Abpfiff – Rolf Dohmen muß gehen
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Kolumnen - 171 KlicksDie Rheinpfalz-Kolumne vom 21. Dezember 2009
Mit der am Samstag bekannt gewordenen, sofortigen Trennung von Manager Rolf Dohmen wurde eine wichtige Ära in der KSC-Geschichte endgültig beendet. Mit viel Geschick war es seit 2002 der Mannschaft um das Präsidium von Hubert H. Raase gelungen, den Verein aus der größten Krise herauszuführen und ihm nicht nur seine Würde, sondern auch sportlichen Erfolg zurückzugeben. Hierbei waren die Mittel, die den Verantwortlichen zur Verfügung standen, nur sehr bescheiden gewesen. Um so bemerkenswerter war letztlich der Erfolg, dem Klub und seinen leidgeprüften Freunden sogar zwei Spielzeiten in der 1. Bundesliga ermöglichen zu können. Im Verbund mit Cheftrainer Edmund Becker entwickelte Dohmen mit viel Augenmaß und Verstand eine Mannschaft, die in Auftreten und Spiel zu den sympathischsten gehörte, die je diesen Verein repräsentierten. Unvergeßlich die gelungenen Abstiegskämpfe, die wundervolle Aufstiegssaison 2006/07, welche mit unwahrscheinlicher Wucht die schiere Lust am Fußball repräsentierte. Als Zugabe gelang zwar zudem eine bisweilen begeisternde Bundesliga-Premierensaison, doch lag hierin bereits die Wurzel des späteren Scheiterns. Mit dem unwiderstehlichen Erfolg ging ein zunehmender Unwillen daher, vergangene und bestehende Erfolgsmechanismen kritisch auf ihre künftige Funktionalität zu hinterfragen. Denn die Leistungsqualität des gesamten Vereins war in vielen Bereichen zwangsläufig noch auf zu dünnem Fundament gebaut, um Rückschläge und Irrtümer abfedern zu können.
Feiern und gefeiert werden
Somit bewahrheite sich der bekannte Sinnspruch, daß die größten Fehler oft im Erfolg gemacht werden. Dohmen feierte und wurde gefeiert. Wenn sich die Fans noch im Winter 2006/07 vor der Geschäftsstelle bei eisiger Kälte die Nächte um die Ohren schlugen, um für Auswärtsspiele Karten zu ergattern, wurde der gegen neun Uhr zur Arbeit eintreffende Dohmen begeistert und ehrlichen Herzens gefeiert. Alles war gut, es lief. Und dies vor allem für den Rheinländer, der sich im Verlauf der Jahre Status und Kompetenzen erarbeitet hatte, die über die angestammten eines leitenden Angestellten längst hinausgewachsen waren. Dohmen war der Verein, nichts, aber auch gar nichts lief ohne ihn. Er war ein Erfolgsmodell, der die Passivitäten des eigentlich übergeordneten Präsidiums ebenso gekonnt wie kongenial kompensieren konnte. Dies war die Zeit, in der sich der Manager nachts um zwei auf den Ludwigsplatz stellen und aus einer heiteren Laune heraus hätte postulieren können, die Vereinsfarben in pinkrosa und mintgrün ändern zu wollen – niemand hätte widersprochen. Diese sich mehr und mehr in Selbstvergessenheit wandelnde Autonomie schlug erst dann gegen den Verursacher, als die sportliche Leistungsbeschau mit dem demonstrativ nach außen gestellten Selbst- und Machtbewußtsein Dohmens nicht mehr zu korrespondieren begann. Unvergessen hierbei die Affäre um seinen neuen Dienstwagen, der die Beziehungen zu wichtigen Sponsoren auf eine harte Probe stellte. Dabei zeigte sich eklatant, daß sich bei Dohmen das sichere Gefühl aufgebaut hatte, auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen.
Ärgern und geärgert werden
Dabei war Dohmen sein einst sicheres Gespür für wichtige Personalentscheidungen längst entglitten. Bis zu jener in diesem Sommer passierten drei Transferperioden seinen Schreibtisch, die er für den KSC nicht mehr derart ausreichend gestalten konnte, als daß die Mannschaft für die sportlichen Herausforderungen noch gerüstet gewesen wäre. Hinzukommend erkannte er nicht, daß sich im Verhältnis Trainer Beckers zu den Spielern Abnutzungserscheinungen entwickelt hatten, die den tabellarischen Absturz nur beschleunigten. Daß er Becker dann nach nur zwei Spielen der laufenden Saison eiskalt fallen ließ, ohne auch nur im Ansatz seine eigenen Verantwortlichkeiten zu reflektieren und gegebenenfalls auch für sich persönlich die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, war denn zu viel. Der Rest war eine Qual, sein Absturz in der Vereinshierarchie ebenso folgerichtig wie brutal. Daß er dabei kein Mitgefühl benötigt, hierfür spricht unter anderem sein außerordentlich guter Vertrag. Rolf Dohmen wird mit Stolz auf seine Leistungen im Wildpark zurückblicken können und dürfen. Um seine Zukunft jedoch nicht im vorgezogenen Ruhestand verbringen zu müssen, sollte er die kommenden Wochen unbedingt dazu nutzen, aus der Spätphase dieser Zeit die richtigen Lehren zu ziehen. Ebenso wie der KSC, der hieraus nun eine wichtige Zukunftsentscheidung treffen muß.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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