Eine interessierte Seite
Geschrieben von Matthias Dreisigacker in Fotos, Kolumnen - 940 KlicksAuch nach dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund, das der KSC – zugegeben unerwartet – deutlich verlor, bleibt es für die KSC-Fans spannend und folgen binnen weniger Tage weitere Höhepunkte: das Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern, sowie am 30. September die Mitgliederversammlung in der Europahalle, auf der das neue Präsidium gewählt werden wird. Am vergangenen Freitag gab es für an Ämtern Interessierte nun die letzte Gelegenheit, ihre Bewerbung einzureichen.
Der Letzte, der diese nutzte, war Ex-Stürmer Arno Glesius, der sich um einen der beiden Vize-Präsidenten-Plätze bemühen wird. In Anbetracht der anderen Bewerber um einen dieser zwei Posten ist er der einzige, der über sportliche Erfahrung verfügt. Wie der ausscheidende Rainer Schütterle galt der Spieler Glesius als populärer Sympathieträger, dessen größte Tat gewiß das Ausgleichstor gegen Eintracht Frankfurt in der letzten Minute der Saison 1987/88 war. Dadurch blieben den Mannen um Trainer Winfried Schäfer die nervenzehrenden Relegationsspiele gegen Darmstadt 98 erspart, denen sich hierfür der SV Waldhof stellen mußte. Wer weiß, ob die junge Schäfer-Truppe dieser Belastung standgehalten hätte. Ob Glesius diesen Sympathiebonus wird nutzen können, weiß man natürlich noch nicht. Denn vergangene sportliche Großtaten werden den kritischen Mitgliedern nicht mehr genügen, um ihm das Vertrauen zu schenken. Zu sehr dürften sie an Schütterle denken, der sich in seiner letzten Amtszeit aus unterschiedlichen Gründen doch arg zurückgenommen hatte und keine Impulse mehr setzen konnte. Somit wird Glesius, wie alle anderen Anwärter, fachlich ebenso glänzen müssen wie einstmals auf dem Platz. Zuzutrauen ist es ihm jedenfalls allemal.
Supporters informieren
Die Supporters des KSC übrigens haben für den heutigen Freitag eine Informationsveranstaltung vorbereitet, auf der sich alle Präsidiusmskandidaten gemeinsam präsentieren werden. Das Interesse der Öffentlichkeit dürfte groß sein, da die Nachfolger des Teams um Hubert Raase vor wichtigen Herausforderungen stehen werden. Dank des guten wirtschaftlichen Arbeitens von Präsidium und Verwaltungsrat der vergangenen Jahre geht es hierbei ausnahmsweise nicht unmittelbar um die Finanzen, sondern werden Themen wie die Stadionfrage, das Marketing, die singuläre Sonderstellung Manager Rolf Dohmens sowie das Verhältnis zur lokalen Politik und Wirtschaft im Vordergrund stehen. Um diese Fragen lösen zu können, bedarf es kluger und unabhängiger Köpfe, die in den drei Jahren ihrer Amtszeit dazu bereit sein müssen, Vergangenes kompromißlos auf den Prüfstand zu stellen und hieraus die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Die Präsidentenkandidaten Rolf Kahn, Siegfried König und Paul Metzger sowie die Vize-Kandidaten Glesius, Rolf Hauer, Peter Horn, Uli Jäck und Michael Steidl sollten sich darauf einstellen, auf Herz und Nieren geprüft zu werden. Und das ist tatsächlich gut so.
Ein PR-Unglücksfall
Ein weiterer wichtiger Aspekt einer solchen Veranstaltung ist allerdings, daß die Supporters hiermit auf eine Seriosität verweisen können, die ihnen von interessierter Seite noch in der vergangenen Woche vehement abgesprochen wurde. Denn drei Vorstandsmitglieder des Karlsruher Fan-Dachverbandes hatten spontan ihren Namen für eine Anzeige einer Brettener Initiative „Metzger ins Präsidium“ gegeben, ohne genau genug über Inhalt, Erscheinungsweise und Form dieser Aktion informiert gewesen zu sein. Eine zweifellos unglückliche Gedankenlosigkeit, die ihnen anschließend in der letzten Donnerstag erschienen Ausgabe des Karlsruher Kurier vehement zum Vorwurf gemacht worden war. Dort wurde aus der in der kleinen Brettener Woche erschienenen Mücke im Karlsruher Großraum rasch ein Elefant, auf den man mit Kanonen schießen zu müssen glaubte. Noch bevor der Kurier erschienen war, zog einer der Unterzeichner, Martin Löffler, die Konsequenz und bot dem Leiter des KSC-Wahlausschusses, Ingo Wellenreuther, seinen Rücktritt an, dem dieser denn auch stattgab. Weshalb nun öffentlich kolportiert wird, daß Löffler dieser Rückzug habe nahegelegt werden müssen, ist nur oberflächlich verwunderlich. Genau besehen paßt dies nämlich in eine seit Langem stattfindende Kampagne gegen den Fan-Dachverband, die sich – bei aller berechtigten Kritik – immer dreister abseits der Wahrheit bewegt.
Beschädigt
Dennoch – oder deshalb – dürften für die Öffentlichkeit die Supporters in ihrer Gesamtheit momentan zumindest als etwas angeschlagen aus dieser Affäre hervorgehen. Aber immerhin, durch diesen Crash-Kurs in Sachen „Diffamierung in Wahlkampfzeiten“ ordentlich durchgeschüttelt, werden die Beteiligten künftig überlegter und vorsichtiger agieren, das ist sicher. Und das müssen sie auch. Denn man sollte sich bei den Supporters darüber bewußt werden, daß deren Stimme mehr gehört wird und Aufmerksamkeit erfährt, als man dort je zu hoffen glaubte. Sie sind wichtig und haben essentielleres zu sagen, als man gemeinhin annehmen mag. Um so mehr muß man deshalb darauf bedacht sein, diese Stimme zu professionalisieren.
Brisanter Südwestschlager
Auch sportlich bleibt es interessant. Mit Markus Schupp scheint zumindest das Glück wieder in den Wildpark gefunden zu haben und sieht es danach aus, daß sich der KSC mit ihm in der Tabelle eher nach oben als nach unten wird orientieren können. Trotz der schwachen Auftritte gegen den FSV Frankfurt und Borussia Dortmund scheint der Trainerwechsel der Mannschaft gut getan zu haben. Um so mehr hat das Derby am kommenden Samstag die Fans schon längst elektrisiert und ist die Vorfreude auf diesen in den letzten Jahren selten gewordenen Klassiker riesengroß. Angesichts der jüngsten Ereignisse von Mannheim, als es im Rahmen des Regionalligaspiels zwischen dem Waldhof und der U-23 des FCK zu argen Ausschreitungen gekommen war, ist aber nur zu hoffen, daß Organisatoren und Ordnungskräfte um die Brisanz des Südwest-Schlagers wissen.
Sicher sollte man sich vor Dramatisierungen hüten. Aber es sollte sich hinterher niemand darauf berufen können, daß die zu befürchtenden Probleme nicht vorherzusehen gewesen sein könnten. Rolf Dohmen sagte, am Montag auf der Pressekonferenz vor dem Pokalspiel auf das Wissen um die Brisanz des Lautern-Spiels angesprochen, daß man nicht von vorneherein davon ausgehen solle, daß das Spiel am Samstag für die Fans ein unangenehmes Erlebnis werden würde. Auch interessiere ihn jetzt erst einmal das Dortmund-Spiel und überhaupt habe „Stefan“ (Kuntz, d.V.) auch noch nicht angerufen. Na, dann mal die Autokennzeichen blank geputzt, die blau-weißen Schals übergeworfen und am Samstag fröhlich und heiter über den Rhein!
Die hier veröffentlichten Beiträge des Herausgebers Matthias Dreisigacker basieren auf den Kolumnen in der Zeitung Die Rheinpfalz, die dort in der Regel montags in der Rubrik 'An der Seitenlinie', veröffentlicht werden.
Hier werden sie am jeweils darauf folgenden Donnerstag freigestellt.



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Eine interssante Sache. Spannend zu lesen.
Ich kann mich da Simon nur anschließen, echt Klasse, wenn es sich auch vielleicht etwas blöd anhört aber das ist einfach so