Mit dem Herzen eines Fans
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 533 KlicksAm Dienstagabend vergangener Woche war das Clubhaus des KSC dicht gefüllt. Hinten drängten sich sogar die Menschen um die verbliebenen Stehplätze. Der Grund für diesen Massenauflauf war ungewöhnlich: Das Präsidium um Präsident Paul Metzger hatte die Mitglieder zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, um sie über den derzeitigen Stand der Dinge zu unterrichten und mit Gerüchten und Unterstellungen aufzuräumen, die es von Beginn an so treu begleiten und charakteristisch geworden sind wie bei Donald Duck das Unglück. Eine zweifellos ungewöhnliche Herangehensweise, keine Frage. Aber da man sich am Adenauerring von einer Presse umzingelt fühlt, die sich aus Sicht der Offiziellen ebenso hartnäckig wie vornehmlich auf jede Ungeschicklichkeit konzentriert und hierbei die positiven Arbeitsnachweise des Trios vernachlässigt, erschien dieser direkte Weg der Kontaktaufnahme zur Basis wahrscheinlich als die einzig noch verbliebene Möglichkeit, sich der Öffentlichkeit mitzuteilen. Es war ein wichtiger Abend für das Präsidium. Und er verlief gut. So gut, daß die überwältigende Mehrheit der Anwesenden mit dem Gefühl nach Hause gehen durfte, daß sich doch mehr auf einem guten Weg befindet, als man hatte befürchten müssen.
Eine kommunikative Trümmerlandschaft geerbt
Hierzu bedurfte es nicht viel und sagten die Verantwortlichen zu manchen Themenbereichen nur wenig Neues. Substantiell erhellte sich allerdings so manches, und das spürten die Mitglieder auch. Mit den Personalentscheidungen für Markus Kalusche als neuer kaufmännischen Leiter der Geschäftsstelle und Arnold Trentl als sportlicher Leiter ist eine wichtige Kompetenz- und Aufgabentrennung gelungen, die die ungünstige Konstellation der Raase-Ära, daß sich alle Entscheidungsbefugnis auf die Person Rolf Dohmens konzentrierte, aufhebt. Zudem steht man mit Stadt und Oberbürgermeister hinsichtlich des Stadionum- oder Neubaus wieder in vertrauensvollem Kontakt und wurde man vom Oberlandesgericht auch in der Ansicht bestätigt, mit Michael Kölmel zu einem wirtschaftlich vertretbaren Vergleich kommen zu müssen. Angesichts der kommunikativen Trümmerlandschaften, welche die Vorgänger in diesen Punkten hinterlassen hatten, fürwahr alles keine Selbstverständlichkeiten, tolle Erfolge und äußerst wichtig für die Zukunft des Vereins.
Für Karlsruher Verhältnisse nicht schlecht!
Das bunt gemischte Publikum – von alt bis jung, vom Supporter bis zum Geschäftsmann war alles vertreten – nahm die Ausführungen dankbar auf. Seit Monaten wird ihr Verein, also sie selbst, bundesweit vorgeführt und lächerlich gemacht. Man habe sich einen Alkoholiker und Tölpel in jeder Vereins- und Lebenslage zum Präsidenten gewählt, wurde und wird in den Medien berichtet. Da tat ein solcher Abend gut. Daß Fragen bleiben – geschenkt. Ebenso, daß die Macher wohl auch künftig Angriffsflächen bieten werden. Metzger gestand Fehler ein, und das mehr als er mußte. Er, der „mit dem Herzen eines Fans“ die Aufgabe beim KSC angegangen war. Hemmungslos wurde heftiger Beifall gespendet, als sich Mitglieder des einflußreichen Freundeskreises des Vereins erhoben und sich vehement gegen die „Medienhetze der Pressemeute“ wandten. Sehr löblich war hierbei, wie sich Metzger mehrmals schützend vor einen sich besonders angesprochen fühlen Müssenden stellte.
„Der Kerle kann des!“
Auch der Redebeitrag Trentls wurde mit großem Beifall quittiert. Gelächter und Unruhe gab es nur, als er, der sich bereits mit den Vorgängern der heute Handelnden gut verstand, selbst die letzte Saison als „auch nicht so schlecht“ bewertete. „Für Karlsruher Verhältnisse“ schob er korrigierend hinterher. Vergeblich. Dennoch traf er den entscheidenden Nerv, in dem er den KSC als das definierte, was er ist und bleiben wird. Ein Ausbildungsverein, für den jedes Jahr der Erstklassigkeit dauerhaft ein Geschenk sein wird. Trentl, dem bescheinigt wird, jedes Festzelt alleine bei Laune halten zu können, holte die Anwesenden schließlich mit einem Seitenhieb auf die TSG Hoffenheim erfolgreich wieder zurück und erntete heftigen Applaus. Wie sagte doch ein Sitznachbar: „Der Kerle isch gut, der macht des!“ Bestimmt, ganz gewiß. Dennoch hätte man es gerne gesehen, wenn der neue Sportmanager nicht über ganz so viele „Kontakte zur Fußballszene“ verfügt hätte. Hier wurde ein Neuanfang verpaßt.
Ungeschicklichkeiten sind bekannt
Spannend wurde es letztlich, als Metzger darauf zu sprechen kam, daß die Honorarvereinbarung mit den am Kölmel-Prozeß beteiligten Anwälten des Vereins überprüft werden sollen, da der Verdacht bestünde, daß diese erheblich überhöht seien. Ähnlich hoch waren wohl auch die Erwartungen des Bretteners vor der Veranstaltung. Sichtlich erleichtert tat er kund, einen ganzen Berg an Akten dabeigehabt zu haben, um auf Nachfragen antworten zu können. Daß diese derart ausblieben, hatte er wohl nicht gedacht. Andererseits waren die Fehler und Ungeschicklichkeiten der Neuen von der Lokalpresse in den vergangenen Monaten derart ausführlich ausgeleuchtet worden, daß man seitens des Publikums ein Nachkarten offenbar für nicht notwendig erachtete. Und daß Metzger & Co. an diesem Abend dennoch so breite Sympathiebekundungen erhielten, spricht Bände über die Befindlichkeit der Mitglieder – und die Relevanz des einen oder anderen Medienvertreters.
Der KSC war wer, ist wer, bleibt wer!
Der KSC, soviel wurde wieder einmal deutlich, ist ein seltsamer Verein. Arno Glesius gab als Ziel aus, innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre in die Bundesliga zurückkehren zu wollen. Deutlich gesagt ist das kein Ziel, sondern ein ehrliches Eingestehen der eigenen (Un)Möglichkeiten: Man wird Glück brauchen. Gefangen in der Tradition des erfolgreichen und ambitionierten Großclubs der fünfziger Jahre und der rauschhaften, aber leider nicht dauerhaften Europapokalära der neunziger Jahre, wirkt der KSC also wieder einmal auf sich zurückgeworfen. Ein subbürgerlicher, einfacher Klub, der es mit allen Unzulänglichkeiten aber seit 60 Jahren dauerhaft geschafft hat, zu den besten deutschen Fußballadressen zu gehören. Nur ein Jahr war man drittklassig, und selbst in den 24 Jahren Zweitklassigkeit stets nach oben ausgerichtet. Kurz gesagt: Man hat etwas vorzuweisen. Anderen Traditionsklubs erging es weitaus schlimmer. Wie steht doch am Georg-Melches-Stadion an der Essener Hafenstraße zu lesen? „RWE war wer, ist wer, bleibt wer!“ Gute Worte, die der KSC unter Austausch der ersten drei Buchstaben für sich adaptieren könnte.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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Punktlandung!
sehr schön, vor allem der letzte Abschnitt!
Matthias, ich muss Dir in allen Punkten recht geben.
Zum Thema Trentl: Gibt es vielleicht einen Hintergrund, dass dessen Vertrag als Sportmanager nur bis 31.12.10 befristet ist?
Will man, was ein bissl untergegangen ist, Burkhard Reich, der zum “dauerhaften Stellvertreter des Sportmanagers” benannt wurde, etwa noch eine weitere Aufgabe zumuten?
Oder ist vielleicht doch was dran an den Gerüchten um Demir Hotic und man hat den Vertrag mit Trentl aus diesem Grund befristet, nicht doch noch ein Beschäftigungsverhältnis mit Hotic eingehen zu müssen?
Leider fiel mir (und anderen womöglich auch) diese Frage am Mitgliederabend nicht ein, u. a. auch weil Metzger (und Kollegen) es geschafft hatte(n), durch Charme und Auftreten eine harmonische(re) Stimmung zu verbreiten.
Jetzt müssen (nur) noch sportliche Erfolge her…