Paul Metzger, der neue Präsident des KSC, hat gleich zu Beginn seiner noch jungen Amtszeit eine beträchtliche Energie gezeigt, die nicht nur die Angestellten des Vereins, sondern auch Außenstehende mehr als verblüfft hat. Wohin auch immer er in den vergangenen Tagen sein Aktionsfeld richtete, entfaltete er dort umgehend die Wirkung eines Fuchses im Hühnerstall – es flogen die Federn und herrschte gewaltige Aufregung. Daß er auf der freitäglichen Mitgliederversammlung eingestand, sich in seiner neuen Rolle als Präsident erst noch finden zu müssen, ehrt ihn daher außerordentlich. Ein Fußballverein ist ein fragiles Gebilde, das auf allen Ebenen sehr fein austariert sein muß, um nicht instabil zu werden. Daher ist ihm und dem Verein zu wünschen, daß die notwendigen Umbrüche in Ausführung und Wirkung künftig etwas sanfter verlaufen. Denn es ist klar, daß beim KSC vieles auf den Prüfstand kommen muß. Und um so akzeptierter wird dieses sein, wenn es besser kommuniziert und sensibler angegangen wird. Denn es steht viel auf dem Spiel.
Ein schlechtes Geschäft?
So hat der mit Michael Kölmel erarbeitete Kompromiß unter den Mitgliedern und in der Öffentlichkeit nicht jene befreiende Wirkung gezeitigt, die man sich bei den Verantwortlichen erhofft hatte. Denn bis 2019 wird der KSC runde 23 Millionen Euro auf den Tisch gelegt haben müssen, um sich gegenüber dem Rechtehändler seiner Verpflichtungen um die zentralen Vermarktungsrechte entledigen zu können. Nicht nur, daß dies ein immenser Betrag ist – hinzu käme, daß hiervon die dezentralen Fernsehrechte nicht betroffen wären und weiterhin zeitlich unbefristet bei einer gemeinsamen GmbH lägen, von der mehrheitlich Kölmel profitierte. Kein Wunder ist es also, daß ob einer zu schnellen Einigung so mancher Verwaltungsrat nervös zu werden beginnt. Und das vor allem deshalb, weil die Chancen, alle Vereinbarungen mit Kölmel juristisch erlöschen zu lassen, gut erscheinen.
Ein Zerwürfnis droht
Nun ist es nicht so, daß Kölmel im Falle für ihn negativer juristischer Bewertungen mit leeren Händen dazustehen drohte. Kein Vereinsmitglied muß also befürchten, daß der Geschäftsmann nicht zumindest seine geleisteten Beträge zuzüglich Zinsen zurück erhielte. Auch in diesem Zusammenhang erscheint das nun ausgehandelte Gesamtpaket etwas zu großzügig, um ungeteilte Zustimmung auszulösen. Daß sich nun aufgrund der raschen Vorgehensweise Metzgers im Zuge der Kompromißaushandlungen mit dem Verwaltungsrat gravierende Differenzen aufgetan haben könnten, täuscht und sind ähnliche Zerwürfnisse, wie sie zu Zeiten des Vorgängerpräsidiums unter Hubert H. Raase bestanden, nicht zu befürchten. Dies ist wichtig, da man sich mit dem Präsidiumswechsel auch dringend eine Erholung des Verhältnisses der beiden wichtigsten Vereinsgremien erhofft hatte. Eine Fortführung des Zerwürfnisses wäre für den Klub zweifellos fatal, sodaß sich beide Seiten hoffentlich auch künftig ihrer gemeinsamen Verantwortung bewußt sind.
Dicke Luft
Dies gilt auch für die Zusammenarbeit der neuen Führung mit der sportlichen Leitung des KSC. Wer am Freitag die Pressekonferenz zum Union-Spiel besucht hat, wird bemerkt haben, daß man zum Schneiden der Luft zwischen Metzger auf der einen, und dem Duo Rolf Dohmen und Markus Schupp auf der anderen Seite, mit einem Messer nicht weit gekommen wäre und statt dessen eine Kettensäge benötigt hätte. Metzger hatte sich jüngst der Mannschaft sowie der sportlichen Analyse derart intensiv gewidmet, daß sich der Trainer in seiner uneingeschränkten Autorität getroffen fühlen mußte. Auch machte es am Freitag nicht den Eindruck, daß Schupp und Dohmen in die Entscheidungsfindung um eine Verpflichtung von Serhat Akin ausreichend einbezogen gewesen wären.
Das Spiel hat gefallen
Immerhin, der folgende sonntägliche Auftritt des KSC gegen den bislang starken Aufsteiger aus Berlin wußte zu gefallen. Trotz der vorausgegangenen Mißerfolge und des Einbruchs in der zweiten Halbzeit besteht keine Veranlassung, die Arbeit von Markus Schupp vorzeitig in Zweifel zu ziehen. Denn einigen Leistungsträgern ist noch immer die zweijährige Talfahrt anzumerken, die den KSC aus dem vorderen Mittelfeld der Bundesliga in die untere Tabellenhälfte der 2. Liga geführt hat, sodaß eine sprunghafte Wende nicht vorauszusetzen war und ist. Trainer und Mannschaft benötigen Geduld, um den angestrebten Neuaufbau gelingen zu lassen. Daß Mannschaft und Publikum hierdurch nun bis zum nächsten Frühsommer eine klassische Übergangssaison bevorsteht, ist zwar einerseits bedauerlich. Andererseits verfügt man dadurch aber zumindest in diesem Bereich über eine gewisse Gewähr dafür, daß keine Aufgeregtheiten entstehen. Der KSC kann zumindest auf diesem Gebiet die Ruhe sicher brauchen.
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.





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