Jetzt ist der Zeitpunkt da!
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 393 KlicksKSC-Präsident Metzger kündigt die ersten Arbeitsnachweise an
Eisige Ruhe liegt über dem Wildpark. Nur auf Platz 3 tollt der in der Vorrunde der A-Junioren-Bundesliga so erfolgreiche KSC-Nachwuchs unter Aufsicht seines sichtlich aufgeräumten Trainers Rüdiger Böhm durch das verschneite Geläuf. Die Jungs haben Spaß und demonstrieren ungeniert ihre pure Lust auf Fußball. Auf eben jene Freude mußten hingegen Präsident Paul Metzger und seine Vize Rolf Hauer und Arno Glesius in den vergangenen Monaten spürbar verzichten. Denn seit seinem Amtsantritt nutzten die Medien jeden Quadratzentimeter der reichlich von Metzger angebotenen Angriffsfläche, um ihn zu attackieren. „Es wurde aber eben nicht nur kritisch, sondern bewußt falsch berichtet“, sagt Metzger und beklagt, daß „der normale Mensch letztlich alles glaubt, wenn er es zwei-, dreimal schwarz auf weiß gelesen hat“. Künftig, so kündigt er an, werde er es nicht mehr zulassen, daß ihm etwas, „das ich mit beiden Füßen auf dem Boden stehend gesagt habe“, von der Presse auf den Kopf gestellt werde.
Doch mit dieser Unlust soll es spätestens ab Mitte kommender Woche – der genaue Termin steht noch nicht fest – vorbei sein, wenn das Präsidium die Mitglieder zu einem Informationsabend ins Clubhaus bitten wird, um zu allen Fragen offen Stellung zu beziehen und die ersten Arbeitsnachweise abzuliefern. So sollen bis spätestens eine Woche nach Rückrundenbeginn mit den Positionen des Kaufmännischen und Sportlichen Leiters die wichtigsten hauptamtlichen Zuarbeiter von Metzger und seinen Vizes in der Verantwortung sein. Auch alle weiteren Baustellen wie die Reorganisation der Geschäftsstelle, die Suche nach einem Vermarkter, die Hintergründe der Themen „Co-Trainer“ und „Hotic“ – alles komme auf den Tisch, verspricht Metzger. Und bittet um Verständnis, daß er dieser Veranstaltung nicht im Detail vorgreifen möchte. Nur so viel verrät er zur Entspannung, als daß sich Demir Hotic über die Vermittlung eines Sponsors niemals in den Sportdirektor-Posten hätte einkaufen können, sondern sich ganz normal wie jeder andere Bewerber den Anforderungskriterien hätte stellen müssen. Und natürlich habe es nie eine Handschlagsvereinbarung mit ihm gegeben. Zudem läge ein Vergleich mit Michael Kölmel unterschriftsreif vor. Und zwar mit Vorzügen für den Verein, von denen man in den vergangenen Jahren noch nicht einmal mehr habe träumen dürfen. „Jetzt ist der Zeitpunkt da!“, erklärte Metzger zufrieden und hoffte bis kommenden Freitag auf das Grüne Licht des Verwaltungsrates, um das auf den 15. Januar terminierte Verfahren vor dem Oberlandesgericht noch stoppen zu können. Doch der Verwaltungsrat erhob Einwände, die inzwischen auch Vize-Präsident Rolf Hauer teilt. Und wieder wird man sich berechtigt die Frage stellen, weshalb das Präsidiums-Trio nicht ausreichend vorgearbeitet, bzw. um Rat und Zusammenarbeit gefragt hatte, um den Gremien und der Öffentlichkeit ein tatsächlich rundum fertiges Produkt zu präsentieren.
Dabei braucht der Brettener nichts mehr als Erfolgsmeldungen, da deren bisheriges Ausbleiben der wunde Punkt seiner bisherigen Amtszeit ist. Ehrlich gesteht er zu, daß noch „nichts, aber wirklich gar nichts“ da sei, bei dem man zufrieden feststellen könnte, daß es gut gelaufen und geschafft sei. Zudem entgegnete er der Kampagne der vergangenen Monate, mit der man ihn bewußt „mißverstehen und fertigmachen wollte“, mit einer unerklärlichen Naivität. Zweifellos hat der sich selbst eine zu große Offenheit attestierende Präsident die ihm noch fremden Regeln der Karlsruher Medienlandschaft nicht nur zu lange mit eigenen Unzulänglichkeiten befeuert, sondern sie sich geradezu aufdrängen lassen. Die Themen setzten andere, er hechelte hinterher. Selbst als ein Journalist sich u.a. mit einem vor der Zeit geschriebenen Beitrag über die vorgeblich disharmonisch verlaufene Weihnachtsfeier selbst ausgetrickst und somit disqualifiziert hat, war aus dem Wildpark keine deutliche Richtigstellung zu vernehmen. Die Folgen drohten zeitweise dramatisch zu werden, da einige Sponsoren schon das Vertrauen in die Seriosität des Vereins zu verlieren begannen. Immerhin gelingt es Metzger inzwischen mit Erfolg, die von Dritten verursachten Trümmer in persönlichen Gesprächen beiseite zu räumen.
Zu den unleidlichen Erinnerungen der Vergangenheit zählt auch der ehemalige Manager Rolf Dohmen und liegt es nahe, dessen in den vergangenen Wochen zur Schau gestellte Solidarität mit Mannschaft und Verein als durchschaubare Imagepflege auf Kosten der nunmehr Handelnden zu bewerten. „Nach seiner Ankündigung, den KSC mit dem 30. Juni zu verlassen, hatten wir an einen hochdotierten Mitarbeiter wie ihn zumindest den Anspruch, daß er uns noch zuarbeitet – und dies ist nicht geschehen“, erläutert Metzger den Grund für die zackige Trennung im Dezember. Und weiter: „Jeden kleinen Krust bekamen wir unaufbereitet einfach auf den Tisch gelegt und mußten dann alleine sehen, wie er zu bewerten und zu entscheiden ist.“ Von diesen Feststellungen etwas zurückzunehmen sieht Metzger noch heute keinen Grund und Anlaß. In diesem Zusammenhang ist ihm ein weiteres Anliegen wichtig: „Beim KSC werden von nun an die üblichen Geschäftsprinzipien eines mittelständischen Unternehmens eingeführt werden“. Ausgeschlossen werden müsse nämlich unbedingt, daß ein Angestellter – wie eben Dohmen – ohne Geschäftsführerfunktion, ohne vertraglich fixierte Zuständigkeiten und vor allem ohne Prokura wichtige Entscheidungen je wieder so einsam wird treffen können. „Ich habe es nicht geglaubt und bin aus Wolken gefallen, als ich dies hörte“, ist Metzger noch immer fassungslos über das ehedem herrschende Geschäftsgebaren am Adenauerring.
Nun geht es für den Präsidenten aber nur noch um die Zukunft. Mit Erfolgsmeldungen im Rücken würde es der Präsident in Zukunft leichter haben, von Sponsoren und Fans das notwendige Vertrauen in seine Fähigkeiten erhalten zu können. Ebenso sicher ist allerdings auch, daß Metzger nie die öffentlichkeitswirksame Statur des stets braungebrannten und mit Einstecktuch geschmückten Hubert H. Raase haben wird, der seinem zurückhaltend interpretierten Amt eine fast schon hanseatische Würde zu widmen vermochte – zu hemdsärmelig direkt und im öffentlichen Auftritt oft zu unbedarft ist der Brettener, als daß er jemals das Idealbild eines distinguierten Vereinspatriarchen wird erfüllen können. Damit werden die KSC-Mitglieder aber nicht nur leben müssen, sondern im Erfolgsfalle auch gerne leben können.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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