Der vergangene Freitag hielt für den KSC und seine Freunde allerlei Erkenntnisgewinn bereit. Einerseits sportlich, wobei die Mannschaft in Aachen die in sie gesetzten Vertrauens- und Zuversichtsvorschüsse zum wiederholten Male nicht einlösen konnte. Hinten, vorne und in der Mitte hat man kaum Leistungsfähiges gesehen, das die Mannschaft in den kommenden Monaten noch nach vorne spülen könnte. Daß die wechselnden Verantwortlichen der vergangenen Jahre der Truppe immer wieder die spieltechnischen Voraussetzungen für die jeweilige Spielklasse attestierten, mag zwar nicht unbedingt falsch gewesen sein. Doch ein Fußballverein hat nicht den ewigen Kredit eines Langzeitstudenten, der sich irgendwann einmal auf seinen Hosenboden setzen und Versäumtes kraft seiner unbedingt vorhandenen Intelligenz wird nachholen können. Im Gegenteil, für einen Klub gibt es einen solchen Punkt Null nicht. Alles fließt, und hält er nicht zeitnah dagegen, so wird er weggespült. Der KSC hatte in seiner Geschichte schon schlechtere, aber erfolgreichere Mannschaften. Wäre dies nicht so gewesen, dann gäbe es ihn nicht mehr.

Unverständnis und Kopfschütteln

Andererseits gab es am Freitag für den Verein abseits des Rasengevierts noch eine weitere Wahlstatt – das Oberlandesgericht in Karlsruhe. Dort müssen sich nach Aussagen von Anwesenden ebenso bizarre wie groteske Szenen abgespielt haben, für die die Rechtsanwälte des KSC verantwortlich zeichneten. Jene hatten es in den vergangenen Tagen zum wiederholten Male geschafft, die Entscheidungsträger des Vereins zu verunsichern. Und zwar mit dem bewährten Schreckgespenst, daß sich die Verantwortlichen für einen etwaigen Kompromiß mit dem Leipziger Geschäftsmann ziemlich sicher des Verdachts der Untreue und alsbald einem Verfahren wegen Untreue ausgesetzt sähen. Was in den Räumlichkeiten am Adenauerring so gut funktionierte, löste nun am Freitag bei Gericht und Publikum nur noch Unverständnis und Kopfschütteln aus.  Daß die Anwälte über den für sie selbst und den KSC peinlichen Urkundenprozeß hinaus noch diverse Joker im Ärmel haben, erscheint  unmöglich.

Ein perfides Spiel

Wie sagte doch Michael Kölmel in einem Interview mit dem Heldenmagazin noch im vergangenen Sommer ( HELDEN! Nr. 16): Ich habe den leisen Verdacht, daß die ganze Angelegenheit auf der Gebührenschinderei eines Anwaltes beruht, der zum KSC Zugang hat. Er hatte kurz zuvor die Kanzlei gewechselt und dieser dann ein „fettes“ Mandat mitgebracht. Und diejenigen, die den Verein aktuell vor Gericht vertreten, haben sich inzwischen sogar selbständig gemacht. Klar, das kann man machen – denn auf Vorgabe der DFL hat der KSC das Geld zurücklegen müssen, sodaß ihre Bezahlung gesichert ist. Diese Kanzlei wird am Ende mit bis zu 750.000 Euro nach Hause gehen. Davon kann man sich natürlich selbständig machen! Verständlich, daß man zum Präsidium geht, sagt, der Vertrag sei ungültig und „Ihr macht Euch haftbar, wenn Ihr den Kölmel weiterhin bezahlt“. So haben sie die eingefangen. Die klaren Sieger werden ausschließlich die Anwälte sein, ein perfides Spiel.

Daher auch mein Angebot, unabhängig von den Anwälten zu einem Ausgleich zu kommen. Ich bin weiterhin zu einem solchen bereit. Aber wenn man es darauf ankommen lassen möchte, dann bitte.

Der Kompromiß ist notwendig

Eben – genau dies sollte man nicht und wäre der KSC gut beraten, sich von seinen Rechtsbeiständen in der Sache Kölmel mit sofortiger Wirkung zu trennen und den Spuk mit dem immer noch möglichen Kompromiß zu beenden. Und angesichts dieser Erfahrungen sollte man sich ebenso schleunigst mit den Forderungen des Kaiserslauterer Architektenbüros Fiebiger auseinandersetzen. Denn wer weiß – auch in dieser Angelegenheit war vom Vorgängerpräsidium stets nur Beruhigendes zu hören gewesen und würde es nicht wundern, wenn dies nur geschehen wäre, um das eigene Denkmal nicht zu beschädigen.

Unruhe und ein schlechtes Gefühl

Ebenso beschädigt fühlt man sich von der momentanen Favoritenrolle des Verwaltungsrates Arnold Trentl für das Amt des Sportdirektors beim KSC. Es geht jetzt nicht darum, die tatsächlichen oder vermeintlichen Qualitäten Trentls umfassend zu bewerten. Vielmehr ist es eine sich verstärkende innere Unruhe, ein schlechtes Gefühl, das den Betrachter umtreibt. Das neue Präsidium hatte einen grundlegenden Neuanfang versprochen, der alle Ebenen des Vereins betreffen und diese im Sinne des Vereins – und nicht von Einzelinteressen – für die Zukunft ausrichten sollte. Wie Trentl, der sich im und um den Verein seit vielen Jahren gut eingerichtet hat, für einen solch unbelastenden Neuanfang würde stehen können, ist von außen nicht ersichtlich. Zumal die Stelle des Sportdirektors vom Verein bundesweit ausgeschrieben worden war. Daß sich auf diese Annonce hin niemand beworben haben soll, der den Ansprüchen und Notwendigkeiten des Vereins entsprochen haben könnte, ist kaum zu glauben. Und nährt die Vermutung, daß  keine qualitativen Entscheidungskriterien angelegt wurden. Es ist beim KSC in den vergangen Monaten und Jahren vieles schiefgelaufen, das es nach dem gesunden Menschenverstand bei weitem nicht hätte  dürfen. Doch die in diesen Tagen fallende Entscheidung für den Sportdirektor könnte noch verstörender sein als alles zuvor. Und das will etwas heißen.


Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.


Eine Antwort zu “Ein verstörendes Signal”
  1. Frank sagt:

    “Der KSC hatte in seiner Geschichte schon schlechtere, aber erfolgreichere Mannschaften. Wäre dies nicht so gewesen, dann gäbe es ihn nicht mehr.”

    Das ist ja jetzt mal doch ne Aussage, die auf mehr oder weniger jedes Team zutrifft. Als Düsseldorfer weiß ich wovon ich rede.

  2.  
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