Rheinpfalz-Kolumne vom 23. Februar 2010
Gerd Kleppinger strahlte nach dem Spiel wie das legendäre Honigkuchenpferd. Der ehemalige KSC-Verteidiger (1982-84) ist heute unter dem einstmals ebenfalls das KSC-Trikot tragenden Hans-Jürgen Boysen (1980-85) Co-Trainer des FSV Frankfurt und war nach dem Abpfiff des sonntäglichen Spiels einfach nur erleichtert. „Wir brauchen die Punkte nötiger als ihr“, sagte er mir fest auf die Schulter klopfend und sogleich hinterherschiebend, daß der ganze Spieltag für seine Mannschaft gelaufen sei. Meine mitten in seine Euphorie hinein gehauchte Frage nach der Befindlichkeit des KSC nahm er soweit nicht ernst und versicherte er, daß dieser ganz bestimmt nicht in den Abstiegskampf hineinrutschen werde. Na, wenn er sich da mal nicht täuscht. Oder man unterstellt ihm eine erstaunliche Kenntnis der deutschen Semantik und deutet seine Antwort so, daß der KSC mit Existenzängsten nur deshalb nichts zu tun haben werde, weil er nämlich schon mittendrin steckt.
Keine Fraternisierung mit Markus Schupp
Einerlei. Man sollte auf die guten Wünsche der Konkurrenten ohnehin nichts geben. Alles Taktik. So habe ich binnen eines halben Jahres den äußerst höflichen Trainer des SC Paderborn, André Schubert, zweimal auf der Pressekonferenz nach einem KSC-Spiel gesehen. Und beide Male versicherte er glaubhaft und mit sanftestem Augenaufschlag, daß der KSC bestimmt schon bald besser spielen und den Blick wieder nach oben richten werde. Beim ersten Mal saß noch Ede Becker neben ihm, vor ein paar Wochen war es Markus Schupp. Inzwischen mag es viele KSC-Fans geben, die es bedauern, daß man während einer Spielzeit nur zweimal gegeneinander spielt. Denn sie hätten wohl nichts dagegen, wenn Herr Schubert bald neben einem weiteren KSC-Trainer Platz nähme. Ja, der Frust ist groß beim badischen Anhang. Als der Trainer Mitte der 2. Halbzeit auf die Tribüne verwiesen wurde und sich hierbei als etwas zickig erwies, reagierte der KSC-Block so ganz anders, wie man es ansonsten gewohnt ist. Die Fraternisierung mit einem der Ihren blieb aus und wurde ihm mit Kraftausdrücken bedeutet, jetzt doch endlich den Anweisungen der Unparteiischen zu folgen.
Der Kader hat mehr Möglichkeiten
Zweifellos stecken Trainer und Mannschaft seit der Winterpause in einem Tief, das man zuvor schon hinter sich glaubte. Weshalb es nun derart hängt, kann oberflächlich und von außen nicht bewertet werden. Wenn man nur nach dem wöchentlichen Augenschein geht, dann fällt die aktuelle Bewertung allerdings verheerend aus und kann man froh sein, daß Ahlen, Koblenz und Frankfurt in der Vorrunde so weit unter dem Niveau der Liga geblieben sind. Selbst dafür, daß man erhebliche Verletzungsausfälle und hieraus folgend auch häufige Umstellungen zu verzeichnen hatte, sind die gezeigten Leistungen nicht zu erklären und bleiben sie unter den Möglichkeiten, die der Kader bietet. Lägen die Gründe für die Krise in Mißstimmungen begründet, so wäre dies äußerst ungünstig. Zumal sich die Zuschauer den Absturz gewiß nicht mehr lange bieten lassen werden.
Frisch geduscht zum Kampf
In sehr großer Zahl waren die Fans an den Bornheimer Hang gepilgert und hatten dann, nachdem sie sich durch den Schlamm gekämpft hatten, mit ansehen müssen, daß ihre Mannschaft noch immer nicht zu wissen scheint, wo sie mittlerweile angekommen ist. Nach dem Spiel versuchte dann wohl Präsident Paul Metzger, im noch hinter der Tribüne stehenden Bus den Spielern Denkanstöße zu geben. Zeugen der befremdlichen Situation vermerkten hierbei weitaus aktiveren Widerstand unter den kickenden Angestellten, als sie noch kurz zuvor auf dem grünen Rasen gezeigt hatten. Dabei hätte es für sie noch schlimmer kommen können. Viele Karlsruher hatten den Service des Wochenend-Tickets der Bahn genutzt und waren mit Regionalzügen angereist. Es gab mal Trainer, die hätten den Mannschaftsbus nur mit dem Zeugwart zurückfahren und die frisch geduschte Bagage zum Bahnhof schicken lassen. Man ist überzeugt davon, daß die arbeitsscheuen Fußballtechniker spätestens in einem mit Fans vollgestopften Bummelzug das Kämpfen endlich gelernt hätten. Bis zum kommenden Sonntag, wenn der FCK in den Wildpark kommt, sollten sie es auf jeden Fall verstanden haben. Aber wenn nicht, dann müßte man sich wenigstens nicht mehr die Mühe machen, Gerd Kleppingers Worte interpretieren zu müssen. Ein Blick auf die Tabelle würde genügen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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