ach ja: Wenn Sie dies hier lesen, wird der KSC in Bielefeld knapp gewonnen haben. Das hoffe ich mit aller Macht zu wissen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





Einträge (RSS)
Hättste auch mal vorausgesagt, das unser Kopfballungeheuer Gaetan krebs das 0:1 macht.
kleiner Prophet, Du
………