Erst denken, dann schimpfen – für mehr Nachdenklichkeit beim KSC
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 316 KlicksDie Rheinpfalz-Kolumne vom 30. November 2009
Immerhin der neunjährige Frederik hatte am vergangenen Freitag seinen Spaß und wird er das ansonsten trübe Aufeinandertreffen des KSC mit der TuS Koblenz als einen Höhepunkt seines Lebens im Langzeitgedächtnis verankern können. Denn der Junge mit den langen blonden Haaren durfte an der Pranke des KSC-Maskottchens Willi Wildpark – dem Gewinnspielglück der Oma sei Dank – in das Stadion einlaufen. Daß der Knabe eines Tages den Talentschuppen des Traditionsvereins bereichern wird, erscheint allerdings trotz des Spaßes an Heimsieg und Spiel seines Lieblings Aleksandar Iashvili eher zweifelhaft, da seine verheißungsvoll begonnene Karriere im Dreß des VSV Büchig inzwischen ruht. Handball, Tennis und Klavierspielen bereiteten ihm offenbar weitaus mehr Freude, wie sein Vater fatalistisch gesteht.
Keine Kooperation mit Hoffenheim!
Ebenso achselzuckend wird der gemeine Fan der Blau-Weißen das jüngste Zitat seines Präsidenten Paul Metzger aufgenommen haben, der in der vergangenen Woche im Rahmen des Karlsruher Presseklubs davon gesprochen hatte, in der Jugendarbeit eine Kooperation mit der TSG Hoffenheim anzustreben. Denn diese Aussage ergänzt nahtlos die Liste mit so manchen Kommunikationspannen, die den neuen Verantwortlichen zuletzt unterlaufen waren. Metzger bedauert die Formulierung inzwischen sehr, da sie seinen eigentlichen Gedankengang verzerrt und mißverständlich wiedergibt. Denn richtig sei vielmehr, daß er mit großer Sorge die zunehmende lokale Konkurrenz im Bereich der Talentsichtung und –förderung beobachtet. Jüngstes Zeichen dafür, daß der KSC hierbei selbst in seinen Stammlanden angegriffen wird, ist der Plan der Dietmar-Hopp-Stiftung, nun auch in Pforzheim einen Förderstützpunkt zu errichten. Der KSC stünde dieser Initiative hilflos gegenüber, da er nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, um mit regionalen Partnerschaften selbst aktiv werden zu können. Metzger möchte nun das Gespräch mit den Kraichgauern suchen und anregen, daß sich die Klubs im Südwesten an historische Einzugsgebiete halten und die jeweiligen, traditionellen Einzugsgrenzen respektieren sollen. Drei Bundesligavereine – KSC, TSG und Freiburg – würde die Region nämlich problemlos stemmen können, wenn man eine auf Respekt vor den anderen gegründete Absprache träfe. Dem KSC-Präsidenten ist bei diesem Unterfangen nur viel Glück zu wünschen, denn angesichts der Bestimmtheit, mit der Hoffenheim seine Ziele angeht, ist mit dessen Entgegenkommen nur kaum zu rechnen.
Alles schon vergessen
Ebensowenig konnte man erwarten, daß sich die Zuschauer in den Stadien aufgrund des Freitodes von Robert Enkes ein wenig zurücknehmen und das Fallbeil ihres Urteil etwas überlegter einsetzen würden. Bestätigt wurde diese Befürchtung am Freitag im Wildpark, als der für den ausgepumpten Anton Fink eingewechselte Niklas Tarvajärvi mit einem bösen Pfeifkonzert empfangen und seine folgenden Aktionen mit Häme und Spott versehen wurden. Nun ist unzweifelhaft, daß der Finne bislang jegliche Qualifikation für einen Platz im Team eines ambitionierten Zweitligisten hat vermissen lassen. Aber nie mangelte es ihm am Bemühen, seine Mängel mit großem Einsatz auszugleichen. Der Frust der Fans mag angesichts oft unter ihrem Leistungsvermögen agierender Spieler wie auch Christian Timm oder – der inzwischen angenehm verbesserten – Marco Engelhardt zwar groß sein. Aber die an Psycho-Terror erinnernden Reaktionen sind bestimmt nicht hilfreich, ihnen zu besserem Spiel oder noch größerer Identifikation mit dem KSC zu verhelfen. Zur Zeit stünde es so manchem Menschen im Wildpark gut zu Gesicht, wenn er vor dem Reden oder Schimpfen erst einmal in sich gehen und die Folgen seiner Worte abwägen würde. Diese Zeit muß man sich nehmen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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Auch mit eher durchschnittlichem Talent kann man durchaus erfolgreich sein. Durch leidenschaftlichen Einsatz beispielsweise. Auf keinen Spieler der letzten 20 Jahre unseres Vereines trifft das mehr zu, als auf Niklas Tarvajärvi. Denn letzteres ist immer noch effektiver, als ein hoffnungsvolles Talent, welches aber ansonsten eher der Faulheit zugetan ist. Und zu guter letzt zählt nur das, was auf dem Rasen passiert. Und das waren, wenn man die letzten vier/fünf Spiele betrachtet, positive Zeichen. Zwei Tore und drei Assists.
Na also!
Morgen gegen Paderborn wieder ein “Glatteistor” von Niklas Tarvajärvi und ich gebe der Heldenredaktion im Milano ein Freibiert (oder Brochen und Hustentee) aus.